Kriminalität

Drogenhandel in der S-Bahn nimmt zu

Die Zahl der erfassten Delikte stieg 2018 um mehr als 60 Prozent. In der U-Bahn registrierte die Polizei einen Rückgang.

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Berlin. Die Berliner Drogenszene verlagert sich offenbar auf die S-Bahn. Die Zahl der in Bahnhöfen und Zügen registrierten Delikte ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Wie die Polizei auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte, wurden in den S-Bahn-Anlagen 2016 rund 550 Delikte erfasst. 2017 waren es 660. Im vergangenen Jahr erfassten die Beamten knapp 1080 Fälle.

Ein Blick auf die Kriminalstatistik zeigt, dass die S-Bahn vom Anstieg der Drogendelikte überproportional stark betroffen ist. So wuchs die Zahl der registrierten Verstöße 2018 stadtweit um gut sieben Prozent. Die Angaben für die S-Bahn-Anlagen entsprechen dagegen einem Zuwachs um rund 63 Prozent. Im laufenden Jahr scheint sich der Trend abgeschwächt fortzusetzen. Bis Juli registrierte die Polizei bei der S-Bahn 802 Verstöße. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr ergäbe sich somit ein neuerlicher Anstieg von rund 25 Prozent.

Die S-Bahn ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, zuständig für die Kontrollen in den Anlagen ist daher die Bundespolizei. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz werden für weitere Ermittlungen allerdings unmittelbar der Landespolizei übergeben.

Die meisten registrierten Delikte entfallen laut Statistik auf Verstöße wegen des Besitzes oder des Erwerbs von Drogen. 2018 registrierte die Polizei aber auch 56 Handelsaktivitäten. Allein in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres waren es bereits 51 Fälle. Verkauft wurden meistens Cannabisprodukte.

In früheren Jahren bevorzugten Dealer im Nahverkehr die U-Bahn. Im Fokus stehen bis heute die Linien U6 und U8. Zuletzt registrierte die Polizei in der U-Bahn – entgegen dem stadtweiten Trend – allerdings sogar einen Rückgang. 2017 stellten die Beamten 1385 Delikte fest. 2018 waren es „nur“ 1331. Bis Juli dieses Jahres lag die Zahl bei 903.

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S-Bahn in Berlin: Dealer verkaufen Drogen vor allem an den großen Umsteigebahnhöfe

Aus Polizeikreisen heißt es, dass die Beamten zuletzt verstärkt gegen den Handel in der U-Bahn vorgegangen seien. Die Händler hätten ihre Aktivitäten daher offenbar auf die S-Bahn verlagert. Offiziell teilte die Polizei mit, dass vor allem die großen Umsteigebahnhöfe auffielen.

Diese Bahnhöfe in Berlin nennt die Behörde:

  • Ostkreuz
  • Ostbahnhof
  • Hauptbahnhof
  • Alexanderplatz
  • Warschauer Straße
  • Gesundbrunnen
  • Lichtenberg
  • Schöneweide.

Die Polizei verwies darauf, dass Drogendelikte „Kontrolldelikte“ sind. In der Statistik würden nicht notwendigerweise die tatsächlich begangenen Taten erfasst, sondern nur jene, die bei Kontrollen auch festgestellt werden.

Ein Sprecher der Bundespolizei wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass seine Behörde zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Lichtenberg zwischen November und Januar verstärkt kontrolliert habe. Die Beamten wollten dabei Messer und andere Waffen sicherstellen. „Wenn wir einen Drogenverkauf beobachten, werden wir aber natürlich tätig“, sagte der Sprecher. Die bei den Schwerpunktkontrollen festgestellten Drogendelikte hätten an dem Anstieg in der Statistik womöglich einen Anteil.

Eine Sprecherin der S-Bahn versicherte, dass Bahnmitarbeiter Drogendealer der Bundespolizei meldeten. Sicherheitskräfte machten vom Hausrecht Gebrauch und verwiesen Konsumenten des Bahnhofs. „Unserer Erfahrung nach ist das jedoch keine nachhaltige Maßnahme, weil sie nach kurzer Zeit wiederkehren“, sagte die S-Bahn-Sprecherin. Die Präsenz von Sicherheitskräften habe man seit 2018 „maßgeblich verstärkt“. Auf fünf Bahnhöfen gebe es feste S-Bahnwachen und Streifen mit Schutzhunden. Schwerpunkte seien Stationen auf dem südöstlichen und nordwestlichen Ring mit Anschluss an die U-Bahn sowie der Bahnhof Warschauer Straße.

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Berliner Grüne: Cannabis-Abgabe könnte Druck nehmen

Der Innenexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux, forderte angesichts der Zunahme des Drogenhandels in der S-Bahn „schneller und flexibler handelnde Polizeistreifen, die bereits dann einschreiten, wenn ein S-Bahnhof beginnt, sich zum Drogenumschlagplatz zu entwickeln“. Mittelfristig könne die von der rot-rot-grünen Koalition angestrebte „kontrollierte Abgabe von Cannabis etwas Druck aus dem Kessel nehmen“. Das Problem mit härteren Drogen werde aber auch dann bleiben „Wir werden das nicht im öffentlichen Nahverkehr dulden“, sagte Lux.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger kritisierte, Parks und Bahnhöfe verkämen zu Drogenumschlagplätzen. Die Grenze für den Eigenbedarf weicher Drogen müsse herabgesetzt werden. Die Polizei müsse den Auftrag für eine Null-Toleranz-Politik erhalten. Außerdem seien mehr verdeckte Ermittlungsmaßnahmen, mehr mobile Wachen sowie eine Videoaufklärung nötig.