Digitalisierung

Berlins Schulen sollen bis 2023 schnelles Internet bekommen

Mit Hilfe von Fördergeld des Bundes will Bildungssenatorin Sandra Scheeres massiv in die digitale Ausstattung der Schulen investieren.

Alle rund 700 öffentlichen Schulen in Berlin sollen mit leistungsstarken Breitbandanschlüssen für schnelles Internet ausgestattet werden (Archivbild).

Alle rund 700 öffentlichen Schulen in Berlin sollen mit leistungsstarken Breitbandanschlüssen für schnelles Internet ausgestattet werden (Archivbild).

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin. Viele Berliner Schulen werden auch in den kommenden Jahren noch auf schnelles Internet warten müssen, der Senat geht das Problem jetzt aber an: Mit Hilfe von Fördergeld des Bundes will Bildungssenatorin Sandra Scheeres massiv in die digitale Ausstattung der Schulen investieren. Allein in den kommenden zwei Jahren stehen dafür rund 170 Millionen Euro zur Verfügung, wie die SPD-Politikerin am Dienstag mitteilte.

Besonders wichtig sei zunächst, alle rund 700 öffentlichen Schulen mit leistungsstarken Breitbandanschlüssen für schnelles Internet auszustatten, betonte sie. In den Berufsschulen solle das bis zum Ende des Jahres umgesetzt sein, in den allgemeinbildenden Schulen bis 2023. Allein dafür stünden innerhalb von vier Jahren 85 Millionen Euro bereit. „Das ist ein echtes Statement“, meinte Scheeres. Momentan sei die fehlende Anbindung an das Breitband-Glasfasernetz ein „riesen Problem“ für viele Schulen.

Haben diese dann entsprechende Anschlüsse, sollen sie im Zuge des Investitionsprogramms auch bessere Server, LAN-Verkabelung und W-LAN bekommen. Fördergeld erhalten sie zudem etwa für interaktive Tafeln, digitale Arbeitsgeräte und mobile Endgeräte wie Notebooks und Tablets.

Berlin nimmt für das Programm Landes- und Bundesgeld in die Hand. So fließen aus dem zwischen Bund und Ländern geschlossenen Digitalpakt innerhalb von fünf Jahren 257 Millionen Euro - durchschnittlich 52 Millionen Euro pro Jahr.

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Scheeres: "Digitalisierung ein Topthema"

„Die Digitalisierung ist für mich das Topthema neben Schulbau und Qualitätssicherung“, versicherte Scheeres. Die Mittel für diesen Bereich seien im Haushalt 2020/2021 deutlich aufgestockt worden.

Um das Geld aus dem Digitalpakt gerecht auf die Schulen zu verteilen, wurde eine spezielle Formel entwickelt: Zunächst soll jede Schule einen Sockelbetrag von 100 000 Euro erhalten, wie Scheeres erläuterte. Hinzu kommen 330 Euro je Schüler.

Um das Geld beantragen zu können, müssen Schulen ein Medienkonzept erarbeiten. Ihnen steht dabei im Internet ein virtueller Lernraum zur Verfügung, in dem sie umfangreiche Informationen und Hilfestellung erhalten. Einige Schulen haben bereits Konzepte eingereicht. Nach den Worten von Scheeres soll auf dieser Basis im September das erste Fördergeld fließen.

IT-Fachleute sollen sich kümmern und Lehrer entlasten

Eine wichtige Voraussetzung, um von dem Geldregen profitieren zu können, ist eine professionelle Betreuung der IT in den Schulen mit Hilfe externer Fachleute. Denn Lehrer, die das zuletzt oft noch übernahmen, sollen sich auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren, wie Scheeres betonte. Bis dato stünden Techniker für 521 Schulen zur Verfügung. Bis 2020 solle das in allen Schulen der Fall sein.

Berlins Schulen fangen bei der Digitalisierung nicht bei Null an, vielfach gibt es aber erheblichen Nachholbedarf. Beispiel Lily-Braun-Gymnasium in Spandau: Hier stehen für 680 Schüler momentan zwei Computerräume mit 38 Arbeitsplätzen sowie 18 Laptops zum Ausleihen zur Verfügung, wie Schulleiterin Ulrike Kaufmann erläuterte. In der Hälfte der Klassenräume werde mit Whiteboards - also interaktiven Tafeln - gearbeitet. W-LAN gebe es nicht überall, Klassenräume in einem Nebengebäude hätten keine Internetanbindung.

„Wir haben großen Bedarf, die Infrastruktur zu verbessern“, sagte Kaufmann. Vor diesem Hintergrund sei die Freude über den Digitalpakt in der Schule groß.

Der FDP-Bildungsexperte Paul Fresdorf erklärte, der Digitalpakt sei der richtige Weg, eine Bildungsoffensive in Deutschland voranzutreiben. Lehrkräfte müssten aber geschult werden. „Hier braucht Berlin eine Ausbildungsoffensive, die auf den richtigen Umgang mit Tablets oder auch interaktive Tafeln setzt und digitale Kompetenz fördert“, so Fresdorf. „Bisher hat der Berliner Senat geschlafen, obwohl dies alles altbekannte Probleme sind.“