Morgenpost vor Ort

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„Morgenpost vor Ort“: Leserforum am 26. August. Es geht um Probleme und Perspektiven im Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Die Wannsee-Fähre ist ein wichtiges Verkehrsmittel im Südwesten

Die Wannsee-Fähre ist ein wichtiges Verkehrsmittel im Südwesten

Foto: dpa Picture-Alliance / Michael Kappeler

Berlin. Steglitz-Zehlendorf gehört zu den begehrtesten Berliner Wohnbezirken. Sozialstruktur, Einkommens- und Bildungsniveau sind überdurchschnittlich. Doch auch im Südwesten gibt es große Herausforderungen. Wo ist noch Platz für den in Berlin dringend benötigten Wohnungsbau? Hält die Infrastruktur, zum Beispiel im Schul- und Kitabereich, mit dem Wachstum Schritt? Hat die Kriminalität zugenommen?

Die meisten Menschen in Steglitz-Zehlendorf leben sehr gern in diesem Bezirk – wenn nur die Verkehrsprobleme nicht wären. Die einen klagen über ständig verstopfte Straßen und Berufspendler, die die Parkplätze rund um die S-Bahnhöfe belegen. Die anderen kritisieren unzureichende Bahnverbindungen und überfüllte Züge. Wie reagieren Verkehrspolitiker und -planer auf das Wachstum?

Ärgernisse, Aufgaben und Potenziale

Kurzum: Wie entwickelt sich Steglitz-Zehlendorf, was liegt im Argen, welches sind die Potenziale? Worüber ärgern sich die Menschen, welche Aufgaben muss die Politik angehen?

Solche Fragen wollen wir am 26. August bei einem großen Leserforum mit Ihnen erörtern. Unsere nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Morgenpost vor Ort“ trägt den Titel „Steglitz-Zehlendorf – Probleme und Perspektiven eines Bezirks“.

Sechs Experten bieten Informationen aus erster Hand

Die Berliner Morgenpost bietet ihren Lesern dabei die Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren und mit unseren Experten auf dem Podium darüber zu sprechen, wie der Bezirk lebenswert bleiben kann. Auf dem Podium diskutieren: Cerstin Richter-Kotowski, Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf und stellvertretende CDU-Landesvorsitzende; Gösta Köhler, Leiter des Polizeiabschnitts 43; Ulrike Kipf, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses; Jens Wieseke, stellvertretender Landesvorsitzender und Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb sowie Katrin Lange, Bezirksreporterin der Berliner Morgenpost für Steglitz-Zehlendorf. Moderator des Abends ist Morgenpost-Autor Hajo Schumacher.

Das Leserforum beginnt am Montag, 26. August, um 19 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, Teltower Damm 18 (Ecke Kirchstraße) und dauert circa zwei Stunden. Nach der etwa 60 Minuten langen Podiumsdiskussion können die Gäste im Publikum Fragen stellen und sich in die Debatte einschalten. Die Teilnahme ist für alle Leser kostenlos, die Gäste müssen sich aber zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, erläutern wir am Ende des Textes.

Themen sind Stadtentwicklung, Infrastruktur, Verkehr und Kriminalität

Zentrales Thema des Abends ist die Zukunft des Südwest-Bezirks, insbesondere in den Bereichen Stadtentwicklung, soziale Infrastruktur, Verkehr, Verwaltung und Finanzen. Dabei soll zum Beispiel die Frage, ob es auch künftig genügend Schulplätze gibt, ebenso diskutiert werden wie das Tempo bei der Schulsanierung.

Wir werden die Verkehrsbelastung durch Berufspendler besprechen und die Pläne, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Zudem wollen wir uns damit beschäftigen, wie es um öffentliche Sicherheit und Kriminalität im Bezirk bestellt ist.

Senat plant Straßenbahnlinie vom Alex zum Rathaus Steglitz

Zu den großen Verkehrsprojekten der rot-rot-grünen Landesregierung für den Südwesten gehört eine Straßenbahnverbindung vom Alexanderplatz über Potsdamer Platz bis zum Rathaus Steglitz. Die Tram soll dann die chronisch überlastete Buslinie M 48 auf dieser Strecke ersetzen. Doch das Projekt wird im Bezirk mehrheitlich abgelehnt – dass noch nicht absehbar ist, wann es überhaupt umgesetzt werden könnte, stört viele Menschen in Steglitz-Zehlendorf nicht.

Anders verhält es sich mit der Wiederbelebung der alten Stammbahn, die ebenfalls im Nahverkehrsplan 2030 des Senats enthalten ist. Erst kürzlich haben sich Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) und Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) zu dieser Regionalverbindung bekannt.

Auch die Bahn möchte die Strecke wieder in Betrieb nehmen, die zwischenzeitlich von Politikern geäußerte Idee, auf der Trasse provisorisch einen Radschnellweg anzulegen, hatte das Unternehmen in Alarmstimmung versetzt.

