Möglicher Nachwuchs

Berlin bekommt wahrscheinlich ein Panda-Baby

Der Berliner Zoo stellt sich auf Panda-Nachwuchs ein. Die ersten Untersuchungsergebnisse von Bärin Meng Meng seien „vielversprechend".

Pandabärin Meng Meng zeigt viele Anzeichen einer Schwangerschaft.

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Berlin. Im Moment ist es nur ein Schatten – genau 28,4 Millimeter groß – der den Zoo hoffen lässt: Auf den ersten Panda-Nachwuchs in Berlin und in Deutschland überhaupt. Ende August, Anfang September könnte es soweit sein. Geht alles gut, ist sogar die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es Zwillinge werden. Noch weist der Schatten auf dem Ultraschallbild keinen Herzschlag auf. Aber eines kann Zoodirektor Andreas Knieriem mit Gewissheit sagen: „Unsere Pandadame ist nicht nicht schwanger.“ Die Frage sei nur, ob sie trächtig oder scheinträchtig sei. Doch die Experten im Zoo sind optimistisch: Sie gehen zu 85 Prozent davon aus, dass Meng Meng tatsächlich Nachwuchs erwartet.

Es ist nicht nur das Ultraschallbild, das für die positive Prognose sorgt. Dafür sprechen auch die Hormonwerte und das Verhalten von Meng Meng. „Sobald die Keimruhe endet und die eigentliche Entwicklung des Nachwuchses beginnt, zeigen sich werdende Panda-Mütter zeitweise träge und hören auf zu fressen“, sagt Knieriem. Die sechs Jahre alte Bärin liefert in ihrem Gehege am Mittwochmittag den Beweis: Sie hängt auf ihrem Hochsitz zwischen den Ästen und bewegt nicht einmal die schwarze Nase.

Panda-Babys in Berlin? Hormonwerte sprechen für Nachwuchs

Aber auch die Hormonwerte haben sich verändert und stützen die These, dass es bald schwarz-weißen Nachwuchs gibt. Für die Analyse hat der Zoo eine Expertin aus Belgien kommen lassen: Jella Wauters hat bereits die Geburt von Pandazwillingen vor einer Woche im belgischen Tierpark Pairi Daiza begleitet, jetzt soll sie Meng Meng und den Berliner Tierärzten zur Seite stehen. Die Wissenschaftlerin ist auf Hormonanalysen bei Pandas spezialisiert. Bereits am Mittwoch wurden im Zoo aber auch Fortpflanzungsexperten aus dem chinesischen Chengdu erwartet, die ebenfalls zur Unterstützung gekommen sind.

Spätestens seit Bao Bao und Yan Yan wartet Berlin auf ein Pandababy. Ende der 90er-Jahre hatten einige Ultraschallbilder schon Hoffnung gemacht – doch Nachwuchs gab es nie. Jetzt kam es im April zur Paarung der beiden Großen Pandas Meng Meng und Jiao Qing (9). Da nicht sicher war, ob es auf natürlichem Weg geklappt hat, wurde das Weibchen noch künstlich besamt.

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Thomas Hildebrandt, Spezialist für Reproduktionsmanagement am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) war dabei. Er vermutet, dass vielleicht zwei Panda-Babys auf die Welt kommen. Meng Meng habe zwei Eisprünge gehabt, so der Professor. Das müsse zwar nicht zwangsläufig heißen, dass Zwillinge geboren werden. Aber die Wahrscheinlichkeit sei groß. Bei den Pandas gebe es ohnehin eine 50-prozentige Zwillingsrate. Da sich eine Panda- Mutter nur um ein Jungtier kümmern kann, weil die Energie und die Milch nicht für zwei ausreichen, müssen die Zoomitarbeiter dann auf jeden Fall eingreifen. „Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, die Jungtiere auszutauschen, damit beide bei der Mutter trinken können“, sagt Knieriem.

Meng Meng will einfach nur in Ruhe gelassen werden

Die Kinderstube ist vorbereitet, die kommenden zwei bis drei Wochen sind nun die entscheidenden. Meng Meng, die dank eines medizinischen Trainings beim Ultraschall bislang gut mitgemacht hat, zeigt sich zunehmend unwillig, die Prozedur über sich ergehen zu lassen. Sie will einfach nur in Ruhe gelassen werden. Da sie nicht mehr viel isst, kann sie auch nicht mit Äpfeln gelockt werden. 15 Kilogramm hat sie sich in den vergangen Wochen angefressen und wiegt jetzt 96 Kilogramm. Der Nachwuchs wird bei der Geburt allerdings nur so groß wie ein Meerschwein sein.

Da die beiden Großen Pandas Leihgaben aus China sind, wird auch das Jungtier den Chinesen gehören. „Maximal vier Jahre bleibt es in Berlin“, sagt Zoodirektor Knieriem. Dann sei es bereit, für eigenen Nachwuchs in China im Rahmen des Zuchtprogramms zu sorgen.

Dass Pandas auch politische Sonderbotschafter sind, zeigt, dass sich auch der Regierende Bürgermeister angesichts der Neuigkeiten aus dem Zoo am Mittwoch zu Wort meldet. „Die Berliner Tierfreunde drücken die Daumen, dass es am Ende zur ersten Geburt eines kleinen Pandas in Berlin kommt“, sagt Michael Müller. Das wäre ein großartiger Erfolg für die Bemühungen aller fachkundigen Beteiligten im Berliner Zoo und ein wunderbares Geschenk zum 175-jährigen Bestehen unseres Zoos. Er sei sicher, dass viele Berlinerinnen und Berliner dem etwaigen Geburtstermin zum Monatswechsel mit großer Spannung entgegenfieberten.

Neuigkeit hat sich vor dem Gehege herumgesprochen

Das stimmt. Vor dem Pandagehege hat sich die Neuigkeit bereits herumgesprochen. „Ich habe es schon im Radio gehört“, sagt Ingrid Wolpert. Sie ist in Berlin geboren und lebt heute in Schwäbisch Hall. „Aber der Zoo gehört zu meiner Kindheit“, erzählt die 74-Jährige. Sie sei jetzt eine Woche in Berlin, da gehöre der Zoo zu den Pflichtbesuchen. „Ein Pandababy wäre supertoll, hoffentlich klappt es“, sagt die Besucherin. Sobald es zu sehen sein wird – und das könnte noch vor Weihnachten sein – will sie auf jeden Fall nach Berlin kommen. Doch zunächst muss sich der Embryo einnisten und der Herzschlag gefunden werden. Vielleicht sei damit schon am Freitag zu rechnen, sagt Thomas Hildebrandt. Ein Spezial-Ultraschallkopf soll Klarheit bringen. Auch darüber, ob sich Berlin auf ein oder zwei Pandababys freuen kann.