Tag der offenen Tür

Berliner Tierheim erlebt einen Besucheransturm

Mehr als 10.000 Besucher kamen. Viele waren dabei auf der Suche nach einem Hund. Es gab aber auch einen unschönen Vorfall.

Viele Besucher waren auf der Suche nach einem Hund

Viele Besucher waren auf der Suche nach einem Hund

Foto: Reto Klar / Reto Klar / Funke Foto Service

Berlin. Kaum öffneten um elf Uhr die Türen, strömten Hunderte Menschen ins Berliner Tierheim in Falkenberg. Das hatte am Sonntag zu seinem alljährlichen Tag der offenen Tür geladen. Im vergangenen Jahr zählten die Veranstalter mehr als 10.000 Besucher. Wie viele es dieses Mal waren, wird erst noch ermittelt. Aber: „Es sind nochmal wesentlich mehr als 2018 und da hatten wir schon eine Rekordbesucherzahl“, sagte Tierheim-Sprecherin Annette Rost. Bis in die späten Nachmittagsstunden sei der Zustrom nicht abgerissen.

Es gebe ein unglaubliches Interesse an Tierthemen, erklärte sich Rost den Andrang. „Das Tierheim wird als interessanter Ort wahrgenommen.“ Sie freue besonders, dass die Vorträge und politischen Podiumsdiskussionen mit so viel Interesse verfolgt worden seien. Aber auch daneben wurde einiges geboten.

So gab es zahlreiche Tiershows wie ein Pitbull-Ballett oder ein Hunde-Parcourslaufen, bei dem sich die Vierbeiner von ihrer besten Seite zeigten. Auf der Hauptbühne gab es außerdem mehrere Theater- und Musikaufführungen. Auf dem Tierschutzbauernhof sorgten Hühner, Gänse, Enten, Schafe, Ziegen, Schweine und Esel vor allem bei den Kindern für Freude. Insgesamt seien rund 110 Mitarbeiter und 80 Ehrenamtliche im Einsatz gewesen, so Sprecherin Rost weiter.

Exotenhaus mit Würgeschlangen, Affen und Echsen ist ein Höhepunkt

Außerdem konnte die 16 Hektar große, grüne und von viel Wasser durchsetze Anlage auf eigene Faust oder bei Führungen erkundet werden. Der Andrang in den Hunde- und Katzenhäusern war groß. Im Schnitt 1400 Tiere werden im Tierheim versorgt, die auf ein neues Zuhause warten.

Auch die Vermittlung lief am Tag der offenen Tür normal weiter. Viele Besucher hielten nach einem neuen Haustier Ausschau. Ein Höhepunkt war dabei das Exotenhaus. Dort leben Affen, Echsen, Schildkröten und einige bis zu 2,60 Meter lange Würgeschlangen, die anonym im Tierheim abgegeben wurden. Die Boas versteckten sich allerdings vor den vielen Schaulustigen in den hintersten Ecken des Terrariums und waren kaum zu sehen.

Thailändische Botschaft sammelt jedes Jahr Spenden

Auch zu Essen gab es einiges – alles selbstverständlich vegetarisch oder vegan. Besonders lang war dabei die Schlange am Stand der Thailändischen Botschaft. „Das ist unser internationaler Partner, der jedes Jahr Spenden für uns sammelt“, sagte Sprecherin Rost. Alle Verkaufserlöse gingen direkt an das Tierheim.

Die Botschaft sei vor drei Jahren mit diesem Angebot auf das Tierheim zugekommen. „Dort gibt es ganz viele sehr tierliebe Mitarbeiter.“ In den vergangenen Jahren hätte auch Botschafter Dhiravat Bhumichitr selbst Essen verkauft, sei jedoch dieses Mal urlaubsbedingt verhindert gewesen.

Insgesamt zieht das Tierheim eine positive Bilanz vom Tag der offenen Tür. Allerdings habe es auch einen weniger schönen Vorfall gegeben, sagte Rost. Ein Besucher habe seinen Hund im Auto auf dem Parkplatz gelassen. „Die Polizei hat den Wagen aufbrechen müssen und das Tier befreit.“ Dabei sei der Hund zwar nicht zu Schaden gekommen. Doch eine solche Situation könne bei diesen Temperaturen nach nur wenigen Minuten lebensgefährlich für Tiere werden.

"Wir wollen einem Tier ein schöneres Leben schenken"

Eigentlich sei sie immer ein Katzenmensch gewesen, sagt Elisa Lehnhardt. Trotzdem schaffte sich die 20-Jährige gemeinsam mit ihrem 22 Jahre alten Freund Philipp Schulz vor Kurzem einen Chihuahua an. „Und der braucht jetzt einen Spielgefährten, auch irgendetwas Kleines“, sagt die angehende Auszubildende. Im November will das Paar die erste gemeinsame Wohnung in Hennigsdorf bei Berlin beziehen. Dort sei genug Platz. Und auch wenn der erste Hund vom Züchter stamme, soll der zweite aus dem Tierheim kommen. „Wir wollen einem Tier ein schöneres Leben schenken.“, sagt Lehnhardt. Ein Hund, der es bisher nicht gut hatte, solle wieder ein eigenes Zuhause bekommen.

"Wir lassen uns auf das Abenteuer ein"

Bei Familie Recker geben die beiden fünfjährige Söhne Mika und Marek den Ton an. „Die Kinder wollen einen Hund und wir lassen uns auf das Abenteuer ein“, sagt Mutter Verena. Die Zwillinge seien Fans einer Fernsehserie, in der die Vierbeiner die Hauptrolle spielen. Daher käme der Wunsch. „Marek will einen Schäferhund, weil man den gut streicheln kann, wie er sagt “, so die 41 Jahre alte Angestellte weiter. Im Haus mit Garten in Kaulsdorf wäre genug Platz. Aber wahrscheinlich werde es doch etwas Kleineres. Allerdings stehe die Suche noch ganz am Anfang. Die startet Familie Recker im Tierheim „weil wir den Gedanken schön finden, einem Tier wieder einen Platz zu geben.“

"Warum nicht einem Hund ein Zuhause geben?"

„Sie nimmt uns immer im Bett den Platz weg“, sagt Inge Lawin-Kabas und schaut lächelnd Hündin Pinsel an. Trotzdem soll sie nicht allein bleiben. Ein neuer Gefährte für die dreieinhalbjährige Mischlingsdame soll her, der genauso aktiv ist. Pinsel kann sich den zukünftigen Partner sogar mit aussuchen, denn sie begleitet ihre Besitzer bei der Suche im Tierheim. Sie selbst stamme zwar nicht von dort. „Aber warum nicht einem abgegebenen Hund ein schönes und liebevolles Zuhause geben?“, so die 72-Jährige weiter. Die Lichtenberger Wohnung sei mit 60 Quadratmetern groß genug. „Und nebenan ist eine Kleingartenanlage – ideal zum Gassigehen“, ergänzt ihr 56 Jahre alter Ehemann Udo.

16 Hektar Fläche

Das Tierheim wird betrieben vom Tierschutzverein für Berlin (TVB), der 1841 gegründet wurde. Im Jahr 2001 zog es von seinem vorherigen Standort in Lankwitz nach Falkenberg in den Nordosten der Hauptstadt. Mit einer Fläche von 16 Hektar gehört es zu den größten Tierheimen Europas. Dort werden um die 1400 Tiere dort versorgt. Die Tiervermittlung und die Abgabestelle sowie die Tierarztpraxis sind mittwochs bis sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Adresse: Hausvaterweg 39, 13057 Berlin, mehr Informationen: www.tierschutz-berlin.de