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Prozess um verschwundene Georgine: Mutter im Gerichtssaal

Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.

Eine Statue der Göttin Justitia mit einer Waage in ihrer Hand.

Foto: dpa

Berlin (dpa/bb) – Die Mutter der seit knapp 13 Jahren vermissten Schülerin Georgine Krüger hat dem mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter am Donnerstag erstmals im Gerichtssaal gegenüber gesessen. Am dritten Verhandlungstag vor dem Berliner Landgericht war die Frau, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, in Begleitung ihrer zwei weiteren Kinder erschienen. Der 35-jährige Sohn sagte als Zeuge, er habe immer gehofft, dass Georgine "irgendwann wieder auftaucht". Ihr spurloses Verschwinden habe ihn sehr mitgenommen. Die Befragung der Mutter in dem Prozess wegen Mordes und schwerer Vergewaltigung ist für diesen Freitag vorgesehen.

Der 44-jährige Angeklagte soll die Schülerin im September 2006 auf dem Heimweg von der Schule abgepasst und in den Keller seiner Wohnung in Berlin-Moabit gelockt haben. Dort soll er das damals 14-jährige Mädchen bewusstlos geschlagen, vergewaltigt und aus Angst vor einer Anzeige erwürgt haben. Die Leiche von Georgine wurde nie gefunden. Der Angeklagte soll gegenüber einem verdeckten Ermittler erklärt haben, dass er sie in einem Müllcontainer auf dem Hof seines Hauses "entsorgt" habe. Nach seiner Festnahme Ende 2018 wies der Deutsche mit türkischen Wurzeln die Vorwürfe zurück. Vor Gericht schwieg er.

Das rätselhafte Verschwinden von Georgine war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. Erst 2016 war der 44-Jährige ins Visier der Ermittler geraten. Der Familienvater aus der Nachbarschaft der vermissten Schülerin war 2013 wegen sexueller Nötigung einer Jugendlichen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zu der Tat war es in seinem Keller gekommen. Durch Funkzellenauswertungen und verdeckte Ermittlungen habe sich der Verdacht gegen ihn erhärtet, sagte ein Hauptkommissar im Prozess.