Medizin

Siamesische Zwillinge in der Berliner Charité geboren

Eine Frau ist in der Berliner Charité von Siamesischen Zwillingen entbunden worden. Der Kaiserschnitt sei gut verlaufen, heißt es.

Eine Palästinenserin hat im Gazastreifen siamesische Zwillinge zur Welt gebracht. Die beiden Mädchen seien an Bauch und Becken zusammengewachsen und müssten dringend außerhalb des Palästinense...

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Berlin. Am Donnerstag (18. Juli 2019) sind in der Berliner Charité siamesische Zwillinge zur Welt gekommen. Sie wurden per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Wie die Charité mitteilte, sei der Kaiserschnitt gut verlaufen. Aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht und des Persönlichkeitsschutzes werden aber derzeit aber keine weitergehenden Auskünfte an die Öffentlichkeit gegeben.

Siamesische Zwillinge sind eineiige Zwillinge, bei denen sich zu einem frühen Zeitpunkt die befruchtete Eizelle nicht komplett in zwei selbstständige Embryos geteilt hat. Die Kinder wachsen bereits während der Schwangerschaft zusammen.

Zuerst hatte der Ärztenachrichtendienst in Hamburg unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise über die Geburt berichtet. Demnach wurde die Mutter in der 34. Schwangerschaftswoche von zwei Jungen entbunden. Die Vorbereitungen auf den Kaiserschnitt sollen seit Tagen auf Hochtouren gelaufen sein.

Siamesische Zwillinge in Berlin: Jungen im Bauchbereich zusammengewachsen

Dass die Kinder zusammengewachsen sind, wurde laut Ärztenachrichtendienst erst in der 26. Schwangerschaftswoche per Ultraschall entdeckt. Die Mutter soll aus Regensburg stammen und auf Empfehlung von Ärzten in das Berliner Universitätsklinikum gegangen sein. Die Klinik gilt als das älteste pränatale Zentrum in Deutschland.

Über den medizinischen Zustand der beiden Jungen, die im Bauchbereich zusammengewachsen sein sollen, gibt es keine offiziellen Informationen. Der Ärztenachrichtendienst berichtet von Fehlbildungen an den Harnblasen, die offenbar chirurgisch korrigiert werden können. Ob, wann und wo die siamesischen Zwillinge operativ getrennt werden, ist indes nicht bekannt.

Nach Recherchen des Ärztenachrichtendienstes verfügt die Charité über Erfahrungen mit siamesischen Zwillingen, diese liegen aber offenbar länger zurück. 2005 gelangt einem Team von Kinderchirurgen und Frauenärzten die Trennung von siamesischen Frühchen. Einer der Jungen, die 3,5 Monate zu früh auf die Welt gekommen waren, starb kurz nach der Operation. Ursache waren schwere Missbildungen: Das Herz des Säuglings befand sich außerhalb des Brustkorbs.

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Operative Trennung von siamesischen Zwillingen nicht immer möglich

Siamesische Zwillinge sind sehr selten, berichtet der Ärztenachrichtendienst. Die Zahlen schwanken von eins zu 50.000 bis eins auf 200.000 Geburten. Am häufigsten sind Siamesische Zwillinge im Brustbereich zusammen gewachsen (70 Prozent), fünf Prozent an den Hüften und weniger als zwei Prozent am Kopf.

Eine operative Trennung ist möglich, wenn jedes Kind eigene überlebenswichtige Organe besitzt, Stoffwechsel und Blutzirkulation nicht zu sehr miteinander verwoben ist. In manchen Fällen teilen sich die Zwillinge Herz, Lunge oder Magen.

Sehr schwierig ist die Trennung am Kopf. Vier von fünf Säuglingen sollen den Eingriff nicht überleben oder schwere Behinderungen davon tragen. Operativ getrennt werden die Säuglinge je nach Zustand kurz nach der Geburt bis innerhalb eines Jahres.