Mobilität

BVG bringt ersten Bus ohne Fahrer auf die Straße

Der automatisierte Kleinbus soll noch im August in Alt-Tegel starten - als Test für die Mobilität der Zukunft in den Außenbezirken.

Vier solcher fahrerlosen Minibusse verkehren bereits auf dem privaten Charité-Gelände, also außerhalb öffentlicher Straßen.

Vier solcher fahrerlosen Minibusse verkehren bereits auf dem privaten Charité-Gelände, also außerhalb öffentlicher Straßen.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Alt-Tegel wird in den kommenden Tagen zum Testgebiet. Erstmals in Berlin soll hier ein hochautomatisierter Bus im Linienverkehr auf öffentlichen Straßen verkehren. Als Strecke für das Projekt „See-Meile“ haben sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gemeinsam mit Projektpartnern für den rund 600 Meter langen Abschnitt zwischen U-Bahnhof Alt-Tegel und der Greenwichpromenade entlang der Straße Am Tegeler Hafen entschieden.

„Der Ortsteil Tegel eignet sich insbesondere, um eine Quartiers-Feinerschließung zu erproben“, heißt es von der BVG. Viele Touristen und Ausflügler wollten im Sommer zur Schiffsanlegestelle an der Promenade. Doch eine Nahverkehrsverbindung vom U-Bahnhof aus gebe es nicht. Die Linie verbessere somit das lokale Mobilitätsangebot, also die „Feinerschließung“.

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Erste Fahrstrecke auf öffentlichen Straßen

Der elektrische Kleinbus der Firma EasyMile kann bis zu sechs Fahrgäste befördern und rollt mit einer Geschwindigkeit von maximal 15 Kilometer in der Stunde die Straße entlang. Nach einem ersten Testbetrieb ohne Fahrgäste soll der öffentliche Linienverkehr noch im August aufgenommen werden, teilte die BVG mit. Bis Jahresende werde das Fahrzeug täglich auf der 15 Minuten langen Runde verkehren.

Berlin betritt mit dem Einsatz des Fahrzeugs Neuland. Bisherige Projekte mit automatisierten Kleinbussen fanden immer auf Privatgelände statt. Derzeit betreibt die BVG vier hochautomatisierte Busse an den Standorten der Charité in Mitte und am Virchow-Klinikum. Und bis Ende 2018 testeten die Verkehrsbetriebe gemeinsam mit Ioki, einer Mobilitäts-Tochter der Deutschen Bahn AG, einen per App bestellbaren autonomen Bus auf dem EUREF-Campus am Schöneberger Gasometer.

Zunächst ist zur Sicherheit noch ein Fahrbegleiter an Bord

„Wir machen das bewusst direkt im Straßenland, weil wir die Bürger mitnehmen wollen, auszuprobieren, aber auch Kritik abzugeben“, sagte Melanie Jachtner, die das Projekt in der Senatsverkehrsverwaltung betreut. Zeitgleich finden deshalb durch Ioki Befragungen mit Nutzern und Anwohnern statt. „Wir wollen das Produkt verbessern und herausfinden, ob wir auf einem richtigen Weg sind“, sagte Ioki-Projektmanager Chris Büttner.

Das Ziel sei, so Jachtner, die automatisierten Kleinbusse zur „neuen Mobilitätsform in den Außenbezirken“ zu machen. Angst um ihre Sicherheit müssten die Fahrgäste nicht haben, sagte Arwed Schmidt von EasyMile. Noch sei immer ein Fahrbegleiter für den Notfall an Bord. Selbstständig von der genehmigten einprogrammierten Strecke abweichen könne der Bus nicht.