Prozessauftakt

Trio soll Drogen an Minderjährige verkauft haben

Der jüngste Kunde war erst zwölf Jahre alt. Seit Dienstag stehen drei mutmaßliche Dealer vor Gericht. Ihre Hauptzielgruppe: Jugendliche.

Ein junger Mann raucht einen Joint. (Archivbild)

Ein junger Mann raucht einen Joint. (Archivbild)

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Weil sie Drogen überwiegend an Jugendliche und Minderjährige verkauft haben sollen, müssen sich seit Dienstag drei junge Männer vor dem Landgericht verantworten. Zwei 20-Jährige haben nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft das Geschäft betrieben, ein 25-Jähriger ist wegen Beihilfe angeklagt. Er soll unter anderem seine Wohnung als „Drogenbunker“ zur Verfügung gestellt haben.

Das Geschäft mit der sogenannten weichen Droge Cannabis florierte nicht übermäßig lange, aber so lange es florierte, lief es glänzend. 61 Taten zwischen dem 31. Dezember 2016 und dem 15. August 2017 hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage aufgelistet. Den Tagesumsatz in dieser Zeit beziffert die Behörde mit 1500 Euro. Beim letzten Deal im August 2017 hatte die Polizei die Gruppe allerdings bereits im Visier, noch am selben Tag wurden zwei der drei Angeklagten am U-Bahnhof Dahlem Dorf festgenommen.

Die meisten Kunden des Trios waren zwischen 16 und 19 Jahre alt. Im Kundenverzeichnis findet sich allerdings auch ein 13-Jähriger. Und ein Zwölfjähriger soll gar so etwas wie ein Stammkunde gewesen sein. Aktiv sollen die Angeklagten vornehmlich in Steglitz gewesen sein. Der dortige Stadtpark, das Areal um den U-Bahnhof Rathaus Steglitz und der Walter-Schreiber-Platz gelten für die Ermittler als Hauptumschlagplätze.

Angeklagte aus Berlin: Werbung für die Drogen mit Flyern und bei Social Media

Sollten die drei jungen Männer die angeklagten Taten tatsächlich begangen haben, dann haben sie für sich eine völlig neue Form des Drogenhandels entdeckt. Geworben wurde bei der durchweg jungen Kundschaft laut Staatsanwaltschaft mit eigens beschafften Flyern und Visitenkarten, sowie im Internet, insbesondere über die sozialen Medien.

Eine Verständigung zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung kam bislang nicht zustande. Alle Verteidiger wollten und wollen für ihre Mandanten Bewährungsstrafen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hielt dagegen, das bereite ihr „Bauchschmerzen“ - angesichts des sehr jungen „besonders schutzlosen Abnehmerkreises“. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.