Gesundheitsversorgung

Patienten sollen schon am Telefon richtig beraten werden

Mit Arztpraxen neben den Rettungsstellen sollten Kliniken entlastet werden. das hat nicht geklappt. Nun wird nach neuen Wegen gesucht.

Patienten in der Rettungsstelle im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn.

Patienten in der Rettungsstelle im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hannibal Hanschke / picture alliance / dpa

Berlin. - Der erste Anlauf ist gescheitert. Der Plan, Berlins Rettungsstellen mit so genannten „Portalpraxen“ niedergelassener Ärzte zu entlasten, ging nicht auf. Einfach neben den Notaufnahmen der Krankenhäuser reguläre Arztpraxen zu setzen, hat das Problem nicht gelöst. Immer noch kommen viele Patienten in die Notaufnahmen der Kliniken, die dort eigentlich nicht hingehören.

Praxen neben den Rettungsstellen sind ein „Flop“

Einen „Flop“ nannte Gesundheitssenatorin Dilek Karayci das zuvor lange diskutierte System kürzlich im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Nach Einschätzung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung haben die 2017 eingerichteten 11 Notdienstpraxen in der Praxis ihre Funktion nicht erfüllt, weil die Notdienstpraxen nicht mit Vertragsärztinnen und -ärzten durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) besetzt wurden“, hieß es etwas weniger flapsig aus ihrer Behörde. Kalayci bemängelt schon länger, dass sich die niedergelassenen Ärzte seit Jahren aus der Notfallversorgung zurückgezogen hätten. Krankenhaus-Vertreter beklagten, ihre eigenen Ärzte hätten die „Portalpraxen“ besetzen müssen, was personell für die Kliniken keine Vorteile ergeben habe.

Ping-Pong zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten

Das Problem überlasteter Rettungsstellen besteht also fort in Berlin. Lange Zeit gab es ein Ping-Pong-Spiel zwischen Krankenhäusern und den in der KV organisierten niedergelassenen Ärzten. Denn einerseits beharrte die KV auf ihrem Vorrecht bei der ambulanten Versorgung von Patienten. Andererseits klagten die Kliniken, dass nachts, an Wochenenden und Feiertagen die Ärzte eben nicht zur Verfügung stünden und auch deshalb viele Menschen ohne akute Notlage die Rettungsstellen aufsuchten. Immerhin ist man jetzt seit einiger Zeit wieder dabei, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Von den 60 Berliner Krankenhäusern sind 40 in das System der Notfallhilfe eingebunden, bieten also eine Rettungsstelle an. Mehr als 1,2 Millionen Patienten werden jedes Jahr dort versorgt. Mediziner und andere Experten gehen davon aus, dass jeder dritte davon nicht so krank ist, dass er in eine Notaufnahme gehen müsste.

Nur 37 Euro pro Fall in der Rettungsstelle

Für die Kliniken ist nicht nur die Überfüllung mit langen Wartezeiten ein Problem, sondern auch die Vergütung. 37 Euro erhalten sie pro Fall in den Notaufnahmen im Durchschnitt. Dem stehen Kosten von 90 Euro für das teure Personal und die Geräte gegenüber. Die Rettungsstellen sind einer der wesentlichen Verlustbringer in Berlins Kliniken.

Bisher gibt es in Berlin für Erwachsene zwei Notarztpraxen, die von der KV abends und an Wochenenden mit Ärzten besetzt werden: Im Jüdischen Krankenhaus in Mitte und im Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn. Für Kinder gibt es vier solcher Praxen in der Charité auf dem Virchow-Campus in Wedding, im Sana Klinikum Lichtenberg, in den DRK-Kliniken Westend in Charlottenburg und im St. Joseph-Krankenhaus Tempelhof.

Zentrale Rufnummer 116117

Zwar wird noch weiter darüber nachgedacht, durch mit niedergelassenen Medizinern Arztpraxen neben den Rettungsstellen die Kliniken zu entlasten. Aber auch eine insgesamt bessere Beratung über die verschiedenen Angebote soll helfen. So soll der reguläre ärztliche Bereitschaftsdienst, der außerhalb der normalen Praxis-Öffnungszeiten hilft, besser aufgestellt werden. Und die Patienten sollen auch schon am Telefon so informiert werden, dass sie sich den Weg in die Rettungsstelle sparen. Schon heute sitzt ein Mediziner mit in der Telefonzentrale, wo unter der bundesweit einheitlichen Service-Nummer 116117 Patienten außerhalb der Praxiszeiten Rat finden können. Allein dessen Intervention habe dazu geführt, dass von 13.000 Anrufern über einen bestimmten Zeitraum 2000 darauf verzichtet hätten, den Notarzt zu rufen oder gleich eine Rettungsstelle aufzusuchen, erfuhren die Abgeordneten im Gesundheitsausschuss.

Ab 2020 rund um die Uhr erreichbar

In dieser Richtung wird weiter gearbeitet. Seit vergangener Woche sind unter der Nummer 116117 der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst und die Terminservicestelle vereint. „Mit dieser Zusammenlegung möchten wir den Weg zu uns so einfach wie möglich gestalten. Patienten rufen unter der 116117 an, wenn sie dringend ärztliche Hilfe benötigen oder wir bei der Suche nach einem Termin bei einem Arzt oder Psychotherapeuten unterstützen können“, sagt Burkhard Ruppert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Berlin. Man arbeite noch an der gesetzlich vorgeschriebenen Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit der Terminstelle. Anfang 2020 sollte es so weit sein.