Raumfahrt

Schlangestehen für Alexander Gerst im Zeiss-Planetarium

Zum 50. Jubiläum der Mondlandung war Astronaut Alexander Gerst zu Gast im Zeiss-Planetarium in Prenzlauer Berg.

Alexander Gerst war Stargast beim Mondfest im Zeiss-Planetarium

Alexander Gerst war Stargast beim Mondfest im Zeiss-Planetarium

Foto: Paul Zinken/spa

Berlin. Am 21. Juli 1969, um genau 3.56 Uhr MEZ, setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Boden des Mondes: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit“ – so beschrieb Astronaut Armstrong damals, vor genau 50 Jahren, die Mondlandung im Rahmen der Apollo-11-Mission.

Zum 50. Jahrestag feierte das Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee in Prenzlauer Berg am Sonnabend bis in die Nacht ein „Mondfest“. Mit dabei: hoher Besuch. Astronaut Alexander Gerst, auch als „Astro Alex“ bekannt, sprach über seine Reisen ins All und kommentierte die Live-Übertragung vom Start des Italieners Luca Parmitano mit dem russischen Sojus-Raumschiff MS-13 vom Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan zur Internationalen Raumstation (ISS).

Viele hoffen auf eine Karte für den Vortrag von Alexander Gerst

Schon vor dem Vortrag des Astronauten am späten Nachmittag tummelten sich die Besucher in der Hitze in dem kleinen Park vor dem Planetarium, der Andrang zwischen den Zelten war groß: Hunderte Meter lang war die Schlange vor dem Glücksrad, an dem die Karten für den Vortrag verlost wurden. Nur 307 Plätze hat der Raum unter der Kuppel des Planetariums. Durch die Verlosung versuche man, die wenigen Karten gerechter zu verteilen, so eine Mitarbeiterin des Planetariums.

Pünktlich um 17 Uhr, als Gerst, gekleidet in der blauen Uniform der ESA, unter lautem Applaus die hell erleuchtete Bühne betritt, sind alle Plätze unter der Kuppel besetzt. Gerst war bereits zweimal für mehrere Monate auf der ISS, insgesamt verbrachte er 326 Tage für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) auf der Raumstation, länger als jeder andere deutsche Astronaut. In den anderthalb Stunden seines Vortrags nimmt Gerst die Zuhörer mit auf eine Reise zur ISS.

Schritt für Schritt erklärt der Astronaut die Prozedur, die die Astronauten vor jedem Start durchleben, den Start und die Reise in der Rakete, den Alltag auf der ISS und den Rückflug zur Erde. Dabei legt der Deutsche besonderen Wert auf die Bedeutung der internationalen Kooperation in der Raumfahrt. Ohne diese könnte keine Nation ins All fliegen, man brauche einander. Das zeige sich auch in der Geschichte der ISS, die seit 2000 kontinuierlich besetzt sei. 150 Nationen und Zehntausende Menschen seien an der Verwirklichung der „komplexesten Maschine“ beteiligt gewesen. Das flöße ihm noch immer Respekt ein.

Gerst, der sich stark für den Klimaschutz engagiert, lenkt den Fokus auch auf die Zerstörung des Planeten. Mit eindrucksvollen Fotos, die er an Bord der ISS gemacht hat, zeigt er die starke Veränderung von Gletschern, die Folgen des vergangenen Dürresommers in Europa und die starke Abholzung des Regenwaldes. „Man sieht, wie sehr wir das Antlitz unserer Erde verändern“, stellt er fest und mahnt: „Irgendwann haben wir den Ast abgesägt, auf dem wir sitzen.“ Der Perspektivwechsel, der ihm durch die Raumfahrt möglich sei, habe ihn verstehen lassen, wie verletzlich die Erde sei. Er habe ihm auch gezeigt, in welch hohen Maße alles auf dem Planeten zusammenhänge. So sei es gut zu erkennen, wie der Sand aus der Sahara durch starke Winde bis zum Amazonas getragen werde und dort als Dünger diene.

Rund zehn Minuten vor dem Start der Sojus-Rakete im kasachischen Baikonur schaltet Gerst zum Livestream der NASA. Gerst kennt den Ablauf nur allzu gut. Erst im vergangenen Jahr folgte seine zweite Langzeitmission auf der ISS, die am 6. Juni begann und bis zum 20. Dezember andauerte. Dabei übernahm er als erster deutscher Astronaut für die Hälfte seines Aufenthalts das Kommando auf der ISS.

Nun steht er im Planetarium und erklärt, was die drei Astronauten in Baikonur gerade in diesem Moment erleben. Die Kamera im Innenraum der Rakete erlaubt den Blick in die Enge der kleinen Kabine und die erstaunlich entspannten Gesichter der drei Astronauten. Dann geht es los. Die Versorgungstürme klappen nacheinander weg, die Rakete steht frei, die Triebwerke zünden und ein Feuerball scheint die Rakete zu verschlucken. „Es gehört zum normalen Ablauf, dass die Triebwerke rund zehn Sekunden brennen, bis die Rakete sich bewegt“, erklärt Gerst. Oft seien Laien dadurch verunsichert. Dies sei sogar für die Sicherheit relevant. Wenige Sekunden später hat die Rakete die Wolkenschichten durchbrochen und befindet sich rund hundert Kilometer entfernt von der Erde. Alles ist glatt gelaufen. Am Sonntagmorgen gegen drei Uhr sollten die drei Astronauten die ISS erreicht haben, sagt Gerst mit einem Blick auf die Uhr.

Eineinhalb Stunden in der Hitze gewartet

Katja Gretka und ihr achtjähriger Sohn Vincent gehören zu den Glücklichen, die ein Ticket für den Vortrag von Alexander Gerst gewonnen haben. Die Familie ist aus Münchberg in Oberfranken angereist. Auch wenn sie oft Urlaub in Berlin machen, ging es ihnen dieses Mal darum, Gerst zu sehen. Eineinhalb Stunden hatten sie in der Hitze ausgeharrt, bevor sie ihr Ticket hatten. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, schwärmt Katja Gretka. „Alexander Gerst ist sehr sympathisch, er hat eine tolle Ausstrahlung. Ich finde es schön, wie er die Menschen inspiriert.“ Auch Vincent ist begeistert von „Astro Alex“, wie sich Gerst im Internet nennt. Astronaut möchte der Achtjährige aber nicht werden, sondern lieber Erfinder.

Gegen halb neun am Abend ist die Stimmung am Planetarium noch immer ausgelassen. Bis spät in die Nacht wird noch das „Mondfest“ gefeiert, während die drei Astronauten sich auf ihrem Weg zur ISS befinden. So wie vor 50 Jahren die Apollo-11-Mission auf ihrem Weg zum Mond.