Nahverkehr

Mit der Straßenbahn zum Flughafen Tegel

Anfang 2021 soll der Airport schließen. Fünf Jahre später soll mit dem Bau einer Tram zum dortigen Forschungspark begonnen werden.

Die Tram soll dereinst auch zum Flughafen Tegel fahren – allerdings erst, wenn dieser geschlossen ist (Archivbild).

Die Tram soll dereinst auch zum Flughafen Tegel fahren – allerdings erst, wenn dieser geschlossen ist (Archivbild).

Foto: Paul Zinken / picture alliance / dpa

Berlin.. Jahrelang hat der Flughafen Tegel (TXL) auf eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gehofft. Nach seiner umstrittenen Schließung spätestens im Frühjahr 2021 – falls der Hauptstadtflughafen BER tatsächlich wie angekündigt im Herbst 2020 eröffnet wird – soll dieser Wunsch endlich in Erfüllung gehen. Künftig soll TXL nicht mehr nur per Bus, sondern auch mit der Straßenbahn zu erreichen sein.

Wie die Verwaltung von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) auf ihrer Homepage jetzt mitteilt, haben die Voruntersuchungen „zur Ermittlung der planerisch zu bevorzugenden Variante für die Straßenbahnverlängerung“ begonnen. Doch nicht das Wohl der Flugreisenden steht bei den Planungen im Vordergrund, sondern die Anbindung des Forschungs- und Industrieparks „Urban Tech Republic“ sowie der neuen Wohngebiete, die nach der Schließung des Flughafens auf dem Areal entstehen sollen.

Tramtrasse für die Urban Tech Republic am Berlin TXL

Berlin TXL ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Berlins. Neben der Urban Tech Republic sind auf einem rund 490 Hektar großen Areal auch das Schumacher Quartier mit rund 5000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen geplant. Weitere Wohnbebauungen sind auch außerhalb des eigentlichen Flughafen-Areals vorgesehen.

Der rot-rot-grüne Senat hatte bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Anbindung von Berlin TXL an das öffentliche Verkehrsnetz insgesamt verbessert werden soll. Dieser mittlerweile zweieinhalbjährigen Vereinbarung sollen jetzt Taten folgen.

Tram soll ehemaligen TXL besser anbinden

Die verbesserte Anbindung des Gebiets soll nun offenbar durch den Bau einer Straßenbahn geschehen. Konkret wird die Straßenbahntrasse dann bis zum S- und U-Bahnhof Jungfernheide geführt, im Moment endet sie noch am Hauptbahnhof. Geprüft wird die Verlängerung durch die Turmstraße und weiter bis zum S- und U-Bahnhof Jungfernheide und von dort aus zum Flughafenareal. Als Baubeginn wird „spätestes 2026“ genannt.

Auch die Weiterführung der aktuellen Tramtrasse M13 entlang der Seestraße, die jetzt am Virchow-Klinikum endet, könnte zum geplanten Stadtquartier möglich sein. Genauso wie die neue Tramtrasse, die vom Pastor-Niemöller-Platz und Bahnhof Pankow entlang der Fennstraße zur Turmstraße führen soll und von dort aus dann wiederum zum TXL.

Wie genau die Strecken geführt werden sollen, ist jedoch noch offen – verschiedene Varianten sind in Prüfung. Ein Jahr lang will sich die Verwaltung für die Prüfung Zeit lassen: „Der Abschluss der Arbeiten ist für Sommer 2020 vorgesehen“, heißt es in der Ankündigung.

Verkehrsexperten fordern U-Bahnanschluss für den einstigen Flughafen Tegel

„Egal, ob der Flughafen schließt oder offenbleibt, eine bessere Verkehrsanbindung ist erforderlich“, kommentiert der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Oliver Friederici, die Ankündigung aus der Verkehrsverwaltung. „Ein U-Bahnanschluss wäre mir allerdings lieber gewesen, ganz egal über welche Linie“, so der Politiker. Eine Straßenbahn könne nie die Verkehre aufnehmen, die eine U-Bahn bewältige, begründet er.

Auch Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb ist erfreut, dass die Planungen jetzt vorangetrieben werden. „Wir begrüßen die Planungen ausdrücklich und sehen zudem noch weiteren Bedarf für den Anschluss an das U-Bahn-Netz“, sagt der Nahverkehrsexperte. Im Bezirk lasse sich beobachten, dass beide Verkehrsmittel nebeneinander gut funktionieren. „Beide Verkehrsmittel sind stark genutzt“, sagt Wieseke.

Die Kosten sind noch nicht ermittelt

„Der Start der sogenannten Grundlagenermittlung bedeutet nicht, dass eine Entscheidung für ein bestimmtes Verkehrsmittel gefallen ist“, versichert Dorothee Winden, Sprecherin der Verkehrssenatorin, auf Anfrage der Berliner Morgenpost am Donnerstag. Die Untersuchung diene dazu, eine neue ÖPNV-Anbindung von Berlin TXL und per Straßenbahn an das bestehende Schienenverkehrsnetz zu untersuchen und zu bewerten. Mit einem Vergleich der Transportvarianten solle auch geprüft werden, ob die Straßenbahn im Vergleich zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln das geeignetste Mittel ist.

Für den Vergleich der verschiedenen öffentlichen Nahverkehrsmittel würden grundsätzlich alle in Frage kommenden städtischen Verkehrsmittel wie S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn und Bus verglichen. „Zudem befassen sich derzeit Machbarkeitsstudien mit möglichen Verlängerungen der U-Bahnlinien U6, U7 und U8“, fügt die Sprecherin hinzu.

Auch zu den voraussichtlichen Kosten eines Tramanschlusses gibt es noch keine Auskunft. Die Kosten einer Straßenbahnanbindung könnten erst mit Festlegung der planerisch zu bevorzugenden Variante abgeschätzt werden“, heißt es dazu in der Ankündigung.