Bauarbeiten

Einen Monat keine Regionalzüge zwischen Zoo und Hauptbahnhof

Pendler müssen sich ab 10. September auf Behinderungen einstellen. Grund sind Probleme an den Stahlgerüsten im Hauptbahnhof.

Ein Regionalzug der Bahn wird in Berlin auf dem Hauptbahnhof abgefertigt.

Ein Regionalzug der Bahn wird in Berlin auf dem Hauptbahnhof abgefertigt.

Foto: dpa

Berlin. Nach dem Bausommer ist vor dem Bauherbst. Unter diesem Motto hat die Deutsche Bahn am Montag in Berlin ihre Pläne für Arbeiten am Schienennetz der Hauptstadtregion bis zum Jahresende vorgestellt. Die Folgen werden Zehntausende Bahnreisende zum Teil drastisch zu spüren bekommen. Vor allem im Osten der Stadt stehen S-Bahnnutzern ab dem 26. August wochenlanger Ersatzverkehr mit Bussen sowie überfüllte U-Bahnen bevor.

Doch auch am Hauptbahnhof in Mitte wird ab 10. September gebaut, fünf Wochen lang wird davon vor allem der Regionalbahnverkehr erheblich beeinträchtigt sein. Betroffen sind die wichtigen Regionalexpresslinien RE1 und RE2, aber auch der RE7 und die RB14, die beiden Zubringerlinien von der Berliner City zum Flughafen Schönefeld. In der Sperrpause wird der Bahnhof Zoologischer Garten fünf Wochen lang Endstation für den RE1 und den RE7. Dort heißt es dann für Reisende: umsteigen und Weiterfahrt mit der S-Bahn bis Hauptbahnhof, temporäre Endstation im Osten für die Linien RE1, RE2 und RE7.

Bauarbeiten bei der Deutschen Bahn in Berlin: Werben um das Verständnis der Kunden

Angesichts der bevorstehen Verkehrseinschränkungen warb der Bahnbevollmächtigte für die Hauptstadt, Alexander Kaczmarek, bei seinen Kunden erneut um Verständnis. „Auch wir fahren lieber, statt uns entlang der Strecken Baulöcher anzuschauen. Aber alle Arbeiten haben den Zweck, Bahnreisen zuverlässiger, leistungsfähiger und schneller zu machen“, sagte Kaczmarek bei einem Vor-Ort-Termin im Pankower Ortsteil Karow. Dort wird bereits seit 2016 das sogenannte Karower Kreuz, der wichtigste Bahnknoten im Berliner Norden, bei laufendem Betrieb um- und ausgebaut. Kernpunkt ist der Wiederaufbau eines zweiten Gleises für die Fernbahn, damit künftig der Güterverkehr, aber auch der Fernverkehr in Richtung Ostsee störungsfreier rollt.

Grafik vergrößern

Während sich die Arbeiten am Kreuz langsam dem Ende neigen, müssen im Verlauf der Stettiner Bahn, der Bahnstrecke von Berlin in Richtung Bernau und von dort aus weiter nach Stralsund, mehr als 20 altersschwache Brücken erneuert werden. Ein schwieriges Unterfangen, wie an den mehr als 100 Jahre alten Überführungen am S- und Regionalbahnhof Karow gut zu erkennen ist. Die alten Brücken sind nicht nur marode, sie sind auch zu schmal und zu niedrig für heutige Anforderungen. Zudem bieten sie manch unliebsame Überraschung. So stellten die Bauleute beim Abriss eines der alten Widerlager für die Brücke fest, dass das Bauwerk mit unbekannten Stoffen stark kontaminiert ist. Ein vorläufiger Baustopp und eine teure Entsorgung des Materials war die Folge.

