Christopher Street Day

CSD 2019 in Berlin: Rund eine Million Teilnehmer

Laut Veranstalter fiel beim Christopher Street Day der Teilnehmerrekord. Der Tag zum Nachlesen im Blog.

Berlin. Konfetti, nackte Haut und überall Regenbogenfahnen: Der Christopher Street Day hat in Berlin nach Veranstalterangaben rund eine Million Feiernde aus aller Welt und damit so viele wie nie zuvor angezogen. Am Sonnabend zog ein riesiger Tross auf einer Paradestrecke vom Kurfürstendamm bis zum Brandenburger Tor. Auch abseits der Strecke waren vielerorts Regenbogenfahnen gehisst.

Schon gegen 16 Uhr zählten die Veranstalter im ersten Drittel der Parade rund 100.000 Teilnehmer - so viele, wie im vergangenen Jahr insgesamt mitliefen. Beim ersten Berliner CSD im Juni 1979 waren es nur 450. Riesige farbige Federn, Lack und Leder - manchmal nur knapp den Körper bedeckend -, auffällige Perücken, Federboas, High Heels: Viele Teilnehmer hatten sich auffällig und oft schrill gekleidet. In den Straßen sah man lila Bärte und blaue Haare. Mit einer Mikrofonpanne und rund 20 Minuten Verspätung hatte sich der Tross in Bewegung gesetzt.

CSD 2019 in Berlin - Michael Müller begrüßt Besucher am Brandenburger Tor

Am Brandenburger Tor begrüßte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Besucher zum „besten und größten“ Christopher Street Day, den die Hauptstadt je gehabt habe. In mehreren Clubs stiegen CSD-Parties. Auch am späteren Abend sah man vielerorts in Berlin CSD-Feiernde.

Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) feierte auf einem CSD-Wagen mit - mit schwarzer Sonnenbrille und schlichtem weißem Shirt. Auch die Gesandte der US-Botschaft in Berlin, Robin S. Quinville, zeigte sich auf der bunten Parade. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) schrieb per Twitter: „Auch 50 Jahre nach Stonewall ist noch so viel zu tun, damit alle LSBTTIQ frei und gleichberechtigt leben können. Wir werden nicht leiser!“. Antje Kapek und Volker Beck von den Grünen twitterten ein Doppel-Selfie von sich auf dem CSD.

CSD in Berlin: Polizei zufrieden mit Verlauf der Parade

Die Berliner Polizei, die mit 800 Einsatzkräften unterwegs war, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der bunten Parade. Es habe dort keine außergewöhnlichen Vorfälle gegeben, sagte eine Sprecherin am Sonntag. Allerdings teilte die Polizei einen Vorfall abseits des feiernden Trosses mit. Zwei Jugendliche sollen am frühen Sonntagmorgen versucht haben, am Rathaus in Berlin-Köpenick eine Regenbogenfahne anzuzünden. Es sei ein kleines Brandloch entstanden, die beiden flüchteten.

Das Motto des diesjährigen CSD lautete „Stonewall 50 - Every riot starts with your voice“ (deutsch: „Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme“). Damit sollen insbesondere die frühen Aktivisten der LGBTI-Bewegung gewürdigt werden. LGBTI ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und intersexuell. Mit Plakaten wie „Kein Sex mit Nazis“ und „Zur Hölle mit dem Patriarchat“ setzen Teilnehmer aus aller Welt ein Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Ausgrenzung.

Müller unterstrich die Bedeutung des diesjährigen Mottos: „Jeder von uns kann und jeder von uns muss jeden Tag etwas tun gegen Diskriminierung und gegen Übergriffe.“ Es sei viel erreicht worden, aber nach wie vor gebe es Diskriminierungen gegenüber LGBTI, auch juristischer Art.

