Ermittlungen

Falsche Polizistin war auch schon am Hermannplatz im Einsatz

Die Justizverwaltung zieht sich die Akte auf den Tisch. Der Soziale Dienst stellte Strafanzeige wegen unerlaubten Waffenbesitzes.

Die falsche Polizistin aus Berlin wurde schon mehrfach erwischt.

Die falsche Polizistin aus Berlin wurde schon mehrfach erwischt.

Foto: Privat

  • Der Fall einer falschen Polizistin beschäftigt die Berliner Polizei
  • Die mittlerweile 23-Jährige war am 1. August 2019 im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen von einer Zivilstreife bemerkt worden
  • Sie stand nach der Verbüßung einer Haftstrafe wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung und Einbruch unter Führungsaufsicht
  • Sie war offenbar täglich als falsche Polizistin in Berlin unterwegs, nahm an Einsätzen teil, fuhr in Polizeiwagen mit und trugt echte Uniformteile

Berlin. Zum Fall der falschen Polizistin werden weitere Details bekannt. Wie die Berliner Morgenpost aus Justizkreisen erfuhr, musste K., die vor wenigen Tagen 23 Jahre alt geworden ist, sich alle 14 Tage beim sozialen Dienst der Justiz melden. Denn die falsche Beamtin stand nach der Verbüßung einer Haftstrafe wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung und Einbruch unter Führungsaufsicht.

Nachdem die Berliner Morgenpost über den Fall berichtete, zieht sich nun die Justizverwaltung die Akte auf den Tisch. Denn K. war trotz Verurteilung und Auflagen offenbar täglich als falsche Polizistin in Berlin unterwegs. Der sozi­ale Dienst erstattete – unabhängig von dem Verfahren wegen Amtsanmaßung, das auf K. zukommt – nun Strafanzeige. Denn laut Auflagen durfte die 23-Jährige keine gefährlichen Gegenstände mit sich führen – auch keine erlaubten. Bei ihrer Festnahme an der Prinzenallee in Gesundbrunnen am 1. August führte K. allerdings Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und eine Waffenattrappe mit sich.

Die Auflage, sich alle 14 Tage beim sozialen Dienst zu melden, wurde K. nach Verbüßung ihrer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten erteilt. In diesen Treffen wurde erörtert, ob es eine Jobperspektive oder Schwierigkeiten mit der Wohnung gibt. Die Kontrollen sind jedoch sehr grobmaschig. Dass K. in Berlin als falsche Polizistin unterwegs war, wäre da nicht aufgefallen, wenn sie nicht gerade in Uniform zu den Gesprächen gegangen wäre, hieß es.

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Falsche Polizistin in Berlin auch bei Massenschlägerei am Alexanderplatz "im Einsatz"

Allerdings ist K. eine Wiederholungstäterin, die seit zwei Jahren immer wieder als falsche Beamtin unterwegs ist. Der Berliner Morgenpost sagte sie, dass sie auch an Einsätzen teilgenommen habe – nach eigenen Aussagen half sie etwa eine Massenschlägerei zwischen Youtubern auf dem Alexanderplatz im April dieses Jahres. zu befrieden. Hunderte Jugendliche gerieten damals aneinander, weil die Szenegrößen „Bahar al Amood“ und „ThatsBekir“ Streit miteinander hatten. Sie habe gemeinsam mit ihren echten „Kollegen“ Personalien aufgenommen und Leute festgesetzt. „Wir haben die Situation geklärt“, sagte K.

Gegenüber der Berliner Morgenpost behauptete sie auch, dass sie schon Polizeiwagen gefahren sei und ihre echten Uniformteile von echten Beamten bekommen würde und dafür 3000 bis 4000 Euro ausgegeben habe. Der „B.Z.“ sagte sie zudem, dass sie auch schon auf dem Schießstand in Wannsee gewesen sei. Nachprüfen lässt sich das indes nicht.

Falsche Polizistin erwischt, weil sie bei sommerlichen Temperaturen schwere Dienstjacke trug

Fest steht allerdings: Auch in Neukölln und Kreuzberg war K. auf Streife. Dafür wurde sie 2018 wegen Amtsan­maßung, Verstoßes gegen das Waffengesetz und gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Aufgeflogen war sie, weil sie an einem Polizeieinsatz auf dem Hermannplatz teilnehmen wollte. Sie stellte sich den Beamten damals als Polizeiobermeisterin vor und bot ihre Hilfe an. Allerdings kam den Beamten das komisch vor – sie zogen K. aus dem Verkehr.

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Der Berliner Morgenpost sagte K., dass sie schon immer Polizistin werden wollte. Bei der Polizei könne sie aber nicht arbeiten, weil sie vorbestraft sei. Dass sie nun erneut aufflog, sei ihre ei­gene Schuld gewesen. Bei ihrer Fest­nahme in Gesundbrunnen habe sie ihre „Dienstkleidung“ korrekt getragen – inklusive schwerer Jacke. Bei den sommerlichen Temperaturen sei das den echten Polizisten aber komisch vorgekommen.

In der Polizeibehörde versucht man nun, den gesamten Fall zu rekonstruieren. „Die Ermittlungen laufen“, hieß es auf Nachfrage.