Geschichte

Mauerbau vor 58 Jahren: Erinnerung an Opfer der Teilung

Am 13. August 1961 begann der Bau der Mauer. 58 Jahre später wurde in der zentralen Gedenkstätte für alle Opfer eine Kerze entzündet.

Klaus Lederer (r), Michael Müller (2.v.r.) und Ralf Wieland (3.v.r., SPD) an der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Klaus Lederer (r), Michael Müller (2.v.r.) und Ralf Wieland (3.v.r., SPD) an der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Foto: dpa

Berlin. Deutschland hat an die Opfer des Mauerbaus vor 58 Jahren erinnert. In der zentralen Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Mitte wurden bei einer Andacht in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen Kerzen für die Opfer der deutschen Teilung entzündet. Anschließend wurden am Mauer-Denkmal Kränze niedergelegt. An der Veranstaltung nahmen mehr als 150 Menschen teil, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke), Senatoren und der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge, außerdem Vertreter von Opferverbänden und Zeitzeugen.

Am 13. August 1961 hatte die SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Bau der Mauer begonnen. Das rund 155 Kilometer lange Bollwerk zerschnitt Berlin für mehr als 28 Jahre. Die Teilung endete erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989.

Pfarrer Thomas Jeutner von der evangelischen Versöhnungsgemeinde rief in der Andacht dazu auf, die Teilung der Stadt durch die Mauer nicht zu vergessen: „Sie schnitt in das Herz der Stadt; sie trennte Straßen und Stadtteile, Familien und Freunde.“

Der Bundespräsident würdigt den Mut der Bürger

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte, neben Jubel und Freude über den Fall der Grenzen vor 30 Jahren dürften die Toten und Opfer nicht vergessen werden. „Beide Erinnerungen gehören zusammen.“ Heute müssten Demokratie und Rechtsstaat verteidigt werden. In Berlin starben nach dem Mauerbau nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. Zu ihnen gehörte Peter Fechter. Er wurde am 17. August 1962 bei einem Fluchtversuch aus der DDR an der Zimmerstraße in Mitte durch Schüsse schwer verletzt und verblutete. An der Stelle erinnert eine Säule an den 18-Jährigen. Dort wurden am Dienstag Kränze niedergelegt.

An einer Studie, wonach an der etwa 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen ums Leben kamen, war Kritik aufgekommen. Teile der Forschungen sollen überprüft werden. Nach neuen Erkenntnissen des SED-Forschungsverbunds kamen bei Fluchtversuchen noch in den Monaten vor dem Mauerfall an den Grenzen der damaligen Ostblock-Staaten 1989 mindestens 18 DDR-Bürger um, darunter auch ein Kind.

Im Schloss Bellevue betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Jahrestag des Mauerbaus, dieses „Schandmal aus Beton und Stacheldraht“ habe Leid und Unglück über viele Menschen gebracht. Fluchten und Freiheitswille hätten jedoch nicht erstickt werden können. Das Staatsoberhaupt würdigte den Mut der DDR-Bürger, viele Jahre später, im November 1989, die Öffnung der Mauer zu erzwingen. Damals hätten Freiheit und Demokratie gesiegt, nicht Nationalismus und Abschottung, sagte er am Dienstag in Berlin zum Auftakt einer Gesprächsreihe. Die friedlichen Revolutionäre hätten den Weg in ein offenes Europa gesucht. Es sei „eine perfide Verdrehung der Geschichte“, wenn politische Gruppierungen heute im Wahlkampf versuchten, „das Erbe von ’89 für ihre Angstparolen zu stehlen“, so Steinmeier. Wer „das Gift des Hasses in die Sprache und die Gesellschaft trägt“, der stehe heute auf der falschen Seite, so wie 1989 diejenigen auf der falschen Seite der Geschichte gestanden hätten, die die Menschenwürde mit Füßen traten. Ohne die Rechtspopulisten zu nennen, bezog sich der Bundespräsident damit auf die Wahlkampfparolen der AfD vor den Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern.

69 Prozent der Ostdeutschen bewerten ihre Situation besser

Die CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte bei der Gedenkveranstaltung der Brandenburger und Berliner CDU an der Glienicker Brücke über die Mauertoten: „Sie sind Opfer einer unmenschlichen Politik geworden, die in unserem Land bittere Realität war.“ Zugleich dankte sie den Bürgern der ehemaligen DDR, die 1989 mit viel Mut den Fall der Mauer erkämpft hätten. „Und deswegen gibt es überhaupt keinen Grund, (...) auch nur den Ansatz eines Zweifels zu haben, dass die Menschen, die in den östlichen Bundesländern leben, natürlich genauso gestandene Demokraten sind, wie sonst wo in Deutschland.“ Von ihrem Mut, ihrem Rückgrat könnten sich manche auch im westlichen Teil Deutschlands „eine Scheibe abschneiden“.

Indes finden 69 Prozent der Ostdeutschen einer Forsa-Umfrage zufolge heute ihre persönliche Situation besser als früher. Neun Prozent gaben hingegen eine Verschlechterung seit dem Ende der DDR an. 18 Prozent meinten, es sei „genauso wie früher“, so das am Montag veröffentlichten RTL/n-tv-Trendbarometer.

Die Stiftung Berliner Mauer zeigt im Besucherzentrum der Gedenkstätte an der Bernauer Straße seit Dienstag die Sonderausstellung „No More Walls! Gedanken und Botschaften zum Mauerfall“. Zu sehen sind ausgewählte Zeichnungen und schriftliche Statements von Gedenkstätten-Besuchern.