Fremde Art in Berlin

Trotz Rückgangs: Werden die Sumpfkrebse je verschwinden?

In diesem Jahr gingen in Tiergarten und im Britzer Garten bisher etwa 10.000 Exemplare der invasiven Art ins Netz.

Der Bestand der invasiven Sumpfkrebse im Berliner Tiergarten und im Britzer Garten geht zurück.

Der Bestand der invasiven Sumpfkrebse im Berliner Tiergarten und im Britzer Garten geht zurück.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Fast zwei Jahre nach der Entdeckung des massiven Sumpfkrebs-Vorkommens in mehreren Berliner Parkgewässern zeichnet sich langsam ein Rückgang des Bestands ab. Seit Anfang April habe ein Fischer 10.500 Exemplare im Tiergarten in Mitte und im Britzer Garten in Neukölln gefangen, teilte die Senatsverwaltung für Umwelt auf dpa-Anfrage mit. Im vergangenen Jahr hatte der Fischer erstmals die Genehmigung bekommen: fast 39.000 Krebse gingen ihm in der Saison ins Netz und wurden zum Verzehr verkauft.

„Das wird in diesem Jahr wohl nicht erreicht werden – und das ist ja auch Sinn und Zweck des Ganzen“, sagte Derk Ehlert, Umweltexperte der Senatsumweltverwaltung. Die Fangsaison läuft voraussichtlich noch bis November. An Havel und Spree seien unterdessen bisher nur vereinzelt Sumpfkrebse gefangen worden. „Das haben wir auch vermutet, weil dort bisher kein Verbreitungszentrum der amerikanischen Sumpfkrebse besteht“, sagte Ehlert.

Start-up macht Krustentiere zu feinen Gerichten

Weil die Allesfresser als Gefahr für heimische Arten und Ökosysteme gesehen werden, ist die Eindämmung EU-weit geboten. Die Exoten sind vermutlich Nachkommen von Sumpfkrebsen, die in Aquarien gehalten und ausgesetzt wurden. Sie vermehrten sich in Berlin weitestgehend unbemerkt, bis im August 2017 wandernde Krebse gesichtet wurden. Naturschützer vermuteten, dass die Krustentiere auf der Suche nach neuen Gewässern waren. Seitdem werden sie gefangen.

Ob sie je ganz wieder aus der Stadtnatur verschwinden, ist fraglich: Es müsste nur ein einzelnes Weibchen mit Eiern überleben, damit eine neue Population entstehen kann. Ein Weibchen trägt Ehlert zufolge in unseren Gefilden mehrere Dutzend Larven bei sich.

Auf den Teller kommen die Krebse als regionale Delikatesse. Zunächst etwa unter dem Namen „Berlin Lobster“ (Berliner Hummer). Mittlerweile hat sich auch das Berliner Start-up Holycrab der Dezimierung der invasiven Art verschrieben. Das junge Gastro-Unternehmen verarbeitet die Sumpfkrebse etwa zu Pastagerichten mit Linguine und Tomatensoße oder als Berliner Krabbenbrötchen. Holycrab bietet die Speisen aus dem eigenen Foodtruck heraus auf Street-Food-Märkten an oder als buchbares Catering. „Wenn es beim Naturschutz Probleme gibt, die so lecker schmecken, sollten wir das lösen können“, befand Mitgründer Lukas Bosch zuletzt gegenüber der Berliner Morgenpost. Dafür erhielt das Unternehmen den Gastrogründerpreis 2019.

Die Sumpfkrebse können bis zu 15 Zentimeter lang werden und werden in anderen Ländern auch zum Verzehr gezüchtet. An den Scheren haben sie auffällige kleine Dornen. Die Tiere sind ursprünglich im Süden der Vereinigten Staaten und Nordmexiko heimisch. Mit vollem Namen handelt es sich um Rote Amerikanische Sumpfkrebse (Procambarus clarkii) oder auch Louisiana-Flusskrebse.