Erinnerungen

Rekruten-Gelöbnis und mahnende Worte zum 20. Juli

Bezüge zur politischen Situation und Appelle Haltung zu zeigen, zogen sich durch viele Reden zum 75. Jahrestag des Hitler-Attentats.

Die neue Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel grüßen Soldaten  im Bendlerblock

Die neue Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel grüßen Soldaten im Bendlerblock

Foto: Michael Kappeler / dpa

Rund um den Berliner Sitz des Verteidigungsministeriums in Tiergarten waren die Straßen weiträumig abgeriegelt. Aber von Protesten gegen das feierliche Gelöbnis von 400 Bundeswehrrekruten auf dem Paradeplatz an der Stauffenbergstraße war nichts zu sehen. Am 75. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler waren alle Augen auf die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gerichtet.

AKK zu Soldaten: „Sie können sich auf mich verlassen“

Die neue Oberkommandierende sicherte den Soldaten bei dem Festakt zu Ehren der Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime vollen Einsatz für deren Belange zu. „Mit Ihrem heutigen Gelöbnis stärken Sie die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie“, sagte die Ministerin, die in dieser Woche überraschend das Amt von der zur EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übernommen hatte. Sie wisse, Deutschland könne sich auf die Soldaten verlassen. „Und ich sage Ihnen: Sie können sich auf mich verlassen!“ Kramp-Karrenbauer erinnerte an die Offiziere um Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Die Männer seien Vorbilder. Sie hätten aufbegehrt gegen Unrecht, Barbarei und Menschenverachtung.

Merkel: „Lehren aus der Geschichte ziehen“

An dem Festakt nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. „Wir müssen das Gedenken pflegen und die Erinnerung weitertragen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Lehren aus der Geschichte nicht verblassen“, sagte sie den Rekruten und ihren Angehörigen.

Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Stauffenberg versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten und den Krieg zu beenden. Das Attentat misslang. Stauffenberg und drei Mitverschwörer wurden noch am Abend des Attentats im Innenhof des Bendlerblocks erschossen. In den folgenden Wochen und Monaten richteten die Nazis 89 weitere Beteiligte und Unterstützer hin.

Müller: „Wir müssen das Gedenken verteidigen“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hielt ein Grußwort bei der auf das Gelöbnis folgenden Gedenkfeier im Innenhof des Bendlerblocks. Zum 75. Jahrestag hatte Müller an seinen Amtsvorgänger Ernst Reuter erinnert, der das Gedenken zum 20. Juli 1952, zum 8. Jahrestag des Attentats, eingeführt habe. Das sei damals auf Widerspruch gestoßen, denn die Männer und Frauen und auch die Familien des 20. Juli seien in der Nachkriegszeit noch lange von vielen geschmäht worden, sagte Müller: „Auch heutzutage müssen wir dieses Gedenken wieder verteidigen.“ In verlogener Verdrehung der Tatsachen beriefen sich Rechtspopulisten und Rechtsextreme auf den Widerstand des 20. Juli, weil sie sich als Widerstandskämpfer gegen einen angeblich unfreien Staat darstellen wollten.

Bischof Koch: „Ablehnung anderer Kulturen und Religionen wird wieder hoffähig“

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch würdigte im Sender RBB den Theologen und NS-Widerständler Bernhard Lichtenberg (1875-1943). „Der Dompropst der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale trat öffentlich für die Verfolgten ein“, betonte Koch. Lichtenberg habe die Lehre der Kirche auch in der Politik vertreten und sei deshalb von den Nazis unter Druck gesetzt, verhört und misshandelt worden. „Nach den staatlich gelenkten öffentlichen Ausschreitungen gegen Juden und Christen jüdischer Abstammung betete Lichtenberg jeden Sonntag öffentlich für die Verfolgten, gleich welchen Glaubens“, sagte Koch: „Auch für ihn endete sein Widerstand mit dem Tod.“ Lichtenberg kam ins Gefängnis und starb.

„Es ist wichtig, Gesicht zu zeigen gegen Ungerechtigkeit und Intoleranz“, sagte Koch. Die Ablehnung anderer Kulturen, Religionen und Denkweisen werde wieder hoffähig. Zudem nähmen die Verrohung der Sprache und Gewalt zu. „Wir dürfen nicht wegschauen“, mahnte der Erzbischof.

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