Politik

Krim-Reisen von Gunnar Lindemann haben Nachspiel

Die Berliner AfD-Fraktion ringt um die Position zur Russland-Politik. Ein Abgeordneter steht in der Kritik.

Wie Recherchen der Berliner Morgenpost ergaben, war der Berliner AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann (AfD) in den vergangenen Monaten mehrfach in den umkämpften Separatistengebieten in der Ostukraine, ließ sich auf Kosten der Wahlkommission einer selbsternannten Volksrepublik als Wahlbeobachter einfliegen.

Wie Recherchen der Berliner Morgenpost ergaben, war der Berliner AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann (AfD) in den vergangenen Monaten mehrfach in den umkämpften Separatistengebieten in der Ostukraine, ließ sich auf Kosten der Wahlkommission einer selbsternannten Volksrepublik als Wahlbeobachter einfliegen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Die Fraktion der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus muss sich unverhofft mit ihrer Position zu einem der größten geopolitischen Konflikte auseinandersetzen. Grund sind die Reisen des Abgeordneten Gunnar Lindemann, Sprecher für öffentlichen Nahverkehr. Wie Recherchen der Berliner Morgenpost ergaben, war Lindemann in den vergangenen Monaten mehrfach in den umkämpften Separatistengebieten in der Ostukraine, ließ sich auf Kosten der Wahlkommission einer selbsternannten Volksrepublik als Wahlbeobachter einfliegen.

Zuletzt trat Lindemann Ende Juli als Sprecher bei einem Kongress auf der Krim auf. Finanziert wurde das Treffen zumindest teilweise von einer russischen Veteranenorganisation, von denen Vertreter des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Medaille für ihre Verdienste um die völkerrechtswidrige Annexion der Krim erhielten.

Gunnar Lindemann: Fraktionsinterne Gespräche zu Reisen

Der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderski sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost, man werde fraktionsinterne Gespräche zu Lindemanns Reisen führen. Weiter wollte Pazderski sich nicht äußern. „Was soll man dazu sagen?“, sagte Pazderski am Telefon.

Die Haltung zur Annexion der Krim und zum Putin-Regime ist in der AfD umstritten. Etliche Parteigänger, darunter Bundespartei-Chef Alexander Gauland, äußerten sich wiederholt wohlwollend zu Putin. Die Russland-Sanktionen lehnen sie ab.

Die sogenannten Transatlantiker haben für die russlandfreundlichen Äußerungen kein Verständnis. Zu ihnen zählt auch Pazderski. Die pro-russischen Aktivitäten Lindemanns werden dem einstigen Nato-Oberst offenbar zu viel. „Er war ja schon sehr viel unterwegs in den Parlamentsferien“, sagte Pazderski.

Laut eigenen Angaben reiste Lindemann in eineinhalb Jahren fünfmal auf die Krim. Im ukrainischen Donezk, das sich nach dem Einmarsch russischer und pro-russischer Milizen im April 2014 zur Volksrepublik erklärte, sei er „bestimmt sieben-, acht- oder neunmal“ gewesen.

Laut Beobachtern nutzt der Kreml Besuche westeuropäischer Abgeordneter, um seine Expansionspolitik zu legitimieren. Dabei vernetzten sich links- wie rechtsextremistische Akteure, die eine anti-amerikanische und anti-liberale Grundhaltung verbindet. Die Krim-Konferenz im Juli wurde nach Angaben der Veranstalter unter anderem von einem wegen Rassismus verurteilten, belgischen Ex-Neonazi organisiert.