Verkehr in Berlin

Berlins SPD will nun doch neue U-Bahnen bauen

U-Bahn oder Tram? Die Koalition streitet, welche Verkehrsmittel in Berlin ausgebaut werden sollen. Nun gibt es einen neuen Aufschlag.

Fordern mehr U-Bahnen: Die SPD-Abgeordneten Tino Schopf, Daniel Buchholz und Jörg Stroedter (v.l.) im neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus.

Fordern mehr U-Bahnen: Die SPD-Abgeordneten Tino Schopf, Daniel Buchholz und Jörg Stroedter (v.l.) im neuen U-Bahnhof Rotes Rathaus.

Foto: Carsten Koall/dpa/pa

Berlin. Der Ort war mit Bedacht gewählt. Im künftigen U-Bahnhof Rotes Rathaus stellten am Donnerstag der Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion, Jörg Stroedter, und seine Abgeordneten-Kollegen Tino Schopf und Daniel Buchholz ein Strategiepapier zur Verkehrspolitik vor.

Kernpunkt: In Berlin müssen auch wieder neue U-Bahnstrecken geplant und gebaut werden. Der gerade im Ausbau befindliche U-Bahnhof am Roten Rathaus ist Teil der 2,2 Kilometer Verlängerung der Linie U5. Ab Ende 2020 sollen über die neue Strecke U-Bahnen vom Alexanderplatz bis zum Hauptbahnhof fahren.

Bei der Regierungsbildung vor zweieinhalb Jahren vereinbarten SPD, Linke und Grüne, dass es weitere U-Bahn-Neubauten in Berlin auf absehbaren Zeit nicht mehr geben soll. Stattdessen wurde ein Jahrzehnt der Straßenbahn ausgerufen, mit deren massivem Ausbau vor allem auch im Westteil die Verkehrsprobleme der Stadt gelöst werden soll.

Verkehr in Berlin: „Ohne mehr U-Bahn wird es nicht gehen“

Die SPD-Fraktion fordert von ihren Koalitionspartnern Linke und Grüne nichts weniger als eine Abkehr vom faktischen Ausbauverbot des Berliner U-Bahnnetzes. Daniel Buchholz verwies zur Begründung auf den anhaltend starken Zuzug in die Stadt, die jedes Jahr um 30.000 bis 50.000 Einwohner wächst.

Für sie sei ein leistungsfähiger Nahverkehr unabdingbar. „Wir wollen die Menschen davon überzeugen, dass sie ihr Auto stehen lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das wird uns nur gelingen, wenn wir ihnen attraktive Angebote machen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Tino Schopf.

Und für Fraktionsvize Stroedter ist klar: „Ohne mehr U-Bahn wird es nicht gehen.“ Konkret schlagen sie drei Projekte vor, die einen großen verkehrspolitischen Effekt hätten und sich aufgrund von Vorleistungen in vergleichsweise geringer Zeit realisieren lassen.

Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel

Ganz oben auf der Liste steht dabei eine Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel. „Die Menschen warten seit mehr als 40 Jahren darauf“, sagte Stroedter. Das Märkische Viertel sei eines größten zusammenhängenden Siedlungsgebiete in der Stadt ohne direkte Schienenanbindung. Auch sei der Busknoten am S- und U-Bahnhof Wittenau völlig überlastet.

Mit dem Ausbau der U8 könnte zudem ein wichtiger Beitrag zur Mobilitätswende in der Stadt erreicht werden, griffen die SPD-Politiker einen zentralen Strategiebegriff der Grünen auf. Denn auch wegen des schwachen Nahverkehrsangebots würde in Reinickendorf der Anteil des motorisierten Individualverkehrs – sprich des privaten Autos – mit 44 Prozent deutlich über dem Berliner Durchschnitt liegen.

Verlängerung der U2 vom Bahnhof Pankow bis nach Pankow Kirche

Für sinnvoll halten die SPD-Politiker auch die Verlängerung der U2 vom Bahnhof Pankow bis nach Pankow Kirche. Ein Projekt, dass schon zu DDR-Zeiten vorgesehen war, nach der Wiedervereinigung schließlich realisiert werden sollte, doch dann dem Rotstift nach der Bankenkrise zum Opfer fiel.

Für die Verlängerung der U2 könnten vorhandene Vorratsbauten genutzt werden, es wäre nur eine sehr kurze Neubaustrecke erforderlich.

Lückenschluss zwischen den Bahnhöfen Krumme Lanke und Mexikoplatz

Auch der dritte Vorschlag ist in Berlin eine Uralt-Forderung: Der Lückenschluss zwischen den Bahnhöfen Krumme Lanke und Mexikoplatz. Mit einem Anschluss an die S-Bahnlinie 1 würde nicht nur die Linie U3 attraktiver, sondern das Verkehrsnetz im gesamten Südwesten würde davon profitieren.

Stroedter betonte, dass der Ausbau von U-Bahnen den Straßenbahnausbau nicht behindern, sondern ergänzen würde. Die SPD-Abgeordneten wollen in den aktuellen Beratungen zunächst erreichen, dass im Etat für die Jahre 2021/22 Planungsmittel bewilligt werden. Rund 20 Millionen Euro seien notwendig. Gelinge dies, könnte mit dem Bauen frühestens 2025 begonnen werden. Unterstützung dafür haben zumindest schon mal Vertreter der Oppositionsparteien CDU und FDP bekundet.