Innere Sicherheit

Berlin-Schriftzug aus Beton: Schutz gegen Terror

Ende eines Provisoriums? Drei Jahre nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche soll der Berliner Breitscheidplatz umgestaltet werden.

Blick auf die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.

Blick auf die Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.

Foto: dpa

Berlin. Ein großer Berlin-Schriftzug aus Stahlbeton soll künftig den Breitscheidplatz in der City-West schützen. Knapp drei Jahre nach dem verheerenden Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt sollen damit Sicherheitsvorkehrungen rund um die Gedächtniskirche neu gestaltet werden, sagte ein Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag. Zuvor hatten mehrere Medien über die Pläne berichtet.

Geisels Ankündigung erfolgte eine Woche, nachdem der Pfarrer der Gedächtniskirche in einem Brandbrief an die Behörden auf die Lage auf dem Breitscheidplatz mit seinen provisorischen und für viele Besucher abschreckenden Sicherheitsvorkehrungen hingewiesen hatte.

Mit Motor- und Fahrrädern verstellte Zufahrten für Feuerwehr und Krankenwagen, Müll und fehlende Papierkörbe sowie scharfe Straßenkanten - niemand fühle sich für den Platz zuständig, hatte Pfarrer Martin Germer geklagt. Geschäftsleute in der Berliner City-West und die Hotels in der Umgebung hatten sich über die Verhältnisse und die Wirkung der massiven Hindernisse beschwert.

Nach einem Gespräch der betroffenen Anrainer mit Geisel äußerte sich Germer am Donnerstag zuversichtlich, dass das neue Konzept zu einer Entspannung auf dem Platz führen könne. Die jetzige Situation habe für die Gedächtniskirche empfindliche Nachteile. Die Zahl der Besucher sei um 20 Prozent zurückgegangen - und damit auch die Einnahmen der auf Spenden angewiesenen Kirche. Die Gedächtniskirche, ein Mahnmal gegen den Krieg, wird zur Zeit für rund 30 Millionen Euro saniert.

Kurz vor Weihnachten 2016 hatte ein Attentäter einen gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz gelenkt. Elf Menschen starben, zuvor hatte der Attentäter den Fahrer des Lasters erschossen. Dutzende Menschen wurden verletzt. Es war der größte islamistische Anschlag in Deutschland.

Der Berlin-Schriftzug auf einem Betonsockel soll laut "Bild" und "B.Z." auch die Stelle markieren, an der der Attentäter in die Einfahrt des Marktes an der Gedächtniskirche steuerte.

Auch die Mittelstreifen auf dem Tauentzien und der Budapester Straße sollen erhöht werden. Die Arbeiten würden so schnell wie möglich ausgeschrieben, sagte der Sprecher der Innenbehörde, Martin Pallgen. Mit den anderen Projekten solle Anfang 2020 begonnen werden. Veranschlagt sei ein einstelliger Millionenbetrag.

"Die dauerhafte Sicherung wird dezenter sein und sich besser an den Breitscheidplatz anpassen, als es die temporären Lösungen bisher taten", zitierte die "Berliner Morgenpost" den Innensenator.

Die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus nannte das Sicherheitskonzept "jämmerlich". Die Pläne zeugten von der "Ideenlosigkeit" der rot-rot-grünen Koalition, erklärte der innenpolitische Sprecher Marcel Luthe. Mit verankerten Stadtmöbeln wie Laternen, Bänken, Pflanzkübeln und Fahrradständern könne unauffällig echte Sicherheit geschaffen werden - in der ganzen Stadt, erklärte Luthe.