Bund muss Stammbahn erst in seinen Verkehrswegeplan aufnehmen

Mehr als das politische Signal und eine bereits eineinhalb Jahre währende Prüfung des Projekts gibt es allerdings noch nicht. Ähnlich wie bei der Siemensbahn könnten die beiden Bundesländer beschließen, bei der Planung der Stammbahn in Vorleistung zu gehen. So könnten sie dem Bund den Bau der Bahnlinie schmackhaft machen, damit er in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Doch selbst, wenn alle politischen und planerischen Hürden genommen sind, würde es mindestens zehn Jahre dauern, bis die Stammbahn rollt.

Viele Experten sind überzeugt, dass die Stammbahn auch dazu beitragen könnte, die Pkw-Pendlerströme aus Brandenburg zu minimieren. Viele Autofahrer fahren mit ihrem Fahrzeug nach Berlin, parken bevorzugt in der Nähe eines S-Bahnhofs und fahren dann mit der S-Bahn weiter. Es gibt zu wenige Park-and-Ride-Plätze, doch der Senat will keine neuen schaffen, weil er das für den verkehrspolitisch falschen Weg hält. Zudem seien Berliner Flächen dafür zu wertvoll. Die CDU kritisiert diese Haltung.

U-Bahn von Krumme Lanke bis Mexikoplatz

Eine weitere Idee, den öffentlichen Nahverkehr im Südwesten zu stärken, ist der Vorschlag, die U-Bahn von Krumme Lanke bis zum Mexikoplatz zu verlängern. So könnten U- und S-Bahn verknüpft werden, zudem sind Teile des Tunnels bereits vorhanden. Die Verkehrssenatorin hat auf diesen Vorschlag allerdings sehr zurückhaltend reagiert. Wenn sich Rot-Rot-Grün überhaupt zur Verlängerung von U-Bahn-Linien entschließen kann, steht die U3 nicht ganz oben auf der Liste.

Hingegen setzt die S-Bahn seit Anfang Juni die lang ersehnten Verstärkerzüge auf der S1 ein und kann so für eine dichtere Taktfolge auf der stark frequentierten Linie sorgen. Montags bis freitags von 6.39 bis 9.56 Uhr sowie von 14.39 bis 19.36 Uhr fährt die S1 nun neunmal pro Stunde.

Fahrradparkhäuser sollen 2020 fertiggestellt sein

Weiter warten müssen die Steglitz-Zehlendorfer indes auf Fahrradparkhäuser. Schon 2014, noch unter dem SPD-CDU-Senat, wurden sie angekündigt. Die ersten wetterfesten Abstellanlagen in Berlin sollten 2015 am S-Bahnhof Mexikoplatz und am U-Bahnhof Krumme Lanke errichtet werden, auch am S-Bahnhof Zehlendorf und in Pankow sollten Flächen dafür reserviert werden. Daraus wurde so „schnell“ nichts.

Nun soll das erste Fahrradparkhaus Berlins soll am S-Bahnhof Zehlendorf entstehen. Weitere Abstellanlagen an den S-Bahnhöfen Wannsee und Mexikoplatz sowie am U-Bahnhof Krumme Lanke sind geplant, das Bezirksamt hatte im November 2017 eine Ausschreibung dafür veröffentlicht. Im kommenden Jahr sollen die Parkhäuser fertiggestellt sein.

Diskussionen um Neubau der Bahnbrücke in Zehlendorf-Mitte

Über den Bau der neuen Bahnbrücke am S-Bahnhof Zehlendorf, die bis 2024 fertig sein soll, wird seit Jahren diskutiert. Hintergrund ist die Forderung von Anwohnern und einer Bürgerinitiative, im Zuge des Brückenneubaus einen dritten Zugang zum Bahnsteig am Postplatz zu bauen. Damit sollen Schulen und Wohngebiete rechts und links der Gleisanlagen besser an die S-Bahn angebunden werden. Nach derzeitigem Stand, werden zunächst aber nur zwei Zugänge zu den Gleisen entstehen.

Der heute schon bestehende Aufgang am Teltower Damm soll erweitert und ein zweiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite neu gebaut werden. Für den dritten Zugang am Platz vor der ehemaligen Post – daher auch Postplatz genannt – laufen noch Planungen.

Die Bürgerinitiative fordert, zuerst den neuen Bahnhofszugang vom Postplatz und von der Machnower Straße zu bauen. Ohne diesen fertigen Zugang würde es ansonsten während der zweijährigen Bauarbeiten an der Brücke zu einem Chaos kommen, befürchtet der Sprecher der Initiative, Christian Küttner. 2016 hatten Senat und Bahn beschlossen, den dritten Zugang zu bauen. Dann kam es immer wieder zu ungeklärten Fragen in bezug auf Finanzierung und Wirtschaftlichkeit.

