Öffentlicher Start

Erster fahrerloser Bus: Auf Stotterfahrt in die Zukunft

Ab Freitag fährt ein fahrerloser Bus im Linienverkehr der BVG. Die Beteiligten erhoffen sich viel, doch noch kostet die Fahrt Geduld.

Seit Freitag fährt der hochautomatisierte Kleinbus der BVG im Linienverkehr durch Tegel.

Seit Freitag fährt der hochautomatisierte Kleinbus der BVG im Linienverkehr durch Tegel.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin. Die Zukunft der Mobilität kommt noch etwas langsam daher, aber sie fährt. Am Freitagvormittag gaben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gemeinsam mit den Projektpartnern den Startschuss für den öffentlichen Testbetrieb ihres fahrerlosen Busses . Erstmals sei damit ein hochautomatisierter Kleinbus im Straßenverkehr einer deutschen Großstadt unterwegs. Nachdem die fahrgastlose Testphase wie berichtet bereits Anfang August begonnen hatte, verkehrt der kleine gelbe Sechssitzer nun täglich bis Jahresende kostenlos im Linienverkehr auf dem 1,2 Kilometer langen Rundkurs zwischen dem U-Bahnhof Alt-Tegel und der Greenwichpromenade in Tegel.

Hochautomatisierter Kleinbus der BVG fährt mit 15 km/h durch Tegel

„Das klingt erstmal nach nicht sonderlich viel“, sagte Christian Rickerts, Staatssekretär der Senatswirtschaftsverwaltung bei der Jungfernfahrt am Tegeler Hafen. Aber es sei eben kein Katzensprung „sondern ein großer Schritt für die Stadt als Innovationsmotor.“ Als „intelligente Ergänzung im öffentlichen Personennahverkehr“, bezeichnete die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta den Bus. Mit den Mobilen sei es künftig möglich, Shuttleverkehre einfach und kundenfreundlich anzubieten. Auch Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese sah in den Fahrzeugen einen Zusatz zum bestehenden Nahverkehrsangebot. „Der ÖPNV ist nicht überall so gut getaktet. Da können wir mit kleinen Bussen vielleicht die Lücke füllen.“

Bis dahin dürfte es noch ein wenig dauern. Bei der Probefahrt zumindest zeigte sich noch die ein oder andere Schwäche des Systems. Mit sechs Fahrgästen an Bord und der BVG-Fahrbegleiterin Anja Olschewski fährt der Bus los. Genaugenommen jedoch erst, nachdem Olschewski ihn gestartet und auf die Route geschickt hat.

Beim Projekt „See-Meile“ handelt es sich um einen hochautomatisierten Bus, kein autonomes Gefährt. Das Kleinfahrzeug des Herstellers EasyMile fährt entlang einer zuvor einprogrammierten Strecke, abweichen davon kann er alleine nicht. Lugt ein Auto zu weit aus der Parklücke heraus, oder hält ein Fahrzeug auf der Straße, bleibt das gelbe Mobil stehen. Dann übernimmt Olschewski manuell das Steuer und lenkt den Bus auf einer umgehängten Fernsteuerung mit wenigen Hebeln. Die Fahrerin ist aus Sicherheitsgründen und wegen bestehender EU-Richtlinien ohnehin noch immer Pflicht an Bord der intelligenten Fahrzeuge.

Noch muss der Fahrbegleiter beim fahrerlosen Bus oft eingreifen

Noch jedenfalls wird sie auch immer wieder gebraucht. Auf der rund 1,2 Kilometer langen Strecke muss sie mehrmals nach einem Halt eingreifen. Aktuell ist der Bus zudem bewusst als recht defensiver Fahrer programmiert. Ehe er sich in Bewegung setzt, vergehen einige Sekunden. Für viele ungeduldige Autofahrer zu viel. Sie überholen den kleinen Bus oder weichen schnell auf seine Spur aus, um ein haltendes Fahrzeug zu umkurven. Dem gelben Gefährt bleibt da nichts als weiter zu warten. Entsprechend stotternd geht es voran.

Herrscht jedoch einmal freie Fahrt, kann der Bus voll beschleunigen. Endlich hat man das Gefühl, wirklich voranzukommen – auch wenn schon bei Tempo 15 Schluss ist. Das Fahrzeug schafft maximal 45 Kilometer pro Stunde, erklärt Fahrbegleiterin Olschewski. Noch jedoch ist aus Sicherheitsgründen lediglich die Fahrt mit einem Drittel der Geschwindigkeit für den Testbetrieb genehmigt. Dass es auf der „See-Meile“ noch recht langsam zugeht, gesteht Verkehrsstaatssekretär Streese ein, hofft künftig aber auf ein höheres Tempo. „Wir tasten uns da ran“, sagte er. Ob der Bus in einer zweiten Testphase schneller fahren dürfe, müsse man noch sehen.

Die Autofahrer rundum jedenfalls scheinen mit der niedrigen Geschwindigkeit in der Tempo-30-Zone nur schlecht zurechtzukommen. Wo es geht, überholten sie den gelben Bus – und verlangsamten dessen Fahrt damit weiter. Mancher Fahrer beschwert sich, dass der Kleinbus nicht wartet und Platz macht, damit er ausparken könne. Dass das gelbe Mobil nun offiziell am Verkehr teilnimmt, scheint noch nicht bei allen Fahrern angekommen.

Nach etwa 13 Minuten und damit schneller als die geplanten 15 Minuten- erreicht der Bus trotz Stotterfahrt schließlich wieder sein Ziel – zumindest fast. Rund einen Meter vor der Haltestelle bleibt er nochmal auf der Straße stehen. Ein älterer Passant wartet zu nah am Bordsteinrand.

Seit Freitag können sich die Berliner selbst ein Bild von den Fahrqualitäten machen. Der Kleinbus verkehrt montags bis freitags von 7.30 bis 11 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr kostenlos auf seiner Tegeler Route. Sonnabend und Sonntag fährt er zwischen 10.30 und 17.30 Uhr.