Kampagne gegen Müll

"World Cleanup Day": Die Welt räumt auf - Berlin ist dabei

Am 21. September ist „World Cleanup Day“. Stadtweit sind diverse Aktionen geplant, um die Kieze sauber zu machen.

Beate Ernst setzt beim World Cleanup Day auf Engagement in allen Bezirken.

Beate Ernst setzt beim World Cleanup Day auf Engagement in allen Bezirken.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Ob im Stadtpark Steglitz, in Staaken oder im Wuhletal: Am 21. September geht es überall ans Putzen und Müllsammeln, daran, die Orte zu verschönern und ein Zeichen gegen die zunehmende Vermüllung zu setzen. An diesem Tag findet international der „World Cleanup Day“ statt. Im vergangenen Jahr haben sich bereits Millionen Menschen in mehr als 150 Ländern beteiligt, nun organisiert der Verein „Wir Berlin“ die Aktion auch in Berlin. Die Berliner Morgenpost begleitet den Tag als Medienpartner.

„Wir Berlin“ beschäftigt sich schon seit 2011 mit dem Thema Müll in Berlin, hat seither jährliche Aktionstage organisiert. „Es gab schon länger viele Kiez-Initiativen, aber die sind nicht darüber hinausgekommen“, sagt Beate Ernst, Vorstandsvorsitzende des Vereins. „Unser Gedanke war es, das zu bündeln und bürgerschaftliches Engagement zu zeigen.“ Die Aktionstage seien über die Jahre immer weiter gewachsen, zuletzt wurde bereits an weit über 200 Orten in Berlin aufgeräumt. Im vergangenen Jahr wurde der Verein dann auf den „World Cleanup Day“ aufmerksam, der 2018 erstmals in Deutschland stattfand. „Wir haben gedacht, das passt gut zu uns“, sagt Ernst. Im Frühjahr habe man deshalb eine Kooperation mit dem Verein „Let’s do it! Germany“ geschlossen worden, der den Tag in Deutschland koordiniert. Gebündelt werden sollen nun nicht mehr nur die Berliner Initiativen, sondern die globalen Kräfte gegen ein Problem, das die gesamte Welt betrifft. Act local, think global lautet das Motto – lokal, im eigenen Kiez, handeln, aber global denken.

Engagement ist besonders bei jungen Berlinern gewachsen

In den acht Jahren, in denen sich „Wir Berlin“ jetzt für das Thema engagiert, habe man eine „bemerkenswerte Entwicklung“ festgestellt, berichtet Beate Ernst. Diskussionen würden heute anders geführt und vor allem bei jungen Menschen sei das Engagement heute groß. „Die Frage, was mit unserem Planeten passiert, trifft junge Leute ins Mark“, sagt Ernst. „Wir haben heute einen ganz anderen Zulauf, das merken wir an den Anrufen oder Kooperationen, die entstehen.“ Insgesamt sei die Stadtgesellschaft heute offener für die Überlegung des Vereins: dass es nicht nur die Aufgabe der Berliner Stadtreinigung (BSR) sei, sich um den Müll in der Stadt zu kümmern, dass jeder einzelne dabei helfen könne, die Stadt schöner zu machen.

Auch wenn die Beteiligung an den Aktionstagen in den vergangenen Jahren gewachsen ist, gab es aber auch immer wieder Kritik. Die Menschen hätten gefragt, berichtet die Vereinsvorsitzende, was das Aufräumen an einem Tag denn bringe, wenn es sowieso schnell wieder dreckig sei. Beate Ernst sagt, das gemeinsame Aufräumen soll ein Signal sein, Aufmerksamkeit auf das Problem der Vermüllung lenken. Für den nachhaltigen Effekt soll es am „World Cleanup Day“ noch einen zweiten Part geben: Auf dem Steinplatz in Charlottenburg sind Stände und ein Bühnenprogramm geplant. „Es soll darum gehen, wie man Müll vermeidet und wie wir etwas verändern können“, erklärt Ernst.

Die BSR holt Müll an den Sammelstellen ab

Vertreten seien Politiker, Unternehmen, Umweltorganisationen und Kiez-Initiativen. Sie alle sollen ihre Sicht darauf darstellen, wie man über ein „Cleanup“ hinaus die Vermüllung stoppen kann, sagt Ernst. Geplant ist auch, einen Livestream im Internet zu übertragen. „Wir wollen die Botschaft nicht nur nach Berlin tragen, sondern nach draußen senden“, sagt Ernst.

Wer beim „World Cleanup Day“ in Berlin dabei sein möchte, kann sich entweder bestehenden, offenen Aktionen anschließen oder selbst etwas organisieren. Auf der Internetseite von „Wir Berlin“ werden die Aktivitäten dann auf einer Karte eingezeichnet. Zu den Aktionen, die bislang dort eingetragen sind, zählen unter anderem der „Saubere Cramerplatz“ in Steglitz, der „Herbstputz am Leon-Jessel-Platz“ in Wilmersdorf sowie „Berlin fegt“ rund um den Lützowplatz in Tiergarten.

Der gesammelte Müll wird dann von der BSR an abgestimmten Orten später abgeholt. Zurzeit laufe man auf die ersten 100 Anmeldungen zu, sagt Beate Ernst, Ziel ist, dass es wieder mehr als 200 werden. Aktionen finden in allen Berliner Bezirken statt, die beteiligten Altersgruppen reichen von Kindern bis Rentnern. Man versuche gezielt, Schulen und Kindergärten anzusprechen und so die Jüngsten bereits an das Thema heranzuführen, sagt Ernst. Einige Grundschulen organisieren Aktionen bereits am Freitag, vor dem eigentlichen „World Cleanup Day“. Der älteste Teilnehmer, den sie einmal getroffen habe, sei 92 Jahre alt gewesen, erzählt die langjährige Lehrerin. „Er hat mit anderen Graffitis entfernt.“ Auch Botschafter, Politiker oder Unternehmen mit ihren Mitarbeitern hätten sich in den vergangenen Jahren bereits an den Aktionstagen beteiligt. Wie die Aktivitäten aussehen, das ist allen Initiativen selbst überlassen. „Wir freuen uns über jeden neuen Ansatz“, sagt Ernst. Alles, was dem Ziel diene, dass Berlin sauberer wird, „das ist per se erstmal richtig.“