Trotz Erfolgen, wie der Abschaffung des „Schwulenparagraphen“, der gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellte und der Einführung der Ehe für alle, werden Homosexuelle und Transgender noch immer Opfer feindseliger Angriffe. 225 Fälle, die sich auf sexuelle Orientierung bezogen, zählte die Berliner Polizei 2018, im Vorjahr waren es 171. Das Beratungsprojekt Maneo registrierte im vergangenen Jahr sogar 382 solcher Fälle, was einem Anstieg um ein Drittel binnen zwei Jahren entspräche, wie es in einer Mitteilung heißt.

Der Christopher Street Day erinnert jedes Jahr an Ereignisse vom 28. Juni 1969: Polizisten stürmten die New Yorker Schwulen- und Lesbenbar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street und lösten dadurch einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus.

Der Christopher Street Day (CSD) 2019 in Berlin - Der Tag zum Nachlesen im Blog

+++ 19.06 Uhr +++ Gefeiert werden soll noch bis Mitternacht. Das betrifft zumindest den offiziellen Teil. Denn anschließend dürften viele zum Feiern in die Berliner Clubs weiterziehen. Einige Teilnehmer haben sich am Abend auch in den Tiergarten zurückgezogen und sich einen Platz im Schatten gesucht. Der Umzug war bei bis zu 29 Grad im Zentrum und viel Sonnenschein schließlich auch anstrengend. Als Stargast wird gegen 23 Uhr am Brandenburger Tor DJ Felix Jaehn erwartet.

+++ 19 Uhr +++ Die Musik ist an der Hauptbühne am Brandenburger Tor zwischenzeitlich verstummt. Denn nun werden die "Soul of Stonewall Awards" verliehen - für Verdienste um die LGBTQ-Community. Ausgezeichnet wurden unter anderen eine "Vorkämpferin für Homosexuellenrechte in Russland", wie es hieß. Danach geht die Party aber noch weiter.

+++ 18.22 Uhr +++ Der Veranstalter des CSD korrigiert die Teilnehmerzahlen deutlich nach oben. Demnach sind 250.000 bis 300.000 Teilnehmer auf der Strecke. Das wären dreimal so viel wie im Vorjahr. Somit sei ein neuer Teilnehmerrekord erreicht worden. Wie viele Menschen am Rande der Parade mitfeierten, war am Abend noch nicht bekannt. Es dürfte sich um weitere Hunderttausende handeln.

Insgesamt waren 98 Wagen verschiedener Gruppen, Verbände, Firmen und Parteien auf der Strecke. Sie zogen seit Mittag vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor, wo auf der großen Bühne eine Abschlusskundgebung stattfand. Diese ist mittlerweile beendet. Nun tanzen und feiern viele Teilnehmer zu Musik.

"Die Hetze von Rechts war vielfach die Triebfeder, die viele bewegt hat, auf die Straße zu gehen", sagte David Staeglich-Büge vom Vereinsvorstand des Berliner CSD. "Wir haben gezeigt, dass wir viele sind, und uns nicht wegdiskutieren lassen." Außerdem habe er den Eindruck, dass diesmal viel mehr heterosexuelle Verbündete dabei gewesen seien. "Sie haben sich mit uns solidarisiert, um ein klares Zeichen gegen rechte Hetze zu setzen." Insgesamt zeigte sich Staeglich-Büge sehr zufrieden mit dem Verlauf des diesjährigen CSD.

+++ 18.16 Uhr +++ Die CSD-Parade füllt nunmehr die Straße des 17. Juni, im Hintergrund das Brandenburger Tor. Rein optisch werden hier auch Erinnerungen an die "Loveparade" wach.

+++ 17.25 Uhr +++ Vor allem rund um den Nollendorfplatz ist es sehr eng für die CSD-Parade. Die Wagen müssen sich mühsam den Weg durch die Menschenmengen bahnen. Am Nollendorfplatz befinden sich auch die meisten Alkoholverkaufsstände. Entsprechend sind die Straßen mit Glasscherben übersät. Es blieb aber zunächst ohne gemeldete Zwischenfälle. Für den Umzug zählen die Veranstalter selbst 150.000 Teilnehmer – und damit 50.000 mehr als im Vorjahr. Zusätzlich feiern mehrere hunderttausend Menschen am Rand der Parade. "Uns ist kein einziger Zwischenfall gemeldet worden", sagte eine Polizeisprecherin der Berliner Morgenpost.

