Jubiläum

So will Berlin den Mauerfall vor 30 Jahren feiern

Berlin begeht rund um den 9. November eine Woche lang den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Im Mittelpunkt: bildmächtige Installationen.

„Deine Vision im Himmel über Berlin“ heißt die geplante Installation über dem Brandenburger Tor.

„Deine Vision im Himmel über Berlin“ heißt die geplante Installation über dem Brandenburger Tor.

Foto: ©-Kunstinstallation-Patrick-Shearn-of-Poetic-Kinetics-kuratiert-von-Kulturprojekte-Berlin.jpg

Berlin. Vor zehn Jahren waren es noch überdimensionale, von Menschen aus aller Welt gestaltete Dominosteine, die entlang des ehemaligen Mauerstreifens aufgestellt wurden und deren Umfallen an die Kettenreaktion des Revolutionsherbstes von 1989 erinnern sollte. Fünf Jahre später waren es 6880 weiße, von innen beleuchtete Naturkautschukballons auf Carbonstangen, die Teile des Mauerverlaufs von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke anschaulich machten.

Und auch in diesem Jahr, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, wird es große, bildmächtige Installationen geben, die Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag in der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg zusammen mit der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und dem Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH, Moritz van Dülmen, vorstellte.

Dazu gehört eine Kunstinstallation am Brandenburger Tor, bei der unter dem Titel „Deine Vision im Himmel über Berlin“ ab dem 4. November 30.000 Botschaften von Berlinerinnen und Berlinern über der Straße des 17. Juni schweben sollen. Hinzu kommen großformatige 3D-Videoprojektionen, die mit Bildern, Animationen und Klangeffekten an die Atmosphäre der Jahre 1989 und 1990 erinnern sollen – an der Gethsemanekirche, dem Alexanderplatz, dem Brandenburger Tor, dem Kurfürstendamm, der Stasizentrale, dem Schloßplatz und der East Side Gallery.

Veranstaltungen an sieben historischen Orten

Zu den Eigenheiten des diesjährigen, mit Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro veranschlagten Mauerfalljubiläums gehört nämlich nicht nur, dass es sich über eine ganze Woche erstreckt, genauer: am 4. November beginnt und am 10. November endet. Stärker als in den vergangenen Jahren sollen auch die Originalschauplätze von damals im Zentrum stehen – womit auch die vielfältigen Facetten der friedlichen Revolution von 1989 in den Blick genommen werden können.

Marianne Birthler erinnerte etwa an die zentrale Rolle der Gethsemanekirche für die Formierung, Vernetzung und Aufrechterhaltung der Opposition in der DDR. Eine Ausstellung im und am Gotteshaus an der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg wird diese Funktion mit Texttafeln und Bildern aufbereiten – wie auch mit einem breit angelegten, über Hörstationen zugänglichen Interviewprojekt, in dem damalige Bürgerrechtler wie Evelyn Zupke, Ulrike Poppe, Frank Ebert oder der ehemalige Gemeindepfarrer Bernd Albani zu Wort kommen werden.

Am Alexanderplatz wird analog dazu die Großdemonstration vom 4. November im Vordergrund stehen, am Kurfürstendamm die Begegnung der jahrzehntelang voneinander durch die Mauer getrennten Berliner, an der Lichtenberger Stasi-Zentrale der Sturm auf dieselbe am 15. Januar 1990. Am Schlossplatz wird es um die ersten freien Wahlen gehen, an der East Side Gallery wird an die künstlerische Übernahme des Grenzwalls erinnert. Und natürlich wird dem Brandenburger Tor am Abend des 9. November eine ganz besondere Rolle zukommen: Die Staatskapelle unter Leitung von Daniel Barenboim wird das Programm eröffnen, das eine Reihe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berücksichtigt und am Ende vom DJ WestBam in eine „Europäische Clubnacht“ überführt wird, die in 27 Clubs in ganz Berlin gefeiert werden soll. Mehr als 100 Veranstaltungen – Podiumsdiskussionen, Konzerte, Führungen, Workshops, Filmreihen, Lesungen Theaterinszenierungen und mehr – stehen auf dem Programm, das in den kommenden Wochen schrittweise auf der Seite mauerfall30.berlin veröffentlicht werden soll.

Eine App zeigt die Mauer, wie sie war

30 Jahre Mauerfall bedeuten aber auch, dass eine ganze Generation inzwischen in Berlin ohne das Ungetüm aufgewachsen ist. Für sie und alle anderen historisch Interessierten ist die App „MauAR“ entwickelt worden, die es mit Hilfe der Augmented-Reality-Technologie ermöglicht, die Mauer an ihren Standorten als dreidimensionale Animation auf Handy oder Tablet zu betrachten (kostenlos im Appstore oder unter www.mauar.berlin). Für diese App sind Sonderepisoden geplant, in denen die Ereignisse aus dem Herbst 1989 an den jeweiligen Schauplätzen, etwa dem Alexanderplatz, abgerufen werden können. Es bleibt zu prüfen, ob der historische Informationswert mit den sicherlich eindrucksvollen technischen Möglichkeiten auch mithalten kann.

Das Programm zum Jubiläum: www.mauerfall30.berlin