Mammutprozess

Ex-Hooligan wegen Kokainhandels vor Gericht

Bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich trat Christopher R. auf einen Polizisten ein. Er wurde immer wieder straffällig.

Justitia vor dem Kriminalgericht Moabit

Justitia vor dem Kriminalgericht Moabit

Foto: Taylan Gökalp / dpa

Berlin. Der Name Christopher R. ist untrennbar verbunden mit dem schändlichsten Gewaltausbruch, den deutsche Fußball-Hooligans im Ausland zu verantworten haben. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich schlugen und traten R. und andere wie von Sinnen auf den Polizisten Daniel Nivel ein. Der heute 65-Jährige ist seither halbseitig gelähmt, auf einem Auge blind und kann nur mühsam sprechen. Am Freitag steht R. wieder einmal vor Gericht. Diesmal in Berlin und diesmal geht es um ein riesiges Drogengeschäft. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der 44-Jäh­rige versucht haben, 120 Kilogramm Kokain im Wert von 3 Millionen Euro zu kaufen und anschließend mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Zudem geht die Anklagebehörde davon aus, dass R. Kopf einer Bande ist, die unter anderem in Brandenburg Drogenlabore eingerichtet hat. Für das Verfahren gegen R., der nach der Tat in Frankreich Kariere bei den Hells Angels machte und mit Rockerboss Kadir P. (selbst gerade wegen Mordes angeklagt) befreundet sein soll, hat das Gericht 42 Verhandlungstage bis zum April kommenden Jahres angesetzt. Mehr als 120 Zeugen sollen dabei gehört, unzählige Akten, einige 1000 Seiten umfassend, ausgewertet werden. Im Raum steht auch der Verdacht, R. habe das Geschäft teilweise noch aus der Haft, beziehungsweise als Freigänger eingefädelt.

Christopher R., der seine erschreckende Kariere als Hooligan des Berliner Clubs BFC Dynamo begann, wurde bereits mehrfach verurteilt, unter anderem wegen Drogendelikten. Seine letzte Verurteilung datiert aus dem Jahr 2015. Die Haft, zu der er damals verurteilt wurde, soll 2021 enden. Das Urteil gegen R. war erst Anfang 2017 rechtskräftig geworden, da wechselte der 44-Jährige von der U-Haft in die Strafhaft. Christopher R. soll von Anfang an umfassende Vollzugs­lockerungen erhalten haben und bereits seit dem Sommer des gleichen Jahres Freigänger sein.

Unbestätigten Meldungen zufolge sollte das Kokaingeschäft teilweise über Spanien abgewickelt werden, R. lebte längere Zeit auf Mallorca und brachte es dort zum Präsidenten des regionalen Hells-Angels-Ablegers. Die meisten Details werden wohl erst bekannt werden, wenn sie in der Hauptverhandlung zur Sprache kommen. Neben R. sind zwei weitere Männer und eine Frau angeklagt, welche Rolle jeder einzelne Angeklagte bei dem Geschäft spielte, das herauszufinden, ist jetzt Sache des Gerichts. Ob das Landgericht für den Prozess besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen wird, ist derzeit noch unklar.