+++ 16.40 Uhr +++ Der Umzug hat den Kurfürstendamm mittlerweile hinter sich gelassen. Zurück blieb eine ganze Menge Abfall auf Fahrbahn und Gehwegen. Die BSR machte sich sofort daran, den Müll zu entfernen. Der letzte Wagen des CSD-Umzugs war kurz vor 16 Uhr am Kudamm gestartet.

+++ 16.31 Uhr +++ „Liebe ist universell“, sagt Oliver Rathke. Das sei seine einfache politische Botschaft. „Jesus liebt jeden Menschen, egal ob Mann, Frau, homo- oder heterosexuell.“ Gemeinsam mit seiner Freundin Sarah Materne kommt Rathke jedes Jahr zum Berliner CSD.

+++ 16.09 Uhr +++ Beim CSD geht es auch darum, aufzufallen. Marcel Kündl, Ben Wilde und Geerd Bittner (v.l.n.r.) tun das ohne Zweifel. „Wir haben einfach gedacht, dass in jedem Menschen zwei Seelen stecken“, sagt Bittner, der die Kostüme auch genäht hat. „Heute Frau, morgen Mann, übermorgen gar nichts an.“ Sie seien von Anfang an beim CSD, stolz auf sich und auf die Gemeinschaft. „Wir unterstützen die Community visuell“, sagt Bittner und lacht.

+++ 15.43 Uhr +++ Erstmals zum CSD weht die Regenbogenflagge auch an der CDU-Bundeszentrale an der Klingelhöferstraße in Tiergarten. Das Konrad-Adenauer-Haus liegt auf der Strecke der Parade. Sie sei vor allem auf Anregung des Berliner Landesverbands gehisst worden, sagt der Landesvorsitzende Kai Wegner. „Der CSD gehört fest zu Berlin und ist ein wichtiger Anlass, sich für Vielfalt und Toleranz auszusprechen.“ Erkennbare Widerstände in der Partei habe es nicht gegeben. Zwar räumt Wegner ein, dass sich die Bundespartei mit Entscheidungen wie der Ehe für alle etwas schwerer getan habe als andere politische Kräfte. „Die Berliner CDU hat die Zeichen aber früh erkannt und gehört selbstverständlich auf den CSD.“ Wegner selbst fährt auf dem Wagen der Lesben- und Schwulenunion (LSU) Berlin mit.

+++ 15.21 Uhr +++ Immer wieder kommt der Zug auf der Strecke zum Stehen. Ordner und Polizei müssen Tausende ausgiebig feiernde Schaulustige bitten, von der Straße und hinter die Absperrung zu gehen, um Platz zu machen. Dadurch kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Während die ersten Wagen den Nollendorfplatz erreicht haben, warten viele am Start auf dem Kurfürstendamm noch darauf, losfahren zu können. Währenddessen verkünden die Veranstalter, dass es sich beim Berliner CSD um die größte CSD-Demonstration in Deutschland handelt.

+++ 15.08 Uhr +++ Polizei schließt U-Bahnhof Nollendorfplatz wegen Überfüllung

Die Berliner Polizei hat kurz nach 15 Uhr den U-Bahnhof Nollendorfplatz wegen Überfüllung schließen lassen.

+++ 14.40 Uhr +++ So haben sich die Teilnehmerzahlen beim Berliner CSD entwickelt

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+++ 14.23 Uhr +++ Was man über den CSD wissen muss

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+++ 13.28 Uhr +++ CSD in diesem Jahr nicht am Wittenbergplatz

Die Spitze der CSD-Parade weicht nun von ihrer vertrauten Strecke ab und fährt in diesem Jahr nicht am Wittenbergplatz vorbei, weil es dort zu viele Baustellen gibt. Stattdessen geht es über Nürnberger, Lietzenburger und Kleiststraße in Richtung Nollendorfplatz. Von dort fährt der Zug wieder seine gewohnte Strecke bis zum Brandenburger Tor.

