Luftverkehr

Passagierrekord an den Berliner Flughäfen

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Thomas Fülling
Passagiere warten Anfang Juli im Flughafen Tegel (TXL) auf die Abfertigung.

Passagiere warten Anfang Juli im Flughafen Tegel (TXL) auf die Abfertigung.

Foto: jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVIC / FUNKE Foto Service

Erstmals sind in den Sommerferien mehr als fünf Millionen Menschen von Tegel und Schönefeld abgeflogen oder dort gelandet.

Berlin.  Allen Klimadebatten und Schülerprotesten zum Trotz hält der Flugboom in der Hauptstadtregion unvermindert an. Nach Angaben der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) sind erstmals in den Sommerferien mehr als fünf Millionen Menschen von Tegel und Schönefeld abgeflogen oder dort gelandet. Das ist ein Zuwachs gegenüber dem Rekord vom Vorjahr von zwei Prozent. Besonders deutlich fiel das Plus am Flughafen Tegel aus: Dort wurden von Mitte Juni bis Ende Juli 3,4 Millionen Passagiere abgefertigt, ein Zuwachs von zehn Prozent gegenüber 2018.

An diesem Wochenende, dem letzten in den Sommerferien in Berlin und Brandenburg, erwarten die Flughäfen erneut einen besonders großen Andrang. Nach rund 117.000 Passagieren am Freitag rechnen die Betreiber für Sonnabend mit etwas weniger und für Sonntag erneut mit mindestens 110.000 Fluggästen. „Den meisten Verkehr haben wir aber nach dem Sommer“, sagte FBB-Vorstandschef Engelbert Lütke Daldrup, denn während in anderen Bundesländern noch Ferien sind, beginnt in Berlin wieder der Geschäftsverkehr.

Berlins Flughafenchef äußerte sich sehr zufrieden über die Leistung in den vergangenen Wochen. „Dank des guten Zusammenspiels aller beteiligten Partner konnten wir trotz erneuten Wachstums die Fluggäste gut in den Urlaub bringen“, sagte er am Freitag bei der Vorstellung der Sommerferienbilanz. In Tegel seien 75 Prozent und in Schönefeld 76 Prozent aller Flüge pünktlich gestartet oder gelandet. „Das liegt über dem Durchschnitt der deutschen Airports.“

Flughafenchef: Weniger Probleme bei der Abfertigung als im Jahr zuvor

Vor allem die Bodendienstmitarbeiter hätten Großes geleistet. „An heißen Tagen herrschen auf dem Vorfeld Temperaturen von über 40 Grad. Unter diesen Bedingungen sind etwa in Tegel pro Maschine im Durchschnitt 1,5 Tonnen Gepäck zu bewegen“, sagte Lütke Daldrup. Dennoch habe es gerade bei der Gepäckabfertigung weniger Probleme als noch im Vorjahr gegeben, als Zehntausende Fluggäste oft tagelang auf ihr Reisegepäck warten mussten.

Alle Beteiligten hätten aus dem Vorjahr gelernt. So sei etwa von den Bodendienstleistern mehr Personal eingestellt und von den Airlines Reservemaschinen stationiert worden. Die FBB wiederum habe im Frühjahr ein Notsystem eingerichtet. Flughafen-Mitarbeiter würden eingreifen, wenn zum Beispiel ein Bodendienstleister nicht rechtzeitig die Fluggasttreppe an eine Maschine heranbringen kann und die Passagiere im Flieger festsitzen. Rund 200 solcher Notfalleinsätze hat es seither gegeben.

Berlins Flughafenchef rechnet damit, dass das Wachstum an den beiden Hauptstadt-Airports anhalten wird. Bereits im ersten Halbjahr sei das Vorjahresergebnis um zwei Millionen Fluggäste übertroffen worden. Dies seien aber auch Nachholeffekte nach der Delle, die die Air-Berlin-Pleite hervorgerufen hat. Im zweite Halbjahr dürfte der Zuwachs geringer ausfallen. Schon jetzt sei aber klar, dass der Vorjahreswert deutlich übertroffen wird. „Ich erwarte zum Jahresende mindestens 36,5 Millionen Fluggäste in Berlin“, so Lütke Daldrup.

Anziehungskraft der Stadt als touristisches Ziel ungebrochen

Die ungebremste Fluglust in Berlin überrascht ihn nicht. „Die Menschen haben weiterhin ein großes Interesse daran, nach Europa und in die Welt zu fliegen“, sagte Lütke Daldrup. Zudem würde die Entwicklung auch deutlich machen, dass die internationale Anziehungskraft Berlins als touristisches Ziel ungebrochen sei. Hinzu komme das wachsende Bedürfnis von Vertretern der Wirtschaft, Ziele in aller Welt zu erreichen. Auch aus Umweltgründen sei es daher wichtig, dass von Berlin aus mehr Interkontinentalziele direkt angeflogen werden können. „Unterm Strich fallen dadurch Flüge weg“, so Lütke Daldrup. Aktuell würden die meisten Passagiere von Berlin nach Frankfurt/M. und München, den Drehkreuzen der Lufthansa, fliegen.

Die FBB erwartet, dass die Klimadebatte mittelfristig Wirkung zeigen wird. Bereits jetzt würde der innerdeutsche Flugverkehr stagnieren, in Zukunft könnte er abnehmen. „Schon jetzt gibt es keine Flüge mehr von Berlin nach Nürnberg, weil man dort in weniger als drei Stunden mit der Bahn sein kann. Je besser die Bahn wird, umso weniger Gründe gibt es, innerhalb Deutschlands zu fliegen“, sagte der Berliner Flughafenchef.

