Zeitungsbericht

Sponsor Autodoc bringt Bildungsverwaltung in Erklärungsnot

Sicherheitswesten für Kinder sind mit Firmenlogo bedruckt. Das Unternehmen schaltete auch Anzeigen auf rechtsextremen Seiten.

Die Westen sind mit einem Firmenlogo bedruckt

Die Westen sind mit einem Firmenlogo bedruckt

Foto: Screensho

Berlin.  Ein Bericht der „New York Times“ bringt die Senatsbildungsverwaltung in Bedrängnis. Das Blatt berichtet über Unterstützer-Netzwerke der extremen Rechten in Schweden. In einem Teil des Textes geht es auch um den Onlinehändler für Autoersatzteile Autodoc, der auf mehreren rechtsextremen Seiten Werbung geschaltet hatte. Brisant für die Bildungsverwaltung: Autodoc ist auch der Sponsor von 34.000 orangenen Sicherheitswesten für Berliner Schulkinder. Die Westen wurden von der Bildungsverwaltung an die Kinder verteilt. Auf der Rückseite der Westen ist das Logo von Autodoc zu sehen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Eine Sprecherin der Berliner Polizei sagte der Berliner Morgenpost, man habe von den Vorwürfen aus den Medien erfahren, die Verantwortung liege aber bei der Bildungsverwaltung. Bilder von Kindern, die die Westen tragen, waren zuvor von der Polizei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht worden*.

In der Bildungsverwaltung wurde man ebenfalls von den Vorwürfen überrascht. „Die Senatsverwaltung nimmt derartige Vorwürfe sehr ernst und hat sofort eine gründliche Überprüfung beauftragt“, teilte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Iris Brennberger, auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit.

Man habe Autodoc um eine Stellungnahme gebeten und den Verfassungsschutz um eine Prüfung gebeten. Die Verteilung der Warnwesten wurde heute bis auf Weiteres unterbrochen. Bisher wurden die Westen nur an einer einzigen Schule an die Kinder übergeben (Schule im Gutspark).

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dass die Firma rechtsextreme Verbindungen unterstützt, werde die Senatsverwaltung umgehend Konsequenzen ziehen. „Die Haltung der Senatorin Sandra Scheeres zum Thema rechtsextremistische Betätigung ist aufgrund anderer Fälle bekannt (z. B. „Volkslehrer“)“, teilte Brennberger schriftlich mit.

Ein Unternehmenssprecher von Autodoc wies die Vorwürfe unterdessen zurück. Er sagte der Berliner Morgenpost, dass man im Jahr 2017 auf 400 schwedischen Nachrichtenseiten Werbung geschaltet habe. Sechs dieser Seiten hätten einen rechtsradikalen Hintergrund gehabt, wie man im Nachhinein erfahren habe. Man habe die Werbung bereits 2017 auf diesen Seiten gestoppt und neue Qualitätsstandards eingeführt.

Die „New York Times“ berichtet weiter, dass auf versteckten und nicht öffentlich zugänglichen Seiten von Autodoc Inhalte von rechten Nachrichtenseiten zu finden seien. Ein Unternehmenssprecher sagte, dass das Unternehmen in 26 europäischen Ländern aktiv sei und und in 26 Sprachen Inhalte veröffentliche. Dass auf versteckten, nicht öffentlichen Teilen der Seite auch problematische Inhalte seien, könne passieren. Der Unternehmenssprecher verwies darauf, dass es Standard sei, aus Gründen der Suchmaschinen-Optimierung auf einer Seite Artikel zu platzieren, die als eine Art Platzhalter fungieren. Die „New York Times“ zitiert wiederum einen Experten, der dieser Darstellung widerspricht und erklärt, dass Suchmaschinen wie Google dieses Vorgehen eher bestrafen würden. Inzwischen sind die Unterseiten gelöscht.

Das Unternehmen Autodoc ist dieses Jahr erstmals als Sponsor der Warnwesten aufgetreten. Der Sponsoring-Vertrag wurde laut Bildungsverwaltung nur für dieses Jahr abgeschlossen. Die Ausstattung der Berliner Schulanfänger mit Warnwesten zum Schulanfang habe in Berlin eine lange Tradition. „Der vorherige Sponsor, die ADAC Stiftung, stand aufgrund von einer Neuausrichtung seiner Aktivitäten nicht mehr zur Verfügung“, teilte die Verwaltung weiter mit.

Autodoc hatte sich über eine PR-Agentur der Senatsverwaltung als Sponsor angeboten. Die Senatsverwaltung habe vor Abschluss des Sponsoringvertrags über die Firma Erkundigungen eingeholt. Es gab keinerlei Hinweise auf eine Nähe zu Rechtsextremisten oder rechtsextremes Gedankengut, hieß es.

*In einer ersten Version des Textes hieß es, dass die Bildungsverwaltung die Westen der Polizei gegeben habe, die diese wiederum verteilt habe. Das stimmt nicht. Die Aktion habe allein in der Verantwortung der Bildungsverwaltung gelegen, teilte ein Polizeisprecher mit.