In Lichterfelde Süd liegt eines der größten Berliner Baugebiete

Zu den größten Bauprojekten Berlins gehört das neue Stadtquartier in Lichterfelde Süd. Die Groth-Gruppe will dort 2500 Wohnungen errichten, zudem eine Schule, eine Kita und Geschäfte. Derzeit wird der Bebauungsplan erstellt, der Hochbau soll im Herbst 2020 beginnen. Die Groth-Gruppe muss noch einmal umplanen, nachdem auf dem Gelände alte Baracken von Kriegsgefangenen entdeckt wurden. Der Denkmalschutz möchte sie erhalten (siehe unten).

Ein wichtiger Ort, der städtebaulich weiterentwickelt werden soll, ist die alte Lungenklinik in Heckeshorn. Während der Senat dort bis zu 700 Flüchtlinge unterbringen will, setzen sich die Ortsverbände von CDU und FDP dafür ein, das Areal zu einem Pflege- und Gesundheitsstandort auszubauen. Die Fronten sind verhärtet, der Senat hat das Verfahren an sich gezogen. Im Moment hat aber die Fledermaus das Sagen – sie hat für einen Baustopp gesorgt.

So können Sie am Leserforum teilnehmen:

Das Leserforum „Berliner Morgenpost vor Ort“ zum Thema „Steglitz-Zehlendorf – Probleme und Perspektiven eines Bezirks“ beginnt am Montag, 26. August, um 19 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, Teltower Damm 18 (Ecke Kirchstraße). Es dauert zwei Stunden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Voraussetzung ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“. Das geht per E-Mail an aktionen @morgenpost.de, per Fax an die Nummer (030) 8872 77967 oder per Postkarte/Brief an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin. Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abonummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe zuerst berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens bis Freitag, 23. August, 15 Uhr, in der Morgenpost-Redaktion vorliegen. Der Zugang ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung der Redaktion möglich.

Das Rathaus Zehlendorf ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der S-Bahnhof Zehlendorf (S1, Wannsee–Oranienburg) ist nur wenige Meter entfernt, auch die BVG-Buslinien X10, X11, M48, 101, 112, 115, 118, 285 und 623 halten ganz in der Nähe. Parkplätze gibt es am Rathaus und in den umliegenden Straßen.

Diese Experten sitzen auf dem Podium:

Cerstin Richter-Kotowski (57) ist Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf und stellvertretende Landesvorsitzende der CDU. Im Bezirksamt ist sie auch für Finanzen, Personal, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung zuständig. Zuvor war die Juristin unter anderem Stadträtin für Bildung, Kultur und Bürgerdienste sowie etliche Jahre Mitglied des Abgeordnetenhauses.

Jens Wieseke (54) gehört seit 1996 dem Vorstand des Berliner Fahrgastverbandes Igeb an, seit 15 Jahren ist er dessen stellvertretender Vorsitzender. Als Sprecher des Verbandes gilt er als kritische Stimme für Hunderttausende Bahn- und Busfahrgäste. Der gebürtige Köpenicker arbeitet bei der Deutschen Post, dort hat er auch eine Lehre absolviert und studiert.

Ulrike Kipf (55) engagiert sich seit 2009 in Berliner Schulen. Seit 2014 ist die Ärztin und Mutter dreier Söhne Mitglied im Vorstand des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf, leitet diesen seit 2016. Zudem wirkt sie im Bezirksschulbeirat, in Arbeitsgruppen des Landeselternausschusses sowie im Landesbeirat Schulbau mit und ist Mitglied der Schulinspektion.

Gösta Köhler (56) leitet seit Mitte Mai dieses Jahres den Polizeiabschnitt 43. Zuvor hatte der Polizeioberrat in der Senatsinnenverwaltung gearbeitet und war Leiter des Führungsdienstes im Abschnitt 45 (Steglitz / Lichterfelde). Der gebürtige Schwabe kam 1995 nach Berlin. Der Abschnitt 43 umfasst Nikolassee, Schlachtensee, Wannsee und den Westen von Zehlendorf.

Katrin Lange (54) ist seit 1999 Redakteurin bei der Berliner Morgenpost, seit 2002 berichtet sie aus Steglitz-Zehlendorf. In Berlin lebt sie seit 1984, Anfang 1989 zog die studierte Publizistin und Germanistin in den Südwesten, in die Nähe der Schloßstraße. Dort lebt sie heute noch und hat den Wandel der Einkaufsstraße und des Bezirks miterlebt und journalistisch begleitet.

Hajo Schumacher (55), Morgenpost-Autor und -Kolumnist, moderiert die Diskussionsrunde. Der aus Münster stammende Journalist und Politikwissenschaftler arbeitet auch für Magazine, Hörfunk, Online-Medien und TV. Schumacher ist Verfasser mehrerer Bücher („Männerspagat“, „Restlaufzeit“), auch unter dem Läufer-Pseudonym Achim Achilles.