Datennetze

Olympiastadion bekommt kostenloses WLan

Kostenlos und ohne Anmeldung ins Internet: Nach langer Debatte hat der Ausbau der WLan-Infrastruktur in Berlin Fahrt aufgenommen.

Stars fotografieren und dann in die sozialen Netze hochladen: In Zukunft soll das im Olympiastadion schneller gehen.

Stars fotografieren und dann in die sozialen Netze hochladen: In Zukunft soll das im Olympiastadion schneller gehen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.. Musikfans oder Liebhaber des Fußballs kennen das Ärgernis. Eigentlich wollen sie nur schnell das Video ihres Stars auf Instagram stellen oder mal kurz die Vereinslaufbahn des gegnerischen Stürmers googeln. Aber wenn zu viele Menschen im Olympiastadion ebenfalls gerade mobil ins Internet wollen und die gleiche Funkzelle belagern, dreht sich das Rädchen auf dem Smartphone eine halbe Ewigkeit. Oft bricht das Netz auch komplett zusammen.

Damit soll es bald ein Ende haben. Das Olympiastadion soll flächendeckend mit W-Lan ausgerüstet werden. In dieses mobile Netz können sich Nutzer einloggen und ihre Daten dann kostenfrei hoch- oder runterladen. Für viele Sportstätten, die sich auch selbst als Event-Standorte vermarkten müssen, ist das mehr als ein Service-Angebot für die Besucher. Massenhafte Posts auf den Social-Media-Kanälen sind auch eine willkommene Art kostenloser Werbung.

Bisher hatte nur die VIP-Zone Wlan

Nun hat der Senat vier Millionen Euro in die neueste Tranche seines Sonder-Investitionstopfes Siwana eingestellt, der aus den Überschüssen des letztjährigen Haushaltes gespeist wird. Mit diesem Geld soll das Olympiastadion mit WLan ausgestattet werden. Bisher hatten allein die Besucher der VIP-Zone Zugang zum kostenfreien und zuverlässigen Hotspot. Künftig soll dieser Service für alle Mobilfunknutzer im Stadion gelten.

Sobald das Abgeordnetenhaus den Senatsvorschlag bestätigt hat und das Geld freigegeben wird, sollen die Leistungen ausgeschrieben werden, so ein Sprecher der Sportverwaltung. Damit sei für Anfang kommenden Jahres zu rechnen. Die vier Millionen Euro sollten für den Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur ausreichen.

Vertrag mit Firma wurde doch wieder gekündigt

Die Sportverwaltung ist damit von ihren ursprünglichen Plänen abgewichen. Im vergangenen Sommer hatte Sport-Staatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark noch einen anderen Weg beschrieben. Demnach sollte die Hamburger Firma Free Mee die Konzession ohne Ausschreibung erhalten, ein Vertrag bis 2025 sei abgeschlossen.

Diesen Vertrag hat die Olympiastadion GmbH als Betreiber der Arena aber Ende Juni dieses Jahres gekündigt. Über die Gründe dieses Kurswechsels wollte die Sportverwaltung mit Verweis auf den „noch nicht abgeschlossenen juristischen Prozess“ keine Angaben machen. Bei Free Mee in Hamburg war am Donnerstag niemand zu erreichen.

Insider vermuten, dass es Kritik von anderen Infrastrukturanbietern an der freihändigen Vergabe des Millionenauftrags an die Hamburger gegeben haben könnte. Offenbar haben entsprechende juristische Bedenken nun zur Kündigung des Kontraktes geführt.

5000 Hotspots gibt es im Stadtgebiet

Insgesamt hat sich die Versorgung mit kostenlosem und öffentlichem Wlan in Berlin in den vergangenen Jahren verbessert. Mit dem Abschluss der zweiten Ausbaustufe des Projektes Free Wifi Berlin stehen aktuell nach Angaben des Senats 2000 städtische Hotspots zur Verfügung. Monatlich würden Bevölkerung und Gäste 9,2 Millionen Mal auf das freie Wlan zugreifen. Vor einem Jahr waren es erst 5,1 Millionen, im März 2017 noch 2,8 Millionen. „Die Resonanz auf das Wlan-Projekt zeigt, dass eine Metropole von der Größe Berlins Bedarf an weiterem freien Wlan hat“, so der Senatskanzleichef Christian Gaebler.

Dem Aufbau der Hotspots war eine jahrelange politische Diskussion vorausgegangen. Insgesamt stehen mit weiteren kostenfreien Einwahlpunkten etwa der BVG, der Evangelischen Kirche, der Initiative Freifunker oder der Medienanstalt Berlin Brandenburg in der Stadt 5000 Wlan-Spots zur Verfügung.

Starke Nachfrage am Fernsehturm und am Brandenburger Tor

Besonders stark genutzt wird das drahtlose Netz der Stadt Berlin an den touristischen Attraktionen Brandenburger Tor und Fernsehturm. Aber auch auf dem Tempelhofer Feld loggen sich Berliner und Besucher besonders häufig ein. Der Senat hat nach eigenen Angaben aber auch Wert darauf gelegt, mit der zweiten Ausbaustufe auch Grünanlagen wie den Gleisdreieckpark oder die Marzahner Gärten der Welt zu versorgen. Aber auch die Staatsoper, Gerichtsgebäude, Schwimmbäder, Kfz-Zulassungsstellen und weitere Behördengebäude wurden mit Wlan ausgestattet. Die BVG biete Wlan an mehr als 650 Spots in ihren Bahnhöfen an, auch in 180 Bussen bestehe das Angebot.

Die Bezirke wollen ihr Angebot ebenfalls aufstocken, Acht Bezirke haben sich nach Senatsangaben für ein EU-Projekt zur Förderung kommunaler Internetanbindung beworben. Lichtenberg sei ausgewählt worden und könne mit 180.000 Euro aus Brüssel rechnen, so Gaebler in einem Bericht ans Abgeordnetenhaus.

Und auch Patienten, Besuchern und Beschäftigten in Berlins Krankenhäusern soll der Gang ins Internet erleichtert werden. 2017 und 2018 hat der Senat 4,7 Millionen Euro für den Ausbau von Wlan in den Kliniken bereitgestellt. Anträge über 38 Standorte lägen vor, darunter neun des städtischen Krankenhauskonzerns Vivantes. Bewilligt seien 33 Anträge mit einem Fördervolumen von 286 Millionen Euro.