Die Route der Parade beim Christopher Street Day in Berlin - Grafik vergrößern

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+++ 13.26 Uhr +++ 800 Polizisten bei CSD im Einsatz

Beim Christopher Street Day sind am Sonnabend etwa 800 Polizisten im Einsatz, wie ein Polizeisprecher sagte.

+++ 13 Uhr +++ Der Zug setzt sich in Bewegung

Die Parade zum Christopher Street Day hat sich um 13 Uhr mit leichter Verspätung in Bewegung gesetzt - unter lauten "Happy Pride"-Rufen.

+++ 12.55 Uhr +++ "Der Kampf ist noch nicht vorbei!"

Kurz vor dem Start der CSD-Parade wendeten sich vom ersten Wagen viele Redner an die Teilnehmer. Darunter waren auch Stacy Lentz und Kurt Kelly, die heutigen Betreiber der legendären New Yorker Schwulenkneipe "Stonewall Inn". Dort fand im Juni 1969 eine brutale Polizeirazzia statt. Die anschließenden Proteste auf der benachbarten Christopher Street gelten heute als Beginn der weltweiten homo- und transsexuellen Emanzipationsbewegung. „Der Kampf, der damals an der Christopher Street begann, ist noch nicht vorbei“, sagte Lentz unter großem Applaus. Andere Redner wiesen auf die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen in anderen Ländern, aber auch in Deutschland, hin. Vor allem von einer erstarkende Bedrohung von Rechts war die Rede. „Wir brauchen alle, die uns helfen, für die Rechte einzutreten und gegen Diskriminierung vorzugehen“, sagte ein Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg und Schirmherrin "CSD Barrierefrei".

+++ 12.48 Uhr +++ Ein Einhorn in der U-Bahn

Noch hat sich die Parade nicht in Bewegung gesetzt. Und viele Teilnehmer sind ganz offensichtlich noch auf der Anreise - so wie dieses Einhorn in der U-Bahn.

+++ 12.09 Uhr +++ Auf dem Kudamm wird es voll

Kurz vor dem Start des 41. Christopher Street Days (CSD) in Berlin strömen immer mehr Menschen an die Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße. Die Polizei hat die Kreuzung mittlerweile abgesperrt. Von dort soll die Parade um 12.30 Uhr in Richtung Brandenburger Tor losziehen. Fast 100 Wagen stehen auf dem Kurfürstendamm in westlicher Richtung bis zur Uhlandstraße. Dazwischen wird bereits zu lautstarker Musik getanzt. Die Veranstalter rechnen mit mindestens 600.000 Teilnehmern.

+++ 11.35 Uhr +++ Viele Buslinien wegen CSD gesperrt

Die Berliner Verkehrsbetriebe weisen darauf hin, dass es wegen der Parade zum Christopher Street Day (CSD) zu Beeinträchtigungen auf vielen Buslinien kommt. Fahrgäste sollten auf die U-Bahn umsteigen.

+++ 11.25 Uhr +++ Veranstalter hat 98 Wagen angemeldet

98 Wagen sind nach Angaben der Veranstalter angemeldet, unter anderem von Vereinen, Firmen und Parteien. Das Motto lautet in diesem Jahr „Stonewall 50 - Every riot starts with your voice“ („Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme“). Zu den politischen Forderungen zählt etwa ein Wohn- und Kulturzentrum für Lesben und bessere Aufklärung im Umgang mit HIV-Positiven.

Es ist die 41. Ausgabe des Berliner CSD, der 1979 mit 450 Teilnehmern seine Premiere hatte. Die Parade erinnert traditionell an den Aufstand vom 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street: Nach einer Polizeirazzia in der Bar „Stonewall Inn“ kam es zu Aufständen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen mit mehrtägigen Straßenschlachten.