Interview zu Darmkrebs

Jimmy Hartwig: „Jungs, geht zur Vorsorge“

Ex- Fußballprofi Jimmy Hartwig ist als AOK-Botschafter beim Motzstraßenfest und spricht über seine Erfahrungen mit dem Krebs.

Jimmy Hartwig zeigt in dem begehbaren Darmmodell, wie es im Inneren aussieht, wenn man Krebs hat.

Jimmy Hartwig zeigt in dem begehbaren Darmmodell, wie es im Inneren aussieht, wenn man Krebs hat.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE / FUNKE Foto Service

Jimmy Hartwig ist ein lustiger Kerl. Und ein direkter. So haben vermutlich auch noch viele Fußball-Anhänger den Mann in Erinnerung, der es bis in die Nationalmannschaft geschafft hat. Doch mit 34 Jahren endete seine Karriere. Klar, in dem Alter steht kaum noch ein Profi auf dem Platz. Aber es war eher der Krebs, der für ihn diese Entscheidung getroffen hat. Eine harte Zeit, wie er sagt, doch seinen Humor hat er dabei nie verloren. Heute hilft ihm dieser, als AOK-Gesundheitsbotschafter gerade Männer von einer Darmspiegelung zu überzeugen. So wie auf dem Motzstraßenfest, bei dem er mit den Besuchern durch Europas größtes Darmmodell geht.

Warum ist die Vorsorge bei Darmkrebs so wichtig?

Die Vorsorge kann viel Leid ersparen. Darmkrebs ist zu mehr als 90 Prozent heilbar, wenn man ihn früh erkennt. Daher sage ich allen: Geht zur Vorsorge.

Männer gelten ja als Gesundheitsmuffel: Inwieweit hilft Ihre Art, gerade die zu überzeugen, die Hose runterzulassen?

Ich halte viele Vorträge mit Ärzten und Professoren über diese Problematik der Vorsorge Darmkrebs, Hodenkrebs, Prostatakrebs. Und wenn ich dann ins Publikum schaue, dann schlafen die immer fast ein, weil es immer so fachmännisch ist. Ich mache das anders. Ich sage denen: Passt auf, Jungs, über was unterhalten wir uns denn am Tresen, wenn keine Frauen dabei sind? Natürlich über unser bestes Stück. Aber wisst ihr, ob das wirklich zu einhundert Prozent in Ordnung ist? Dann kommt nur betretendes Schweigen. Dann appelliere ich immer: Geht zur Vorsorge, dann wisst ihr Bescheid. Ich weiß, wovon ich rede.

Sie hatten selbst Krebs. Wie haben Sie davon erfahren?

Das Problem ist, dass die meisten Männer nie zum Arzt gehen. Nach dem Motto: Mir tut nix weh, also habe ich auch nix. Das ist ein Irrglaube. Bei mir wurde erst Prostatakrebs entdeckt, dann waren die Hoden betroffen und schließlich wurde eine Metastase hinten im Hirn übersehen. Das war nicht schön. Ein Gutes hat es: Seitdem weiß ich jetzt, dass ich ein Hirn habe. Viele haben immer gesagt: „Der Hartwig ist blöd“, jetzt kann ich sagen: das stimmt nicht (lacht).

Wie kamen Sie zu der Funktion als Botschafter?

Ich habe mir nach meiner Krankheit immer geschworen, bis an mein Lebensende meine Energie in Aufklärung und Vorsorge zu stecken. Die AOK ist auf mich zugekommen und wollte mit mir eine Kampagne machen. Ich habe aber direkt gesagt, dass ich das dann auf meine Art machen möchte. Mir ist es wichtig Kampagnen zu schalten, wo die Leute hinschauen und drüber sprechen, so wie die aktuelle ‘Hose runter’. Das trifft es einfach. Männer lassen gerne die Hosen runter, aber wenn es drauf ankommt, nicht. Nur wenn sie es nicht machen, wenn es wichtig ist - so wie bei der Gesundheit -, dann können sie diese vielleicht für immer anlassen. Ich rede einfach Klartext mit denen. Das wirkt.

Mal Klartext: Lassen Sie ihre Hose gerne runter oder ist es eine Qual?

Aber nein, ich lasse sie sehr gerne runter. Es ist schön, wenn der Arzt hinterher sagt, es ist alles ok. Und es tut auch gar nicht weh. Es dauert maximal 30 Minuten – mit allem. Außerdem bekommt man eine kleine Spritze und dämmert dahin. Ich war bei der Geburt meiner Kinder dabei und habe gesehen, wie meine Frau 23 Stunden in den Wehen lag – das ist schlimm. Ich sag dann immer: Jungs, ihr könnt euch gebückt hinstellen, aus dem Fenster schauen und an die Sonne denken.

Die Ärzte gehen mit einer Kamera in den Darm. Haben Sie selbst zugesehen?

Ja, ich war auch schon bei Operationen dabei. Das war sehr interessant, mal nicht zu schlafen, sondern das Ganze am Bildschirm zu verfolgen. Ich weiß jetzt, wie ich von innen aussehe. Nicht mehr ganz so wie in diesem Darmmodell, bei mir ist es jetzt eher glatt. Hier sieht man ja schön die Falten. Es ist auch ganz wichtig, dass der Arzt hinter diese Falten schaut, sonst wird es lebensgefährlich. Wenn, verbirgt sich dort meist etwas.

Wie wichtig ist es, gerade hier auf dem Stadtfest zu stehen? Auch mit so einem Modell.

Sehr wichtig. Hier sind viele Männer unterwegs, die ich direkt ansprechen kann. In einem lockeren Gespräch erkläre ich denen dann, wie wichtig die Vorsorge ist. Ungefähr so, wie bei meinen Vorträgen. Viele Homosexuelle wissen beispielsweise gar nicht, dass es Analkrebs gibt. Es ist wichtig, darüber aufzuklären.