Ausbildung

Marode Gebäude: Feuerwehrschüler schlagen Alarm

Die Auszubildenden der Lehrakademie klagen über Unterrichtsausfall bei der Brandbekämpfung und marode Gebäude.

Der Kampf gegen Wohnungsbrände soll in der Feuerwehr-Ausbildung geübt werden. Doch wegen Personalmangels fällt der Unterricht oft aus.

Der Kampf gegen Wohnungsbrände soll in der Feuerwehr-Ausbildung geübt werden. Doch wegen Personalmangels fällt der Unterricht oft aus.

Foto: imago stock&people / imago/Seeliger

Berlin. Unterrichtsausfall, marode Gebäude - bislang kannte man solche Schlagzeilen in Berlin nur von der Polizeiakademie. Doch kaum ist dort Besserung in Sicht, schlagen die Auszubildenden der Feuerwehr Alarm. In einem offenen Brief beklagt die Jugend- und Auszubildendenvertretung (HJAV) des Landes Berlin die unhaltbaren Zustände an der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst Akademie (BFRA) in Schulzendorf. Nun verspricht Berlins Innensenator Andreas Geisel (SDP) Abhilfe.

In dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, schildert der HJAV-Landesvorsitzende Pascal Prey die Lage und dass in den vergangenen Monaten zahlreiche Beschwerden bei ihm eingegangen seien. Prey (25) schaute sich daraufhin die Situation vor Ort an - zuletzt am vergangenen Donnerstag zusammen mit dem Innensenator. „Ich kenne keine Gebäude in Berlin, die so heruntergekommen sind wie die der Feuerwehr-Akademie“, sagte Prey, der selbst bei einer Berliner Verwaltung arbeitet.

Die Räume seien in einem katastrophalen Zustand, von den Wänden blättere Putz und Farbe. Die Häuser sind teilweise aus den 1930-Jahren und entsprechen nicht mehr heutigen Standards. „Nicht nur der bauliche Zustand der Gebäude stelle ein Problem dar, sondern auch der Mangel an Räumen. So steht Hunderten Feuerwehr-Azubis ein Aufenthaltsraum für die Pausen zur Verfügung“, schreibt Prey in seinem Brief.

Die Folge sei, dass die Auszubildenden im Flur auf dem Boden sitzend ihre Mahlzeiten verzehren müssten. Zudem seien schon jetzt die Klassenräume überfüllt. Weitere Räume würden daher dringend benötigt. Auch gebe es für alle Schüler auf dem Gelände nur einen Imbisswagen.

Feuerwehr in Berlin: Unterrichtsausfall ist für Schüler lebensgefährlich

Ein weiteres Problem sei der Unterrichtsausfall. „Insbesondere der Mangel an Lehrpersonal führte in der Vergangenheit dazu, dass Unterricht ausgefallen ist und aufgrund fehlender Personalressourcen nicht nachgeholt werden konnte“, schreibt Prey. Das betreffe die Brandbekämpfung und den Atemschutz. „Es gibt Feuerwehrleute, die kommen auf die Wachen und haben noch nie einen Brand gelöscht. Das ist lebensgefährlich“, sagte Prey der Berliner Morgenpost. Mitarbeiter der Lehrakademie bestätigten die Schilderungen Preys zum Teil. So seien die Kurse an der Akademie aufgrund der Ausbildungsoffensive so vollgestopft, das Personal aber so knapp, dass ausgefallene Stunden nicht nachgeholt werden könnten. „Es ist alles auf Kante genäht“, sagte ein Feuerwehrmann der Berliner Morgenpost.

In der Innenverwaltung hat man das Problem erkannt. Bei seinem Besuch in Schulzendorf sicherte Innensenator Geisel kurzfristige Lösungen zu. So sollen zeitnah zwei neue Gebäude entstehen, die zu einer höheren Raumkapazität führen sollen. Diese Gebäude in modulbauweise wurden an der BFRA entwickelt. Im ehemaligen Gästehaus gebe es zudem einen neuen Kantinenbetrieb. Prey begrüßte das, forderte aber weitere Anstrengungen, um die Situation schnell zu verbessern.

Solang der BER nicht eröffnet, hat die Feuerwehr ein Problem

Dabei ist die Feuerwehr nicht an allem selbst schuld. Dass die Akademie in Schulzendorf veraltet und marode ist, wissen Experten schon lange. Aus diesem Grund soll auf dem Flughafengelände in Tegel die neue Akademie entstehen. Solang Tegel aber nicht geschlossen wird, weil der BER nicht fertig wird, kann auch die Feuerwehr nicht umziehen und ist von Zwischenlösungen abhängig. Denn wirklich investieren will trotz Ausbildungsoffensive in Schulzendorf niemand mehr. Der HJAV-Vorsitzende Prey sagte, das sei fatal. Für künftige Feuerwehrleute sei die Akademie der erste Kontakt mit neuen Arbeitgeber - dem Land Berlin. Und dort sehe man sehr gut, dass Berlin seine Feuerwehr kaputtgespart habe.

Diese Einschätzung teilt auch Hauptbrandmeister und Berlins GdP-Vizechef Oliver Mertens. Er sagte, dass die Ausbildungsoffensive nicht vorbereitet worden sei. Klassenräume, die für 18 Schüler ausgelegt sind, seien mit 24 Schülern belegt, soziale Bereiche seien nicht vorhanden und Lehrpersonal sei knapp. Der Fehler liegt in der Vergangenheit. Weil man auf Tegel spekuliert hat, hat man Schulzendorf vergessen“, sagte Martens.