Task Force

Kampf gegen Clans: Bezirke verbünden sich

Neukölln hat den Anfang gemacht. Jetzt wollen auch andere Bezirke gezielt gegen Clan-Kriminalität vorgehen.

Bei einer Razzia im August hat die Polizei zwei Mitglieder der arabischen Großfamilie R. festgenommen.

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Berlin. Der Kampf gegen kriminelle Clans soll ausgeweitet werden. Weitere Bezirke sollen dem Vorbild Neukölln folgen und den Druck auf kriminelle Großfamilien erhöhen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Senatskreisen.

In Neukölln gibt es seit Monaten behördenübergreifende Einsätze von Ordnungsamt, Polizei und Zoll. Weil Ermittler Wanderungsbewegungen krimineller Clans beobachten, soll das Neuköllner Konzept sukzessive auf die ganze Stadt ausgeweitet werden.

Im September ist das auch Thema beim Rat der Bürgermeister. Es drängt: Denn neben Neukölln haben Ermittler in Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Reinickendorf vermehrt Aktivitäten krimineller Familienclans wahrgenommen.

Berliner Clans verlagern Aktivitäten von Neukölln nach Tempelhof

Berichte über Wanderungsbewegungen der Clans sorgen auch bei der Politik für Verunsicherung. So fordert etwa die SPD in Tempelhof-Schöneberg die Einrichtung einer Task Force „Clankriminalität“ im Bezirksamt. „Wir werden im September einen entsprechenden Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einbringen“, sagte Lars Rauchfuß (SPD) der Berliner Morgenpost.

Anlass der Initiative seien Berichte über Erkenntnisse, wonach sich die Machenschaften einiger Clans aus Neukölln nach Tempelhof verlagern würden. Bekannt ist etwa, dass die Großfamilie C. mittlerweile ihren Hauptsitz in dem Stadtteil hat.

Die Task Force solle analog zum erfolgreichen Vorgehen des Bezirks Neukölln die Zusammenarbeit der Behörden im Kampf gegen organisierte Kriminalität intensivieren und den Ermittlungsdruck auf aus Neukölln abgewanderte Verdächtige intensivieren, heißt es.

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Auch in Spandau nimmt das Thema an Bedeutung zu. Kriminelle Clans und der Umgang mit ihnen werde „leider auch ein zunehmendes Thema für Spandau“, sagte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) der Berliner Morgenpost. In den kommenden Monaten wolle man sich intensiver damit auseinandersetzen. Fest stehe bereits: „Wir werden zunehmend mit anderen Behörden zusammenarbeiten und uns dabei auch Neukölln als Vorbild ansehen“, so Kleebank.

Probleme mit Clans auch in Kreuzberg, in Mitte ist man noch gelassen

In Charlottenburg-Wilmersdorf beobachtet Arne Herz (CDU), stellvertretender Bürgermeister und Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, gemeinsam mit der Polizei die Szene, die durch die Verdrängung aus Neukölln in andere Bezirke drängt. In einigen Bereichen wie zum Beispiel am Adenauerplatz seien bereits Veränderungen feststellbar, sagte er. „Wir begleiten die Polizei, die in diesem Bereich strafrechtlich unterwegs ist, gewerberechtlich aus der Sicht des Ordnungsamts“, so Herz. Der Bezirk sei auch vertreten in einer gemeinsamen Koordinierungsgruppe der Polizei.

Auch in Friedrichshain-Kreuzberg ist der Umgang mit kriminellen Clans ein Thema. „Sowohl das Bezirksamt als auch das Ordnungsamt in eigener Zuständigkeit haben einen regelmäßigen Kontakt zur Polizeidirektion, zu den Friedrichshain-Kreuzberger Abschnitten und zur Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport“, teilte die Sprecherin des Bezirkes, Sara Lühmann, auf Anfrage mit.

Sofern dem Bezirksamt Anhaltspunkte in Bezug auf Clankriminalität vorliegen würden, werden diese an die Polizei weitergeleitet. „Im Zuge des Personalaufbaus in unserer Verwaltung wird es beispielsweise im Ordnungsamt ab dem Jahr 2020 neue Stellen für einen Gewerbeaußendienst geben. Damit können die Gewerbekontrollen verstärkt werden“, so Lühmann.

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Berliner Polizei hat zuletzt gegen 59 kriminelle Banden ermittelt

Entspannt sei die Lage hingegen noch in Mitte: „Aktuell sind mir keine solchen Planungen bekannt, und auch in der letzten Besprechung mit der Polizeidirektion wurde das Thema von keiner Seite als dringlich angesehen“, sagte Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) der Berliner Morgenpost. „Es scheint, dass Mitte viele, aber eben zum Glück nicht alle Probleme dieser Stadt in sich vereint“, so von Dassel weiter.

Interview: Oberstaatsanwalt: "Bei den arabischen Familien-Clans ist es fünf nach zwölf"

In Berlin hat die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt gegen 59 organisierte kriminelle Banden mit 462 Mitgliedern ermittelt. Dabei ging es neben den klassischen Deliktfeldern wie die Rotlicht- und Drogenkriminalität in vielen Fällen auch um reine Wirtschaftsstraftaten.

Die Polizei äußerte sich derweil nicht konkret zu möglichen Ausweitungen der gezielten Kontrollen krimineller Clans. Aus der Behörde hieß es lediglich, die Leiter der örtlichen Direktionen stünden ohnehin in ständigem Kontakt zu den Verantwortlichen der jeweiligen Bezirke. Dabei gehe es immer auch um die Zusammenarbeit bei Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung.