Das dritte Geschlecht

Berliner Polizei führt drittes Geschlecht ein

Spätestens im November soll es die Kategorie „divers“ auch im Vorgangsbearbeitungssystem (Poliks) der Berliner Polizei geben.

Weiblich, männlich, intersexuell: Ein Plakat macht auf die dritte Option für die Geschlechtsbezeichnung aufmerksam.

Weiblich, männlich, intersexuell: Ein Plakat macht auf die dritte Option für die Geschlechtsbezeichnung aufmerksam.

Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin. Auf den Standesämtern ist es bereits möglich: Intersexuelle Menschen können dort als Geschlechtseintrag „divers“ angeben. Nun will auch die Berliner Polizei nachziehen. Im Polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem (Poliks) soll es diese Kategorie auch geben. Das bestätigte ein Polizeisprecher auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Damit setzt die Behörde gesetzliche Vorgaben um.

Der Bundestag hatte die Einführung des neuen Geschlechtseintrages Mitte Dezember des vergangenen Jahres beschlossen. Das Parlament setzte damit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts um. Die Erfassung der Kategorie „divers“ ist aktuell noch deaktiviert, da wiederum das Bundeskriminalamt (BKA) in ihrem System (Inpol) diese Eintragung noch nicht verarbeiten kann.

"Divers" wird auch im Bundeskriminalamt eingeführt

In der Praxis würde das bedeuten, dass es zwischen der Berliner Landespolizei und dem Bundeskriminalamt zu einer fehlerhaften Kommunikation kommen würde, wenn beispielsweise ein Verdächtiger als „divers“ geführt werden würde. Die Bundesbeamten könnten dann damit nichts anfangen. Geplant ist, dass das Erfassungssystem der Berliner Polizei spätestens im November dieses Jahres die dritte Kategorie bekommt. Auch beim Bundeskriminalamt soll es dann freigeschaltet werden.

Für die Polizei hat sich nämlich eine geradezu absurde Situation ergeben. Zwar ist die Behörde bereits in der Lage von anderen Stellen, wie dem Einwohnermeldeamt oder dem Ausländerzentralregister, „divers“ als Eintragung entgegenzunehmen, selbst auswählen können es die Beamten aber nicht. Momentan sei es nur möglich, bei der Geschlechterzugehörigkeit neben „männlich“ und „weiblich“ auch „unbekannt“ und „unbestimmt“ einzutragen. Auf Fachebene war durch die Hinweise einer Polizeimitarbeiterin eine Diskussion darüber entbrannt, was das für die Behörde bedeute.

Attest oder eidesstattliche Erklärung erforderlich

Was auf Expertenebene zu Diskussionen führt, trifft bislang in der Bevölkerung auf wenig Resonanz. Das Interesse an der neuen Geschlechterkategorie hält sich in Grenzen. Dabei ist Berlin noch die Stadt mit der größten Nachfrage. Laut Innenverwaltung wollten in den ersten vier Monaten seit der Gesetzesänderung neun Menschen bei den Standesämtern ihre Angaben entsprechend ändern lassen. Neun weitere baten, die Eintragung offen zu lassen.

Zur Änderung des Eintrags müssen Menschen ein ärztliches Attest vorlegen, in Ausnahmefällen soll auch eine eidesstattliche Versicherung reichen. Aus den Unterlagen muss laut Innenverwaltung hervorgehen, dass die Person wegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht eindeutig zugeordnet werden kann.