Berliner Bäder-Betriebe

Johannes Kleinsorg soll Bäder-Betriebe aus Dauerkrise führen

Der bisherige Chef der Stadtwerke Leipzig übernimmt im September den Posten von Andreas Scholz-Fleischmann. Manager steht vor vielen Aufgaben.

Innensenator Andreas Geisel (SPD, l.) stellt am Dienstag den neuen Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Johannes Kleinsorg, vor.

Innensenator Andreas Geisel (SPD, l.) stellt am Dienstag den neuen Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Johannes Kleinsorg, vor.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Seine Erfahrungen mit den Berliner Bädern sind positiv. Als die Söhne von Johannes Kleinsorg noch klein waren, in den 90er-Jahren, sammelten sie im Freibad am Insulaner die ersten Bäder-Erfahrungen. Nun soll der 57-Jährige die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) aus der Dauerkrise führen.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD) präsentierte den Manager am Dienstag als Nachfolger des aus Altersgründen ausgeschiedenen Andreas Scholz-Fleischmann an der Spitze der Anstalt öffentlichen Rechts. Kleinsorg hatte zuletzt fünf Jahre lang die Stadtwerke Leipzig geführt. Geisel verwies auf die nachgewiesenen Vorstandsqualitäten in mehreren großen Unternehmen. Der neue Chef der 800 Bäder-Mitarbeiter übernimmt seinen Posten am 1. September.

Kleinsorg hat eine große Aufgabe vor sich. Im Berliner Abgeordnetenhaus gelten die Bäder-Betriebe als Problemfall: zu wenige Mitarbeiter, unzuverlässige Öffnungszeiten, nicht ausgeschöpfte Investitionsbudgets, Ärger mit den Beschäftigten. Zwar haben sich die Kennzahlen in den vergangenen Monaten etwas verbessert, aber von Entwarnung sind die Bäder-Betriebe weit entfernt. Das Jahr 2018 brachte mit 6,7 Millionen Gästen zwar einen Besucherrekord, der aber wesentlich dem damaligen heißen Sommer geschuldet war. Aber auch die Gästezahlen in den Hallenbädern – die eigentliche Messlatte für das Management – seien gestiegen, so die Bäderbetriebe.

Geisel will perspektivisch erweiterte Öffnungszeiten

Der neue Leiter müsse nun die Quadratur des Kreises fertigbringen, sagte Geisel. Er soll den enormen Sanierungsstau in den Bädern abarbeiten. Das wird notgedrungen zu Schließzeiten führen. Gleichzeitig ist ihm aufgetragen, ausreichend Wasserfläche für Badegäste, Schulen und Vereine bereitzustellen und die Besucherzahlen weiter zu steigern.

Sportsenator Geisel sagte, die Koalition stehe dazu, die 61 öffentlichen Badeanstalten der Stadt zu erhalten. Es gehe darum, die Bäder technisch zu sanieren, zu modernisieren und für die Besucher attraktiver zu machen. Perspektivisch solle es nicht nur stabilere, sondern auch erweiterte Öffnungszeiten geben, sagte Geisel. Zuletzt hatten technische Defekte oder fehlendes Personal oft dafür gesorgt, dass Badegäste kurzfristig vor verschlossenen Türen standen.

Investitionszuschüsse zu verbauen, ist nicht einfach

Die Koalition hat im Doppelhaushalt für 2020/21 die konsumtiven (zu verbrauchenden) Zuschüsse für die Bäder auf 60,5 Millionen Euro im ersten und 62 Millionen Euro im zweiten Jahr erhöht. 2018 waren es noch 51 Millionen. Gleichzeitig sollen die Investitionssummen auf 20 Millionen Euro steigen. „Das muss man erstmal verbauen“, sagte Geisel. 2018 wurden nur 3,5 Millionen Euro für Sanierung und Modernisierung der Bäder ausgegeben. „Das Geld und der gute Wille sind da“, so Geisel. Nun müsse beides zusammengeführt werden.

Auch wegen der Steigerung in den Investitionsbudgets sei die Wahl auf den erfahrenen Manager Kleinsorg gefallen, begründete Geisel die Entscheidung für den Volkswirt, der bisher vor allem in der Energiebranche Erfahrungen sammelte. Ihm wird zugetraut, solche Dimensionen auch umzusetzen.

Ein wesentliches Problem ist der Personalmangel

Die nächsten großen Sanierungsprojekte sind noch 2019 das Stadtbad Tiergarten und das Paracelsus-Bad in Wedding. 2020 folgt das Spreewaldbad in Kreuzberg. Zudem muss er die großen Neubauvorhaben managen. Bis 2024 soll das neue Kombibad in Mariendorf fertig sein, ein Jahr später das kombinierte Frei- und Hallenbad in Pankow.

Der künftige Bäder-Betriebe-Chef sagte, seine wichtigsten Aufgaben seien zunächst, die Verfügbarkeit der Bäder auch während der Sanierungen sicherzustellen und die Attraktivität der BBB für Arbeitnehmer zu verbessern. Zuletzt hatte die Anstalt stets über die Schwierigkeiten geklagt, erfahrenes Personal zu finden, um auch kurzfristige Ausfälle ausgleichen zu können. Das gerade wieder vereinfachte Tarifsystem wolle er zunächst nicht anfassen, sagte der designierte Bäder-Chef. Senator Geisel kündigte aber an, eventuell die strenge Trennung zwischen Schul- und Vereinsbädern und anderen Schwimmhallen zu überdenken. So sollten gegebenenfalls auch normale Badegäste während eines Schul- oder Vereinstrainings ein paar Bahnen zum Schwimmen bekommen.

Kundenorientierung bieten, mit Zielkonflikten umgehen

Bei seiner Investitionsplanung kann Kleinsorg auf eine Kooperation mit den Berliner Wasserbetrieben bauen. Beide Landesbetriebe sollen gemeinsam einkaufen und etwa die benötigten Techniker ausbilden.

Den Wechsel aus Sachsen begründete Kleinsorg mit der „spannenden Aufgabe“. So groß sei der Unterschied zur Energiewirtschaft nicht, es gehe um Service und Kundenorientierung. Er könne mit Zielkonflikten umgehen und Interessen etwa in einer Belegschaft ausgleichen, beschrieb der Manager seine Kompetenzen. Dass er nach Stationen in Nürnberg, Kiel und eben Leipzig jetzt nach Berlin zurückkehrt, begründet er mit einer engen Verbundenheit: „Manchmal hält sich Leipzig ja für das bessere Berlin“, so der gebürtige Göttinger, „ich bin lieber für das Original tätig.“