Karriere

In Berlin stellen Frauen ihre Arbeit hinter die Familie an

Bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen steht Berlin im Vergleich gut da. Doch die Gleichstellung ist lange nicht erreicht.

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Berlin. Auch in der Hauptstadt bleibt noch viel zu tun, um das politisch proklamierte Ziel der Gleichstellung in den Berufen zu erreichen. Allerdings, so sagt es die Sprecherin der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) Claudia Engfeld: „Der Kulturwandel ist im vollen Gange.“ So sind laut IHK-Daten die Erwerbstätigen mit 54 Prozent mehrheitlich Frauen. Ach mit Frauen in Führungspositionen stehe Berlin im bundesweiten Vergleich besser da: Die seien in der Privatwirtschaft zu 23 Prozent vertreten. Fast jede dritte Firmengründung werde von einer Frau getätigt. Allerdings seien es in Berlin ebenfalls vor allem Frauen, die ihre Arbeit hinter die Familie anstellten.

Grund seien neben dem Einfluss traditioneller Rollenvorstellungen auch die Berufswahl und damit Verdienstunterschiede. „Ziel muss sein, die Entgeltlücke immer weiter zu verkleinern“, sagt Engfeld. Dabei helfe es, Mädchen an die später oft besser bezahlten, naturwissenschaftlich-technischen Berufe heranzuführen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa zu fördern. Frauen arbeiteten vorwiegend in Berufen mit relativ niedrigen Löhnen und schlechten Aufstiegschancen – etwa im Gesundheitssektor.

Um die Männerdominanz im öffentlichen Sektor und bei landeseigenen Unternehmen zu reduzieren, hat sich die rot-rot-grüne Koalition im Berliner Gleichstellungsgesetz dazu verpflichtet, Frauen in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, bevorzugt als Auszubildende einzustellen. Auf Anfrage bei der zuständigen Finanzsenatsverwaltung heißt es, der Frauenanteil bei Auszubildenden habe im Oktober 2018 bei landeseigenen Unternehmen oder Stiftungen des öffentlichen Rechts insgesamt bei 47 Prozent gelegen. Im Landesdienst wurden 9910 Auszubildende gezählt, davon waren 4398 Frauen. Das entspricht einer Quote von rund 44 Prozent. Die Ziele des Gleichstellungsgesetzes werden demnach offenbar nicht erreicht – das sieht vor, dass in von Männern dominierten Berufen jede zweite Auszubildende eine Frau ist.

Eine parlamentarische Anfrage vom vergangenen Herbst aber zeigt, dass das vor allem in technischen und gewerblichen Berufen schwer fällt. Dort lag der Anteil von weiblichen Auszubildenden im öffentlichen Sektor bei rund 15 Prozent. Bei der Ausbildung zu Verwaltungs- oder Justizfachangestellten lag die Frauenquote dagegen bei 70 Prozent, in den öffentlichen Bibliotheken gar bei 80 Prozent.

In sozialen Berufen zählt für Männer vor allem das Gehalt

Auch bei traditionellen Frauenberufen vollzieht sich der Wandel nur langsam. Markus Hanisch vom Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beobachte ein Umdenken bei pädagogischen Berufen. So würden auch an Grundschulen vermehrt Männer als Lehrer einsteigen. Geholfen habe da, dass seit diesem August Grundschullehrkräfte besser bezahlt würden. „Da ist Berlin bundesweit Vorreiter“, sagt Hanisch. Denn noch immer würde die erzieherischer Arbeit mit jüngeren Kindern gesellschaftlich geringer geschätzt, als etwa das Lehren am Gymnasium.

So sei der Männeranteil bei Erziehern in Berlin noch immer gering. Als Beispiel nennt die GEW den größten kommunalen Kita-Träger Kindergärten NordOst. Dort seien von 2000 beschäftigten Erziehern rund 250 Männer. Laut Hansich gilt: „Wenn die Vielfalt der Gesellschaft in der frühpädagogischen Beziehung abbilden will, muss am Gehalt arbeiten.“