Wirtschaft

Wasserbetriebe und Bäderbetriebe kooperieren bei Ausbildung

Wasserbetriebe und Bäderbetriebe kooperieren erstmals bei der Ausbildung miteinander. Den Anfang machen im September zwei Mechatroniker.

Bäderbetriebe-Vorstand Annette Siering, Azubi Hendrik Brunzow und Wasserbetriebe-Vorstand Kerstin Oster (v.l.) in der Ausbildungswerkstatt der Berliner Wasserbetriebe.

Bäderbetriebe-Vorstand Annette Siering, Azubi Hendrik Brunzow und Wasserbetriebe-Vorstand Kerstin Oster (v.l.) in der Ausbildungswerkstatt der Berliner Wasserbetriebe.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Ein Stückweit haben auch die kernigen Slogans dafür gesorgt, dass er vor vier Jahren seine Ausbildung bei den Berliner Wasserbetrieben angefangen hat, gibt Hendrik Brunzow zu. „Leitungssportler“ steht in weißer Schrift auf dem blauen T-Shirt, das der junge Mann am Dienstag in der Ausbildungswerkstatt des Landesbetriebs in Lichtenberg trägt. Brunzow, 23 Jahre alt, lässt sich bei dem Berliner Landesbetrieb zum Mechatroniker ausbilden. Es ist sein letztes Lehrjahr. Er habe viel gelernt, sagt Brunzow und werde übernommen. „Ich habe die Aussicht auf einen Fest-Vertrag und will meinen Meister machen“, erzählt er.

Brunzow ist einer von rund 270 Azubis bei den Berliner Wasserbetrieben. Die Ausbildungsquote – also der Anteil von Lehrlingen an allen Beschäftigten – liegt bei 6,8 Prozent. Die Wasserbetriebe lägen damit über dem Bundesdurchschnitt, sagt Kerstin Oster, Personalvorstand bei den Wasserbetrieben.

Regelmäßig wird das Landesunternehmen als hervorragender Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Angesichts des demografischen Wandels im Unternehmen müssten auch die Wasserbetriebe für Nachwuchs sorgen. Denn zahlreiche Mitarbeiter würden in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen. „Deswegen investieren wir in unsere Ausbildung“, so Oster.

Von der exzellenten Qualität im Lehrbereich soll ab September auch ein anderes Landesunternehmen profitieren: Erstmals kooperieren Wasserbetriebe und Bäderbetriebe in Sachen Ausbildung miteinander. Bereits zum Start in das neue Lehrjahr, am 1. September, sollen zwei Mechatroniker in die neue Verbundausbildung starten. Konkret übernehmen die Wasserbetriebe zum Teil die Ausbildung von zwei Mechatroniker-Lehrlingen der Bäderbetriebe.

Fünf Millionen Euro für einen Campus

„Ich freue mich, dass wir mit den Berliner Wasserbetrieben eine ausgesprochen erfahrene und kompetente Partnerin gefunden haben und den Arbeitsplatz Schwimmbad als hoch technisch gesteuertes Funktionsgebäude der Berufsgruppe angehender Mechatroniker näher bringen können“, erklärt Annette Siering, Vorstand der Berliner Bäderbetriebe. Durch die Kooperation zeige sich, welchen Mehrwert Landesbetriebe miteinander schaffen könnten. Die Bäderbetriebe erweitern durch die Zusammenarbeit ihr Angebot an Ausbildungsberufen. Zuvor war das Portfolio vergleichsweise eng geknüpft. Derzeit würden sich 24 Lehrlinge zu Fachangestellten für Bäderbetriebe ausbilden lassen. Künftig komme durch die Zusammenarbeit mit den Wasserbetrieben auch eine technische Komponente hinzu, so Siering. Der Mechatroniker werde angesichts der verbauten Klima- und Wasseraufbereitungstechnik auch in Schwimmbädern gebraucht. „Für junge Menschen ist das ein interessantes Berufsbild“, so Siering.

Künftig sollen die Bäderbetriebe-Azubis einen Teil der praktischen und theoretischen Ausbildung in der Lehrwerkstatt der Wasserbetriebe in Lichtenberg absolvieren. Für die Wasserbetriebe sei die neue Zusammenarbeit auch eine Bestätigung für die hervorragende Qualität der innerbetrieblichen Ausbildung, so Vorständin Kerstin Oster.

Um die Ausbildung weiter zu verbessern und auch mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten, planen die Wasserbetriebe zudem eine größere Investition. Mehr als fünf Millionen Euro werde der Landesbetrieb auf dem Standort in Lichtenberg in einen Aus- und Weiterbildungscampus für digitales Lernen investieren, so Kerstin Oster. 2022 sollen die ersten Azubi-Klassen in den neuen Gebäuden unterrichtet werden. Der neue Campus wird laut Wasserbetrieben auch für Azubis fremder Unternehmen geöffnet werden, erklärt Oster. Das sei eine Voraussetzung, um den Bau auch mithilfe von Fördermitteln der öffentlichen Hand finanzieren zu können.

Um Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen, müssen auch die Wasserbetriebe neue Wege gehen. Schnell und digital präsent zu sein, seien heute Voraussetzungen, um junge Menschen anzusprechen, so Oster. Den Fachkräftemangel bemerkt das Landesunternehmen jedoch bislang nicht: Für die 80 Ausbildungsplätze gehen im Schnitt jedes Jahr 2000 Bewerbungen ein, so Personalvorstand Oster.

Viele andere Unternehmen in Berlin haben inzwischen jedoch große Schwierigkeiten, ihre Lehrlingsplätze zu besetzen, ergab erst kürzlich eine Umfrage der Berliner Industrie- und Handelskammer. Demnach geht etwa jede dritte Firma in Berlin davon aus, freie Lehrstellen nicht mehr besetzen zu können. Mit Stand Ende Juli gab es in der deutschen Hauptstadt für angehende Azubis noch 6.879 freie Ausbildungsplätze. Viele unbesetzte Lehrstellen gibt es derzeit zum Beispiel noch in den Berufen Kaufmann/-frau im Einzelhandel (747 freie Plätze), Kaufmann/-frau für Büromanagement (337) und Verkäufer/in (323).