Bahnverkehr

Berlin bekommt neue IC-Strecke zur Ostsee

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Thomas Fülling
So sollen die heute noch in Österreich fahrenden Züge nach der Übernahme in die Intercity-Flotte der Deutschen Bahn aussehen.

So sollen die heute noch in Österreich fahrenden Züge nach der Übernahme in die Intercity-Flotte der Deutschen Bahn aussehen.

Foto: Foto: DB/Priegnitz, Bearbeitung: N+P Industrial Design

Wer in Richtung Ostsee oder nach Dresden mit der Bahn reisen will, kann ab Dezember auf eine neue Intercity-Verbindung hoffen.

Berlin. Mehr als 148 Millionen Menschen sind mit den ICE und Intercity-Zügen der Deutsche Bahn (DB) im vergangenen Jahr kreuz und quer durch Deutschland und darüber hinaus gereist. In diesem Jahr will der Staatskonzern im Fernverkehr erstmals gar die Marke von 150 Millionen Fahrgäste übertreffen. Am heutigen Donnerstag, bei der traditionellen Pressekonferenz zur Jahresmitte, wird Bahnchef Richard Lutz verkünden können, dass er zumindest in diesem Bereich den Fahrplan einhalten kann. Nicht zuletzt durch die Klimadebatte der vergangenen Monaten motiviert, nutzen immer mehr Deutsche für ihre Fernreisen auch die Züge der Bahn.

Beim weiteren Wachstum stößt der Konzern jedoch immer häufiger an seine Grenzen. Die Folge sind überfüllte Züge und unzufriedene Kunden. Neben den vielen Engpässen in der jahrelang vernachlässigten Infrastruktur begrenzt vor allem der Mangel an Fahrzeugen und Lokführern dringend notwendige Angebotsverbesserungen. Die Lieferung neuer ICE4-Züge hat sich erheblich verzögert, gebrauchte Fahrzeuge sind in Europa derzeit kaum zu bekommen.

Westbahn verkauft wegen wirtschaftlicher Probleme

Nun ist die Bahn im Nachbarland Österreich fündig geworden. Zu Wochenbeginn konnte das Unternehmen die Unterzeichnung eines Vertrages mit der privaten Westbahn über den Kauf von 17 neuwertigen Doppelstockzügen bekannt geben. Zum Kaufpreis machte die Bahn keine Angaben. Die Pläne für den Kauf waren bereits im Frühjahr bekannt geworden. Damals verlautete aus Aufsichtsratskreisen eine Investitionssumme von rund 300 Millionen Euro.

„Mit dem Kauf der Züge von der Westbahn erweitern wir das Platzangebot für unsere Kunden um fast 7000 Sitzplätze“, sagte Personenverkehrs-Vorstand Berthold Huber. Die Züge vom Schweizer Hersteller Stadler Rail seien größtenteils erst zwei Jahre alt und hätten bei den Kunden der Westbahn höchste Zufriedenheitswerte erreicht. Konkret geht es um neun Züge, die aus vier Wagen bestehen und über rund 300 Sitzplätze verfügen, sowie weitere acht Sechsteiler mit bis zu 500 Sitzplätzen. Aktuell fahren die Züge noch zwischen Wien, Linz und Salzburg. Aufgrund von wirtschaftlichen Problemen sah sich die privat finanzierte Westbahn zum Verkauf eines Teils ihrer Flotte genötigt.

Mit den zusätzlichen Zügen will die Bahn einen weiteren Schritt machen, um ihre in die Jahre gekommene Intercity-Wagenflotte zu modernisieren. Fahrgäste aus Berlin und Brandenburg können davon als erste profitieren. Sollen doch die Triebwagenzüge zuerst auf der Strecke Dresden–Berlin–Oranienburg–Rostock zum Einsatz kommen.

Zweistundentakt auf der Strecke soll es ab Frühjahr geben

Die neue IC-Verbindung war bereits vor einiger Zeit angekündigt worden, zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember soll sie nun endlich starten. Zunächst aber noch mit IC-Zügen der ersten Generation. Laut einem Bahnsprecher sind anfangs fünf Zugpaare am Tag geplant, die genauen Fahrzeiten will das Unternehmen erst Mitte Oktober veröffentlichen. Den angekündigten Zweistundentakt auf der Strecke soll es ab Frühjahr geben, wenn die Triebwagenzüge auch zur Verfügung stehen.

Zwar sollen die neun Vierteiler bereits im Dezember von Österreich nach Deutschland überführt werden, doch sind laut Bahn noch einige Umbauten und Anpassungen an die DB-Standards notwendig. So soll im Oberdeck mehr Platz für Gepäck geschaffen werden, zudem werden die Rad-Abstellplätze vom Eingangsbereich der Wagen in das Mehrzweckabteil verlegt. Pro Zug soll es acht Plätze für Fahrräder geben, deren Mitnahme aber zuvor kostenpflichtig angemeldet werden muss. Wo der Umbau und auch die Neulackierung der Züge in DB-Farben erfolgt, sei noch nicht entschieden, so der Bahnsprecher.

Regionalexpress-Linien waren Ansturm kaum gewachsen

Ab Frühjahr sollen die aufgehübschten Züge dann auf der IC-Strecke Dresden–Berlin–Rostock rollen und von 5 bis 22 Uhr einen Zweistundentakt sichern. Vor allem in Richtung Ostsee stellt dies eine echte Angebotsverbesserung dar. Hatte sich doch die Bahn mit Ausnahme einzelner ICE-Verbindungen an Wochenenden und Feiertagen dort fast komplett aus dem Fernverkehr zurückgezogen. Das Manko mussten die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit den von ihnen finanzierten Regionalexpress-Linien ausgleichen. Allerdings: Die Züge auf den RE-Linien 3 (nach Stralsund) und 5 (nach Rostock) sind dem Reisenden-Ansturm insbesondere in der Ferienzeit kaum gewachsen und zudem nicht für die Mitnahmen von viel Gepäck ausgelegt.

Die neue IC-Verbindung ergänzt das bestehende Angebot. Sowohl in Richtung Ostsee als auch nach Dresden (in Ergänzung der bestehenden Eurocity-Verbindung nach Prag und Budapest) fahren dann laut Bahn ab Frühjahr 2020 die Züge jeweils im Stundentakt. Die acht fehlenden Westbahn-Sechsteiler sollen Ende 2020 nach Deutschland kommen. Wo sie eingesetzt werden, ist noch offen.