„Wir vermuten dort Reste einer alter Gasleitung, deren Undichtigkeit möglicherweise die Kontaminierung verursacht hat“, sagte Olaf Schroeder, Projektverantwortlicher der Bahntochter DB Netze, am Montag. Der Baustopp habe die Arbeiten in Karow behindert, der Gesamtzeitplan sei aber nicht in Gefahr. Dieser sieht vor, dass ab Frühjahr 2022 Autos wieder auf der Karower Bahnhofstraße unter den Bahnbrücken durchfahren können. Der um fünfeinhalb verbreiterte Durchlass ermöglicht dann nicht nur die Anlage von zwei je 1,60 Meter breiten Radwegen. Auch die Gehwegen sollen breiter und komfortabler für die Fußgänger werden.

Die lange Bauzeit erklärte Schroeder damit, dass die Arbeiten bei laufendem Zugverkehr erfolgen. Daher können die Brücken für die je zwei Gleise der Fern- und S-Bahn nicht gleichzeitig, sondern nur nacheinander abgerissen und durch Neukonstruktionen ersetzt werden. Zudem müssten auch noch Leitungen für Gas, Strom, Wasser und Abwasser neu verlegt werden. „Auch das geht nur hintereinander“, so der Bahn-Projektverantwortliche Schroeder.

Grafik vergrößern

Der schlechte Bauzustand vieler Brücken ist in ganz Deutschland ein Problem. Gerade auch in Berlin, wo ein Großteil der Brücken in den Blütejahren der Bahn vor dem Ersten Weltkrieg errichtet und seither kaum erneuert wurden. „Brücken müssen normalerweise 100 Jahre halten, diese Lebensdauer ist bei inzwischen vielfach überschritten“, konstatierte Bahn-Experte Schroeder. Seit 2015 läuft daher ein umfangreiches Erneuerungsprogramm. Von den 55 als besonders dringend eingeschätzten Brücken sind laut Bahn inzwischen 35 durch Neubauten ersetzt worden. Die fehlenden 20 sollen noch in diesem Jahr fertig werden. Die begonnene Erneuerung von sechs Brücken an der Bahnstrecke zwischen Karow und Bernau beschert dabei in den kommenden Wochen vor allem den Nutzern der S-Bahnlinie 2 (Blankenfelde–Bernau) weitere Sperrpausen. Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Karow und Bernau kündigt die Bahn für die Zeit vom 13. bis 16. September, 2. bis 7. Oktober und 25. bis 28. Oktober an. Für die gleichzeitig geplante Inbetriebnahme eines neuen elektronischen Stellwerks wird zudem der Regionalbahnverkehr von 26. November bis 14. Dezember unterbrochen.

Weitere Bauarbeiten am Hauptbahnhof ab 2023 nötig

Die Brücken am Berliner Hauptbahnhof sind deutlich jünger als die an der Stettiner Bahn. Sie wurden erst für den Bau des 2006 eröffneten Kreuzungsbahnhofs in Berlins Mitte errichtet. Doch auch dort hat die Bahn ein gravierendes Problem. Relativ rasch stellte sich heraus, dass die Konstruktionen, die die einzelnen, teilweise in Kurvenlage errichteten Brücken miteinander verbinden, den dort wirkenden Kräften nicht gewachsen sind. In den Fugen brachen Schrauben ab, Beton riss auf. Gemeinsam mit Experten der TU München hat die Bahn inzwischen zwei Prototypen entwickelt zum Ersatz der defektanfälligen „Fahrbahnübergangskonstruktionen“ entwickelt. Sie sollen während der Sperrpause an zwei Stellen, der Fuge B östlich vom Hauptbahnhof, und der Fuge I westlich vom Bahnhof eingebaut werden.

Laut Projektleiter Christian Morgenroth will die Bahn mit Hilfe von Sensoren anschließend die Haltbarkeit der neuen Konstruktionen prüfen. Bewähren sie sich, sollen schrittweise auch die übrigen 36 maroden „Fahrbahnübergangskonstruktionen“ erneuert werden. Dann sind allerdings weitere umfangreiche Streckensperrungen notwendig, so Morgenroth. Baubeginn werde aber nicht vor 2023 sein. Das genaue Vorgehen steht noch nicht fest: Die Bahn verspricht aber: Der Zugverkehr von S-Bahn sowie Fern- Regionalbahn soll dann nie gleichzeitig unterbrochen sein.