Landtag

Flughafenchef bei BER optimistisch: CDU will Sonderermittler

Mehr als sieben Jahre nach der geplatzten Eröffnung sieht Flughafenchef Lütke Daldrup den Hauptstadtflughafen auf der Zielgeraden. Nach den zahlreichen Pleiten und Pannen fehlt der Opposition im Landtag allerdings noch der Glaube.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH.

Foto: dpa

Potsdam. Kurz nach Beginn der finalen Tests durch den Tüv hat sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zuversichtlich gezeigt, dass der Hauptstadtflughafen planmäßig fertig wird. "Die Terminziele sind stabil und die Eröffnung im Oktober 2020 ist nicht gefährdet", erklärte er am Dienstag im Flughafenausschuss des Brandenburger Landtags. Der Flughafenchef äußerte sich optimistisch zum weiteren Verlauf der Tüv-Tests. "Denn wir haben die Anlagen ja auch schon erfolgreichen Vortests unterzogen."

Diese Einschätzung teilte auch Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. "Ich kann berichten, dass wir alle positiv angetan waren, dass die Flughafengesellschaft und die Firmen diesmal alle Planungen eingehalten haben", sagte Bretschneider. "Aber wir haben noch eine Menge vor uns und dürfen nicht nachlassen bei dem, was noch vor uns liegt." Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) sprach von einem wichtigen Meilenstein, auch wenn noch viel Arbeit zu leisten sei.

Auch wenn die Tests der Sicherheitsanlagen erfolgreich verliefen, sei der Airport noch längst nicht fertig, betonte der Flughafenchef. "Ein sicheres Gebäude ist noch kein Flughafen", sagte Lütke Daldrup. Dazu müssten noch die betrieblichen Anlagen und Systeme gebaut werden. Außerdem seien bei der Sicherheitsstromversorgung und -beleuchtung noch zahlreiche kleinere Mängel zu beseitigen.

Im Herbst will die Flughafengesellschaft die Fertigstellung des Terminals beim Bauordnungsamt anzeigen und dazu rund 200 Aktenordner mit Dokumentationen einreichen. Bis dahin sollen auch die Genehmigungen für die umstrittenen Dübel in den Kabelschächten vorliegen. An den verwendeten Dübel hatte auch der parteilose Landtagsabgeordnete und Flughafen-Kritiker Christoph Schulze nach einer Besichtigung nichts zu bemängeln. "Es gab Besorgnisse und Verdachtsmomente, aber diese haben sich nicht erhärtet."

Zweifel an der planmäßigen Eröffnung meldete dennoch der CDU-Oppositionschef im Brandenburger Landtag, Ingo Senftleben an. "Ich habe einfach das Gefühl, dass ein bisschen versucht wird, vor einer nicht unwichtigen Landtagswahl, die Öffentlichkeit zu beruhigen" sagte Senftleben im RBB. So sei fraglich, ob die Dübel für die Kabeltrassen und die Verlegungsarbeiten wirklich funktionierten. Senftleben kündigte an, er werde sich nach der Landtagswahl am 1. September für einen Sonderermittler am BER einsetzen. "Denn glauben kann ich den Aussagen - leider Gottes - nach vielen Jahren des Vertröstens nicht mehr so wirklich."

Unterdessen laufen die Verhandlungen Brandenburgs mit den Gesellschaftern Bund und Berlin über eine Ausweitung des Nachtflugverbots am BER weiter. Denn der Landtag hatte das erfolgreiche Volksbegehren für eine Ausweitung des Nachtflugverbots von 22 Uhr bis 6 Uhr im Jahr 2013 angenommen. Diese Verlängerung hatten die Mitgesellschafter jedoch abgelehnt. Derzeit gilt nur zwischen Mitternacht und 5 Uhr ein komplettes Nachtflugverbot. Nun wolle Brandenburg erreichen, dass zumindest in der Zeit zwischen 5 Uhr und 6 Uhr nur noch Interkontinentalflüge landen dürfen, sagte Staatskanzleichef Martin Gorholt. Darüber werde mit den Gesellschaftern am kommenden Donnerstag verhandelt.