Auch die deutsche Luftverkehrsindustrie reagiert auf die Forderungen nach mehr Klimaschutz. Am Freitag veröffentlichte das Präsidium des Branchenverbandes BDL dazu eine Grundsatzerklärung. „Wir sehen die Frage, wie der Luftverkehr nachhaltiger und besser in Einklang mit dem Klimaschutz gebracht werden kann, als eine der zentralen gemeinsamen Herausforderungen von Luftverkehrswirtschaft, Politik und Gesellschaft“, heißt es darin. Als größter Hebel gilt für die Branche die Weiterentwicklung der Kraftstoffe. Mit ihnen soll es gelingen, dass die luftverkehrsbedingten Kohlendioxid-Emissionen auf null sinken. „Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn das fossile Kerosin durch regenerative Kraftstoffe ersetzt wird“, so das BDL-Präsidium.

TXL und SXF: 110.000 Fluggäste pro Tag

In den vergangenen sechs Ferienwochen sind nach Angaben der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) im Durchschnitt 110.000 Fluggäste pro Tag von beiden Hauptstadtairports abgeflogen und wieder in die Stadt zurückgekehrt. Mit einem Anteil von 68 Prozent musste der in die Jahre gekommene Flughafen Tegel wieder die Hauptlast tragen. Dort wurden von Mitte Juni bis Ende Juli mehr als 3,4 Millionen Passagiere abgefertigt, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Sommerbilanz der Flughafenbetreiber hervorgeht.

Das Ergebnis aus dem Vorjahreszeitraum sei damit noch einmal um zehn Prozent übertroffen worden, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bei der Vorstellung der Bilanz. In Schönefeld wurden in dem Zeitraum 1,6 Millionen Fluggäste bewältigt, ein Minus von elf Prozent. Unterm Strich ergibt sich aber ein Wachstum an beiden Airports auf 5,03 Millionen Passagiere, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Sommer 2018.

Die unterschiedliche Entwicklung von Tegel und Schönefeld erklärt Flughafenchef Lütke Daldrup mit der Unternehmenspolitik von Easyjet und Ryanair. Beide Billigfluggesellschaften hatten ihre Maschinen noch vor zwei Jahren in Schönefeld stationiert. Nach der Air-Berlin-Pleite bauten Easyjet und Ryanair ihr Angebot in Berlin kräftig aus, vor allem die Briten übernahmen einen Großteil der Flugslots in Tegel. Auch die irische Ryanair ist dort jetzt über das Tochterunternehmen Laudamotion aktiv.

Mallorca und Antalya die beliebtesten Ziele

Dass es tatsächlich vor allem Ferienflieger waren, die für das aktuelle Rekordergebnis gesorgt haben, machte die Flugzielstatistik der FBB für den Zeitraum 20. Juni bis Anfang August deutlich. Zwar stehen dort auch für den Ferienzeitraum Frankfurt am Main (307.000 Fluggästen) und München (283.000), die beiden Drehkreuze der Lufthansa, ganz oben. Doch auf Platz drei folgt mit 200.000 Reisenden bereits Mallorca, das liebste Urlaubsziel aller Deutschen. Es folgen mit 130.000 Fluggästen Antalya, der wichtigste Flughafen an der türkischen Mittelmeerküste, sowie Kataloniens Hauptstadt Barcelona (80.000 Passagiere). Von Tegel aus sind zudem rund 63.000 Menschen nach Istanbul gestartet. Traditionell verbringen viele türkischstämmige Berliner ihre Ferien im Heimatland ihrer Eltern oder Großeltern.

Als Herausforderung bezeichnete Lütke Daldrup die veraltete Infrastruktur beider Flughäfen. Die sollten schon im Oktober 2011 geschlossen und vom neuen Hauptstadtairport BER abgelöst werden. Deshalb wird seit Jahren nicht groß in die Flughafentechnik investiert. Bekanntermaßen ist der BER noch immer nicht eröffnet, die alten Anlagen müssen länger als geplant durchhalten.

Eines der größten Probleme in Tegel und Schönefeld sind die Gepäckanlagen, bei denen fast alles per Hand gemacht werden muss. Gleichzeitig sind die zu bewältigenden Gepäckmengen stark gestiegen. So sind von Januar bis Juli allein in Tegel rund elf Millionen Koffer, Taschen und Sperrgut verladen worden, insgesamt 153.862 Tonnen Gepäck. Im Durchschnitt seien das knapp 1,5 Tonnen Gepäck pro Maschine, die in Tegel startet oder landet. In Schönefeld liegt der Durchschnittswert bei knapp einer Tonne Gepäck pro Maschine.

Echte Besserung wird laut Lütke Daldrup erst der BER bringen. Der Flughafenchef geht weiter davon aus, dass der neue Airport im Oktober 2020 eröffnet werden kann. Am Donnerstag hätten die finalen Prüfungen der wichtigsten technischen Anlagen im Hauptterminal begonnen. Bei der sogenannten Wirk-Prinzip-Prüfung untersuchen Experten des Tüv Rheinland, ob die Anlagengruppen im Zusammenspiel funktionieren. Dazu gehören etwa die Brandmelde- und Feuerlöschanlagen sowie die Sicherheitsstromversorgung. Davor waren die Anlagen einzeln geprüft worden. Ein Erfolg der Prüfungen ist Voraussetzung dafür, dass der BER wie angekündigt im Oktober 2020 in Betrieb gehen kann.