CSD in Berlin

Das ist die Route des Christopher Street Day in Berlin

Zwischen einer halben und einer Million Teilnehmer werden am Sonnabend zur Christopher Street Day-Parade durch die Hauptstadt erwartet.

Mit ihrem "Cologne Pride" fordern die Teilnehmer Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz für jede sexuelle Orientierung. Und das möglichst bunt und fröhlich.

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Berlin. An unzähligen öffentlichen Gebäuden, Firmenzentralen und Geschäften Berlins sind sie in diesen Tagen kaum zu übersehen. Regenbogenflaggen bestimmen derzeit das Bild der Stadt. Sie wurden anlässlich der sogenannten „Pride Week“ gehisst.

Vom 19. bis zum 28 Juli soll mit Festen und Aktionen auf die Belange von Homo-, Bi- und Transsexuellen aufmerksam gemacht werden. Den Höhepunkt der „Pride Week“ bildet auch in diesem Jahr die große Parade zum Christopher Street Day (CSD). Dazu werden am Sonnabend, den 27. Juli, mehrere Hunderttausend Teilnehmer erwartet. Die Demonstration für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und anderer queerer Menschen (LSBTTIQ*) findet in Berlin bereits zum 41. Mal statt.

Den Liveblog zum Christopher Street Day in Berlin lesen Sie hier

Christopher Street Day (CSD) in Berlin: Parade mit leicht geänderter Route

Los geht es um 12 Uhr in der City West an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße. Nach einer Eröffnung mit mehreren Rednern setzt sich der Demonstrationszug um 12:30 Uhr von dort in östliche Richtung in Bewegung. Die Länge der Route beträgt rund 6,5 Kilometer. Aufgrund der andauernden Bauarbeiten wird der Demozug in diesem Jahr allerdings nicht den Wittenbergplatz passieren. Stattdessen geht es von der Tauentzien- über Nürnberger-, Lietzenburger- und Kleiststraße zum Nollendorfplatz. Von dort schlägt der CSD wieder die gewohnte Strecke über Lützowplatz, Großen Stern und die Straße des 17. Juni ein.

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Ziel ist das „Pride Village“ am Brandenburger Tor, wo auch die Abschlusskundgebung stattfinden soll. Dort erwartet Besucher ab 14 Uhr eine Mischung aus Unterhaltung und Politik, Informations- und Gastronomie-Ständen. Auf der Hauptbühne treten unter anderem Künstler wie der Hamburger DJ Felix Jaehn, das Ex-Spice-Girl Melanie C., die Berliner Band MIA und Marianne Rosenberg auf. Daneben soll es Redebeiträge geben und die „Soul auf Stonewall Awards“ verliehen werden. Autofahrer sollten diese Gegenden möglichst weiträumig umfahren oder auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

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Christopher-Street-Day in Berlin - das ist die Route:

  • Kurfürstendamm (Ecke Joachimsthaler Straße) über Tauentzienstraße
  • Nürnberger Straße
  • Lietzenburger Straße
  • Martin-Luther-Straße
  • Kleiststraße
  • Nollendorfplatz
  • Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße
  • Klingelhöferstraße
  • Hofjägerallee
  • Großer Stern zur Straße des 17. Juni.

Christopher-Street-Day in Berlin - Wann Straßen gesperrt sind:

  • Freitag, 26.07., 6 Uhr, bis Sonntag, 28.07., 9 Uhr: Ebertstraße: beidseitig Sperrung zwischen Dorotheenstraße und Behrenstraße
  • Freitag, 26.07., 6 Uhr, bis Sonntag, 28.07., 9 Uhr: Straße des 17. Juni: Sperrung zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Platz des 18. März
  • Sonnabend, 27.07., 6 Uhr bis 28.07., 9 Uhr: Straße des 17. Juni: Sperrung zwischen Großer Stern und Yitzhak-Rabin-Straße
  • Sonnabend, 27.07., 6 Uhr, bis 28.07., 9 Uhr: Yitzhak-Rabin-Straße: Sperrung zwischen Scheidemannstraße und Straße des 17. Juni
  • Sonnabend, 27.07., 10 Uhr bis ca. 14.30 Uhr: Kurfürstendamm: beidseitig Sperrung zwischen Joachimsthaler Straße und Uhlandstraße
  • Sonnabend, 27.07., 13 Uhr bis 19 Uhr: Sperrung Großer Stern: zwischen Straße des 17. Juni und Spreeweg
  • Sonnabend, 27.07., 13 Uhr bis 19 Uhr: Sperrung John-Foster-Dulles-Allee: zwischen Spreeweg und Yitzhak-Rabin-Straße
  • Sonnabend, 27.07., 13.30 Uhr bis 19 Uhr: Komplett-Sperrung Großer Stern (mit Erreichen des Aufzuges ab ca. 13.30 Uhr bis Schluss des Aufzuges ca. 19 Uhr)

