Sicherheit

Terrorabwehr: Wie der Breitscheidplatz umgebaut wird

Ein Berlin-Schriftzug aus Stahl soll dort stehen, wo der Attentäter mit einem Lkw über den Platz fuhr.

Die neuen Sperren sollen wesentlich dezenter wirken als die jetzigen (Archivbild).

Die neuen Sperren sollen wesentlich dezenter wirken als die jetzigen (Archivbild).

Foto: Reto Klar

Berlin. Der Breitscheidplatz soll terrorsicherer werden. Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat am Mittwoch Eckpunkte des Konzeptes vor Bezirkspolitikern und Geschäftstreibenden vorgestellt. Künftig soll unter anderem ein großer Berlin-Schriftzug aus Stahlbuchstaben den Platz vor Terrorattacken schützen. Um die bisherigen, massiven Absperrungen des Platzes hatte es zuletzt Streit gegeben. Martin Germer, Pfarrer der Gedächtniskirche, hatte in einem Brandbrief an diverse Behörden in der vergangenen Woche gefordert, endlich eine Lösung zu schaffen.

Das nun vorgestellte Konzept besteht aus vier Kernpunkten, die zum Teil noch vor dem nächsten Weihnachtsmarkt umgesetzt werden sollen. Wichtigster Punkt: Dort, wo der Attentäter im Dezember 2016 den Lastwagen auf den Breitscheidplatz lenkte, wird in großen Stahlbuchstaben „Berlin“ stehen. Die zwei Meter hohen Buchstaben stehen auf etwa einen Meter hohen Betonsockeln. Sie sollen eine ähnliche Attacke wie im Dezember 2016 verhindern.

Poller an Budapester Straße und Tauentzien sollen Schutz bieten

An der Budapester und Tauentzienstraße wird es ober- und unterirdisch miteinander verbundene Poller geben, die zusätzlichen Schutz bieten. An den Fußgängerzugängen werden zusätzlich einzelne Poller aufgestellt. Die Zufahrt über die Rankestraße auf den Breitscheidplatz soll geschlossen werden. An den Seiten soll lediglich Platz für Feuerwehrüberfahrten gelassen werden. Außerdem wird der Mittelstreifen auf der Budapester Straße und Tauentzien auf mindestens 50 Zentimeter erhöht.

Andreas Geisel (SPD) stellte das Konzept den Anrainern persönlich vor. Danach sagte er der Berliner Morgenpost: „Ich glaube, dass wir für den Breitscheidplatz jetzt die richtige Lösung gefunden haben. Die dauerhafte Sicherung wird dezenter sein und sich besser an den Breitscheidplatz anpassen als es die temporären Maßnahmen bislang taten.“ Die Innenverwaltung habe sich nach dem Anschlag mit vielen Experten ausgetauscht und weltweit verschiedene Sicherungsmaßnahmen angeschaut. „Überall stellt sich die gleiche Frage: Wie sichern wir öffentliche Plätze, ohne dass die Sicherheitsmaßnahmen selbst Angst erzeugen?“

Derzeitige Barrieren am Breitscheidplatz verschrecken viele Touristen

Mit den Maßnahmen sind die Anrainer zufrieden. Neben dem Pfarrer der Gedächtniskirche hatten sich auch die Betreiber der umliegenden Hotels kritisch zu den aktuellen Absperrungen geäußert. Touristen und auch Veranstalter von Tagungen hätten daraus geschlossen, dass dort eine aktuelle Bedrohung herrsche, sagte etwa Michael Frenzel, General Manager des Hotel Palace Berlin. Martin Germer beklagte, die Gedächtniskirche, eigentlich ein Touristenmagnet, habe in diesem Jahr 20 Prozent weniger Besucher als zwei Jahre zuvor. Zudem gebe es ein massives Müllproblem, weil alle Papierkörbe abgebaut wurden.

In den nächsten Wochen soll mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Zuerst sollen die Mittelstreifen auf der Budapester Straße erhöht werden. Das soll laut Innenverwaltung noch vor dem nächsten Weihnachtsmarkt passieren, der dann letztmalig mit den aktuellen Barrieren gesichert wird. Die restlichen Umbauten sollen im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden. Zu den Kosten wollte sich die Innenverwaltung noch nicht äußern.

Barrieren am Breitscheidplatz sollen wirken wie ein Zaun

„Wenn es kommt wie angekündigt, werden die neuen Barrieren nur noch wirken wie ein Zaun“, sagte Martin Germer. Auch Hotelier Frenzel lobte die Lösung, für die nun auch die Anrainer angehört worden seien. Er setzt auf den geplanten Berlin-Schriftzug. „Er wird Touristen nicht verschrecken, sondern anziehen.“ Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, sagte: „Ich bin froh, dass es in dieser Angelegenheit nun ein Miteinander gibt.“ Ihm sei wichtig, „dass beim Bau der stationären Sicherungsmaßnahmen so viel Sicherheit wie nötig zum Tragen kommen soll und so wenig Einschränkungen wie möglich“.

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