Brandanschläge

Polizei geht mit "Nachtwache" gegen Auto-Brandstifter vor

Weil die Serie der Brandanschläge auf Autos nicht abreißt, hat die Polizei nun  eigens eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

15. Juli: Ausgebrannte Autos stehen am 15. Juli an der Guerickestraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Am frühen Morgen gingen dort insgesamt fünf Fahrzeuge in Flammen auf. Die Feuerwehr konnte ein Ausbrennen der Wagen nicht verhindern.

15. Juli: Ausgebrannte Autos stehen am 15. Juli an der Guerickestraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Am frühen Morgen gingen dort insgesamt fünf Fahrzeuge in Flammen auf. Die Feuerwehr konnte ein Ausbrennen der Wagen nicht verhindern.

Berlin. Bei Brandanschlägen in Berlin sind in diesem Jahr bislang 292 Fahrzeuge angezündet oder beschädigt worden. Zuvor hatte die Polizei am 16. Juli Bilanz gezogen. Sie sprach auf dpa-Anfrage von 279 Fahrzeugen. In den vergangenen Tagen kamen jedoch weitere Fälle hinzu.

Weil die Serie der Brandanschläge auf Autos nicht abreißt, hat die Polizei nun eigens die Ermittlungsgruppe „Nachtwache“ eingerichtet. Fünf Beamte des Landeskriminalamtes sollen verstärkt diese Taten aufklären, wie ein Sprecher der Polizei am Dienstag sagte. Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ berichtet. Polizeistreifen sollten zudem Orte verstärkt im Blick haben, an denen Brandstiftungen vermutet werden, sagte der Sprecher.

164 Fahrzeuge im ersten Halbjahr direkt angegriffen

Die Zahl der Fälle sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, sagte die Polizei der dpa. Damals waren 227 Autos direkt in Brand gesetzt oder durch Flammen beschädigt worden. Direkt angegriffen wurden im ersten Halbjahr 2019 demnach 164 Fahrzeuge. Zudem wurden laut Angaben 115 Autos durch übergreifende Flammen und Hitze in Mitleidenschaft gezogen.

Brandstifter hatten in der Nacht zu Montag - also nach der Bilanz vom 16. Juli - mehrere Autos in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Neukölln angezündet. An der Durlacher Straße in Wilmersdorf beobachteten Zeugen kurz vor Mitternacht zwei Männer, wie sich diese mit einem Benzinkanister an einem offenen Mercedes zu schaffen machten. Kurz darauf brannte der Pkw.

Brandstifter zünden Mercedes in Wilmersdorf an und flüchten unerkannt

Die beiden Männer flüchteten unerkannt in Richtung Prinzregentenstraße. Der Mercedes wurde laut Polizei erheblich beschädigt, die davor und dahinter parkenden Fahrzeuge wurden an den Stoßstangen beschädigt. Ebenfalls vor Mitternacht wurde eine Zeugin in Britz auf eine ausgelöste Alarmanlage an der Parchimer Allee aufmerksam. Nur wenig später stand der betreffende Pkw, ein Saab, in Flammen. Die Frau alarmierte die Feuerwehr. Der Wagen brannte jedoch vollständig aus.

In den vergangenen Nächten bis zur Sonntagnacht hatten insgesamt neun Fahrzeuge gebrannt oder wurden durch Flammen beschädigt. So brannten etwa in der Nacht zu vergangenem Freitag drei Fahrzeuge auf einem Hof an der Bundesallee. Damit steigt die Zahl der in diesem Jahr angezündeten oder durch Feuer beschädigten Fahrzeuge auf bislang 292.

Brennende Autos - Bei einem Teil vermutet Polizei politische Motive

Bei einem Teil der Anschläge geht die Polizei von politischen Motiven aus. Die Täter werden im linksextremistischen Spektrum vermutet. So seien bisher 19 Firmenfahrzeuge und 12 Privatwagen direkt betroffen gewesen. 28 weitere Fahrzeuge seien beschädigt worden.

Im Januar hatte der Anschlag auf Dienstfahrzeuge des Ordnungsamtes Neukölln Empörung ausgelöst. Unbekannte hatten neun Autos und Transporter in Brand gesteckt. Auch die frühere Bezirksbürgermeisterin und jetzige Bundesfamilienministerin, Franziska Giffey (SPD), hatte sich fassungslos gezeigt. Betroffen waren auch Kleinlaster oder Transporter von Firmen. Ende Januar war zudem das Auto eines AfD-Politikers angezündet worden. Ein Tatverdächtiger wurde gefasst.

Häufig reiner Vandalismus, Pyromanie, Betrug oder Rache

Bei den meisten Brandstiftungen gehen die Ermittler von anderen Hintergründen aus. Angenommen werden nach Auskunft der Polizei auch reiner Vandalismus, pyromanische Tendenzen, gezielte Racheaktionen im privaten Umfeld, Versicherungsbetrug und sogenannte Verdeckungsbrände. In einem solchen Fall soll mit einem Feuer eine andere Straftat verdeckt werden. Bei den Taten ohne politisches Motiv seien 24 Tatverdächtige ermittelt worden, hieß es.

Im gesamten Jahr 2018 registrierte die Polizei brennende 446 Fahrzeuge. Davon waren 273 direkt in Brand gesetzt worden.

2011 wurden noch 537 Fahrzeuge direkt angezündet

Zur weiteren Entwicklung im zweiten Halbjahr gab die Polizei keine Prognose ab. Seit Jahren gehen immer wieder Autos in Flammen auf, Täter sind nur schwer zu fassen. 2011 wurden noch 537 Fahrzeuge direkt angezündet. Die Polizei fahndete damals mit großem Aufwand und der Sonderkommission "Feuerschein" nach Brandstiftern. So wurde auch ein Mann gefasst, auf dessen Konto mehr als 100 Taten gingen. In den Folgejahren ging die Zahl der Brandstiftungen zurück, die Soko wurde aufgelöst. mit dpa