CSD-Veranstalter wollen lautes und sichtbares Zeichen setzen

„Unser Anliegen ist es, ein lautes und sichtbares Zeichen in die Stadt zu tragen“, sagt David Staeglich-Büge aus dem Vorstand des Organisationsvereins „Berliner CSD“. Zwar sei die Akzeptanz in der Gesellschaft mittlerweile gestiegen. Aber noch immer könnten Menschen nicht an jedem Arbeitsplatz offen schwul, lesbisch oder trans sein. Der Begriff „schwul“ sei nach wie vor eines der meistverwendeten Schimpfworte an deutschen Schulhöfen, die Selbstmordrate unter nicht heterosexuellen Jugendlichen sei höher und gleichgeschlechtliche Eltern würden nach wie vor schräg angeschaut. „Solang das so ist, müssen wir auf die Straße gehen.“

Konkret fordert der CSD in diesem Jahr unter anderem ein professionelles Diversity-Management in der Berliner Verwaltung und den kommunalen Unternehmen, Bleiberecht für alle bedrohten homo- und transsexuellen Flüchtlinge, ein Ende der Stigmatisierung von HIV-Infizierten und mehr Aktivität gegen die erstarkende Bedrohung von Rechts. „Einmal erkämpfte Freiheiten bleiben ja nicht selbstverständlich bestehen“, so Staeglich-Büge weiter. Es gelte, dafür zu kämpfen, um sie zu erhalten.

Stonewall-Proteste haben sich 2019 zum 50. Mal gejährt

Der CSD erinnert an die Willkür und die Gewalt, mit der die New Yorker Polizei am 27. Juni 1969 in der Christopher Street im Stadtteil Greenwich gegen Homosexuelle vorging. Unrühmlicher Höhepunkt der Geschehnisse, die sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährten, war eine brutale Razzia in der legendären Schwulenbar „Stonewall Inn“. Im Nachgang kam es zu einer spontanen Demonstration von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen die Polizeischikanen. Straßensperren wurden errichtet und Polizeibeamte unter lautstarken „Gay Power“-Rufen mit Steinen und Gegenständen beworfen. New Yorks aktueller Polizeipräsident James O’Neill hat sich erst in diesem Jahr für die Polizeigewalt entschuldigt.

Die Vorgänge gelten heute als Beginn der weltweiten Emanzipationsbewegung von Schwulen und Lesben. Im Folgejahr fanden die Proteste auch in anderen US-amerikanischen Städten statt. Unter dem Motto „Gay Pride“ gingen erstmals 1979 rund 450 Demonstranten in West-Berlin auf die Straße. Im vergangenen Jahr zählten die Veranstalter 600.000 Teilnehmer und rechnen für dieses Jahr mit einer halben bis einer Million. Unter dem Motto „Stonewall 50 – Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme“ widmet sich der CSD in diesem Jahr den Aktivisten und Aktivistinnen in der Geschichte der LSBTTIQ*-Gemeinschaft wie Audre Lorde, Benda Howard oder Karl-Heinrich Ulrichs.

Neben dem CSD gibt es auch mehrere Konkurrenzveranstaltungen. Seit Jahren steht die Parade in der Kritik, zu männerdominiert zu sein. Daher zieht am Vorabend des Umzugs der Dyke March für mehr lesbische Sichtbarkeit und Lebensfreude durch Friedrichshain und Kreuzberg. Zeitgleich zur großen CSD-Parade findet mit dem Radical Queer March ein Protest statt, der sich als antikommerzielle Alternative sieht.

CSD will Kommerzialisierungsvorwurf nicht gelten lassen

„Grundsätzlich finden wir es gut, wenn Menschen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Respekt auf die Straße gehen“, sagt CSD-Vorstand Staeglich-Büge. Natürlich würde man sich mehr freuen, wenn die Kräfte gebündelt würden. Schließlich kämpfe man für die gleiche Sache. Den Vorwurf der Kommerzialisierung will Staeglich-Büge allerdings nicht gelten lassen. Dass auch die Regenbogen- oder Diversity-Gruppen von Unternehmen mitlaufen dürfen, sei grundsätzlich gut wenn es darum gehe, etwas zu bewegen. „Denn ob man möchte oder nicht, auch Unternehmen haben Einfluss auf die Gesellschaft.“ Sponsoren seien außerdem zur Finanzierung notwendig. Die Kosten etwa für Bühne, Technik, Absperrungen entlang des Tiergartens und Toiletten beziffert Staeglich-Büge auf 300.000 Euro.

Bunt und ausgelassen: Der CSD in Berlin