Verlagerung nach Thailand

Infinera schließt Spandau-Werk früher

Die Berliner Produktion sollte Ende September auslaufen. Jetzt ist schon im August Schluss, sagen Mitarbeiter.

Die Produktion im Infinera-Werk in Spandau ist bereits eingestellt. Schon im August soll der Standort geschlossen werden.

Die Produktion im Infinera-Werk in Spandau ist bereits eingestellt. Schon im August soll der Standort geschlossen werden.

Foto: Privat

Berlin. Der Produktionsstandort des Telekommunikationstechnik-Herstellers Infinera in Spandau wird offenbar schneller geschlossen als ursprünglich geplant. Wie Mitarbeiter des Unternehmens der Berliner Morgenpost berichten, soll das Werk bereits in der dritten Augustwoche schließen. Ursprünglich hieß es, die Fabrik für optische Übertragungssysteme solle zum 30. September abgewickelt werden. Das US-Unternehmen Infinera hatte den Standort des langjährigen Wettbewerbers Coriant erst im vergangenen Jahr übernommen und wenig später das geplante Aus der Produktion im Westen der deutschen Hauptstadt verkündet. Rund 400 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Wie Teile der Belegschaft berichten, sei die Produktion der Technik, die unter anderem beim neuen Mobilfunkstandard 5G eingesetzt wird, bereits vor zwei Wochen eingestellt worden. Etwa 80 Prozent des Maschinenparks, mit dem die Produkte gefertigt und überprüft wurden, sei bereits abgebaut worden. Derzeit würde nur noch verpackt und versandt. Nach Angaben von Angestellten seien mittlerweile nur noch rund 80 Mitarbeiter in dem Werk tätig. Die Belegschaft sei dazu angehalten worden, verbliebenen Resturlaub zu nehmen sowie Überstunden abzubauen.

Fabrinet-Personal aus Thailand half bei Abbau der Produktion

Infinera will die Produktion aus Spandau an den Dienstleister thailändischen Fabrinet auslagern. Die Vorbereitungen dafür laufen nach Angaben von Mitarbeitern bereits seit Monaten. Fabrinet-Mitarbeiter aus Thailand seien zunächst in Spandau gewesen und hätten dabei geholfen, Produktionsgeräte abzubauen. Um nun die Fertigung in dem Land hochzufahren, seien derzeit rund 15 Infinera-Mitarbeiter in Thailand und würden beim Aufbau unterstützen.

Die deutlich vorverlegte Schließung des Infinera-Werks in Spandau setzt auch die Bundesregierung unter Druck. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, führt das Bundeswirtschaftsministerium derzeit ein sogenanntes Investitionsprüfverfahren durch. Kommen die Fachleute des Ministeriums zu dem Schluss, dass die Übernahme von Coriant durch Infinera und die geplante Verlagerung der Produktion nach Thailand deutsche Sicherheitsinteressen berührt, könnte die Bundesregierung ihr Veto einlegen und so die Übernahme rückwirkend untersagen. Ermöglicht wird ein solches Vorgehen durch die deutsche Außenwirtschaftsverordnung. Infinera könnte so unter Umständen dazu verpflichtet werden, den ursprünglichen Zustand des Werks in Spandau wiederherzustellen. Auch die Bundesregierung selbst und die Bundeswehr waren in der Vergangenheit Abnehmer der in Spandau hergestellten Telekommunikations-Technik.

Zu dem laufenden Prüfverfahren schweigt das Bundeswirtschaftsministerium noch. Das kritisiert die Opposition. „Ich erwarte, dass die Bundesregierung Öffentlichkeit und Beschäftigte informiert, ob sie jetzt prüft und dass sie verhindert, dass vor Abschluss der Prüfung irreversible Fakten geschaffen werden“, sagte der Berliner Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser (Linke) am Montag. Neben dem Werk in Berlin will Infinera am ehemaligen Coriant-Entwicklungsstandort in München Stellen streichen.

Die Angestellten in Spandau haben angesichts leerer Werkbänke und fertig gepackter Kartons jede Hoffnung verloren. „Eine Rettung ist nicht mehr möglich, jegliche Einsprüche würden viel zu spät kommen“, sagte eine Mitarbeiterin. Die Belegschaft sei niedergeschlagener denn je. Daran hätten auch die von der IG Metall ausgehandelten Abfindungszahlungen wenig geändert: Bis zu 75.000 Euro pro Mitarbeiter wurden vereinbart. Doch um die maximale Abfindungssumme zu erhalten, müsste ein Angestellter 38 Jahre in der Firma tätig gewesen sein.