Prozesse

17-Jährige ins Gleisbett gezogen: Beschuldigte gibt zu

Berlin. Nach einem Angriff auf eine Jugendliche auf einem U-Bahnhof in Berlin-Mitte vor sechs Monaten hat eine 41-Jährige vor dem Landgericht die Attacke zugegeben. Sie habe die ihr unbekannte junge Frau an den Haaren in das Gleisbett gezogen, sie aber nicht töten wollen, erklärte die Beschuldigte am Donnerstag zu Beginn des Prozesses wegen versuchten Totschlags. Der 17-Jährigen war es gelungen, sich vor der Einfahrt einer U-Bahn aus dem Gleisbett zu retten.

Die Beschuldigte habe am 4. Februar 2019 "unvermittelt und anlasslos" auf dem Bahnhof Alexanderplatz angegriffen, so der Staatsanwalt. Sie habe die Geschädigte an den Haaren zur Bahnsteigkante gezogen und dann die auf dem Boden liegende Frau mit beiden Händen in das etwa eineinhalb Meter tiefe Gleisbett gezerrt. "Das Gleisbett war mit einem metallenen Schienenstrang versehen und führte zudem eine aktive Stromschiene." Die 17-Jährige habe großes Glück im Unglück gehabt. Die damalige Schülerin sagte im Prozess, sie habe große Angst gehabt und Schmerzen an Kopf und Rücken erlitten.

Die 41-Jährige habe sich auf dem Bahnsteig "böse angeschaut gefühlt", erklärte sie im Prozess. Die Staatsanwaltschaft strebt ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Zu einem Urteil kommt es voraussichtlich am 2. September.

Bundesweit sorgen Angriffe auf Bahnhöfen immer wieder für Entsetzen. 2016 starb in Berlin eine 20-Jährige, nachdem sie von einem psychisch Kranken vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen wurde. Vor wenigen Tagen ist ein achtjähriger Junge im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen worden.