Klimaschutz

Solaranlagen sollen auf Berliner Neubauten Pflicht werden

Grüne wollen den Einbau von Photovoltaik für öffentliche und private Neubauten in Berlin künftig vorschreiben.

Die Grünen wollen, das auf jedem Neubau eine Solaranlage installiert wird.

Die Grünen wollen, das auf jedem Neubau eine Solaranlage installiert wird.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Die Grünen dringen darauf, den Klimaschutz in Berlin mit neuen Vorschriften voranzubringen. Um die Energiebilanz zu verbessern, sollen Bauherren verpflichtet werden, auf Dächern oder an Fassaden ihrer Neubauten Solar-Anlagen zu errichten. Das wollen die Grünen am Freitag auf ihrer Klausurtagung in Prag beschließen. Sie haben damit vor allem den wichtigen Gebäudesektor und die Heizenergie im Blick, die bisher in den Diskussionen um die Energiewende eher Nebenrollen spielten.

„Berlin ist als Stadt für Photovoltaik prädestiniert, weil wir viele Dächer, Balkone und Häuserfassaden haben, aber wenige Flächen für Windkraft“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop der Berliner Morgenpost: „Wir werden eine Solarpflicht auf den Weg bringen, wie sie Städte wie Tübingen bereits beschlossen haben.“ Gebäude sind gerade in Großstädten wichtige Energiefresser und Verursacher von klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen.

Ziel: Ein Viertel des Berliner Strombedarfs aus Solarenergie

Der Senat hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst ein Viertel des Berliner Strombedarfs aus Solarenergie zu decken. Bisher liegt der Anteil des Sonnenstroms bei unter einem halben Prozent. Um das Ziel in den nächsten 30 Jahren zu erreichen, müssten nach einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft insgesamt 200.000 Anlagen installiert werden. Jeder Neubau soll nach den Vorstellungen der Grünen mit einem Solardach ausgerüstet werden. Solardächer sollten „integraler Bestandteil sein in der Architektur von Häusern“, sagte Pop. Eine Solarpflicht für Neubauten sei der richtige Weg. Dabei richten sich solche Auflagen sowohl an private als auch an öffentliche Bauherren.

Zuletzt hatte es Diskussionen gegeben, weil der Senat im Rahmen der Schulbauoffensive nicht vorgesehen hatte, auf den Schuldächern Sonnenstrom zu gewinnen. Als Reaktion auf die auch von den Grünen geäußerte Kritik sollen in der zweiten Tranche der Schulneubauten nun Solarzellen installiert werden. Eine Solarpflicht hätte Berlin diese Debatte erspart, glaubt die Wirtschaftssenatorin. „Die Diskussion sollte man nicht um jedes Gebäude neu führen“, sagte Pop. Dass eine Solarpflicht den Neubau verzögern und wesentlich verteuern könnte, glauben die Grünen nicht. Die Kosten für eine solche Anlage auf einem Mehrfamilienhaus liegen im fünfstelligen Euro-Bereich. „Das rechnet sich schon nach kurzer Laufzeit, zumal der Mieterstrom ja auch noch staatlich gefördert wird. Zudem sind die Preise für die Photovoltaik so weit gesunken, dass sie in der Gesamtsumme für einen Neubau nahezu verschwinden“, so Pop.

Jedes Senatsressort könnte ein Klimabudget bekommen

Bei der Sanierung von Altbauten wollen die Grünen von einer Sonnenstrom-Pflicht absehen. Viele Bestandsgebäude würden ohnehin Schritt für Schritt mit Solaranlagen ausgerüstet, von den Stadtwerken und anderen, die Mieterstrommodelle umsetzen. Es gebe aber vom Bund noch Beschränkungen für Wohnungsbaugesellschaften und Quartiere, die ihren Strom vom eigenen Dach beziehen wollen. Mieterstrommodelle seien nur für bis zu 100 Wohnungen zulässig. „Das ist für Großstädte wie Berlin nicht gedacht. Da muss nachgebessert werden“, sagte die Senatorin.

Die Grünen wollen zudem dafür sorgen, dass Hauseigentümer den Einbau einer neuen Heizungsanlage nutzen, um einen Teil der Energie aus regenerativen Quellen zu beziehen. In einem Berliner Wärmegesetz nach dem Vorbild des von Grünen und CDU regierten Baden-Württemberg will die Partei festlegen, dass Bauherren erneuerbare Energien einsetzen, etwa aus Solarstrom oder Biogas. „Dazu müssen wir eine Möglichkeit schaffen, Wärme dezentral ins Fernwärmenetz einzuspeisen“, sagte Fraktionschefin Silke Gebel. Um auch die Behörden zu mehr Anstrengungen für den Klimaschutz zu verpflichten, wollen die Grünen jedem Ressort ein bestimmtes Kontingent an Kohlendioxid als „Klimabudget“ zuweisen, welches es mit seinen Aktivitäten verursachen darf.