Konzerte

Orgel-Festival für ein einzigartiges Instrument

Bei den Internationalen Hill-Orgel-Tagen gastieren Konzertorganisten aus Europa in der Kirche St. Afra. Der Eintritt ist frei.

Gerald Goesche ist Propst an der Katholischen Kirche St. Afra. Mit Spenden wurde eine alte Orgel aus England für die Kirche organisiert und eingebaut.

Gerald Goesche ist Propst an der Katholischen Kirche St. Afra. Mit Spenden wurde eine alte Orgel aus England für die Kirche organisiert und eingebaut.

Foto: Amin Akhtar

Die katholische Kirche St. Afra verbirgt sich auf dem malerischen Innenhof des Hauses Graunstraße 31 in Gesundbrunnen. Und sie beherbergt ein ebenso seltenes wie interessantes Instrument, eine 150 Jahre alte Orgel des englischen Meisters William Hill. Die Klangfarbe dieser Orgel ist dezidiert romantisch, was bei Kirchenorgeln in Deutschland so gut wie nie zu finden ist. Musikfreunde können sich bei den Hill-Orgel-Tagen von der Klangfülle dieses Instruments überzeugen. Von Mittwoch bis Sonnabend, 21. bis 24. August, spielen international renommierte Organisten aus Frankreich, England und Deutschland in St. Afra.

Den Anfang macht am Mittwoch Thomas Ospital. Der Kirchenmusiker hat als Organist von St. Eustache in Paris eines der weltweit bedeutsamsten Ämter seiner Zunft inne. Um 20 Uhr spielt er Werke von Mozart, Liszt und Duruflé. Den Donnerstag gestaltet, ebenfalls ab 20 Uhr, der Brite Peter Holder, Organist an der Westminster Abbey in London. Auf dem Programm stehen Werke von Händel, Mendelssohn-Bartholdy und Byrd sowie eine eigene Bearbeitung von Bizets Carmen-Suite.

Programme von Mozart bis Debussy

Am Freitag gastiert um 20 Uhr der Kölner Domorganist Professor Winfried Bönig mit Werken von Offenbach und Debussy an der Hill-Orgel. Den Abschluss der Orgeltage gestalten Jonas Wilfert und Christoph Ostendorf am Sonnabendmittag um 12 Uhr. Die beiden Berliner Organisten spielen gemeinsam symphonische Bearbeitungen von Mozart, Tschaikowski und Brahms. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei, eine Spende indes sehr willkommen.

Diese Hill-Orgel ist die größte historische englische Orgel in Deutschland. Ihr Weg nach Berlin-Gesundbrunnen, in die Kirche des katholischen Instituts St. Philipp Neri, war abenteuerlich. 1869 gebaut, stand sie ursprünglich in einer Methodistenkirche, die 2011 geschlossen wurde. Das Institut konnte sie vor dem Abriss retten und für geradezu lächerliche 1000 britische Pfund erwerben.

Mit Spenden und Lottomitteln konnte die Orgel restauriert werden

Allerdings musste das wertvolle Instrument abgebaut, generalüberholt und wieder zusammengebaut werden. Das gelang durch viele Spenden und Mittel der Klassenlotterie. Seit 2015 ist sie wieder zu hören. Ihr Klang ist weicher und farbiger als bei einer typisch deutschen Barockorgel, aber brillant. 2300 Pfeifen und ein computerunterstützter Spieltisch mit drei Tastaturen machen’s möglich.

Das Institut St. Philipp Neri ist eine Gemeinschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts und damit direkt dem Papst in Rom unterstellt. Es erhält keine Zuwendungen aus dem Kirchensteueraufkommen und ist ausschließlich auf Spenden angewiesen.