Grundstücksmarktbericht

Immobilien in Kleinmachnow teurer als in Berlin

Die Nähe zu Berlin-Zehlendorf macht Kleinmachnow attraktiv. Günstige Grundstücke gibt es noch im Süden von Brandenburg.

Kleinmachnow gehört zu den begehrten Wohnlagen in Brandenburg.

Kleinmachnow gehört zu den begehrten Wohnlagen in Brandenburg.

Foto: pa

Potsdam. Wer vor Jahren in ein Grundstück im Speckgürtel investiert hat, tat gut daran. Denn im begehrten Berliner Umland stehen immer weniger Flächen zum Verkauf – und diese werden zugleich immer teurer. Die Zahl der Kaufverträge und der Flächenumsatz seien in Brandenburg leicht zurückgegangen, erklärt Jürgen Kuse, Vorsitzender des Obersten Gutachterausschusses für Grundstückswerte. Rund 6,5 Milliarden Euro seien 2018 durch Grundstücksverkäufe umgesetzt worden – elf Prozent mehr als 2017. „Das bedeutet, dass die Preise weiter gestiegen sind“, so Kuse. Am Donnerstag stellte er den Grundstücksmarktbericht 2018 für Brandenburg vor. Der basiert auf Kaufverträgen aus dem vorigen Jahr.

Besonders tief in die Tasche greifen musste, wer in Kleinmachnow Grund und Boden erwarb. Im Durchschnitt kostete dort ein Quadratmeter Bauland für ein Einfamilienhaus 680 Euro. Die Gemeinde ist damit teurer und gefragter als die Landeshauptstadt Potsdam, wo Käufer „nur“ 416 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen mussten. Kuse verwundert das nicht. Die Nachbarschaft zu Zehlendorf strahle auf Kleinmachnow aus. „Das ist eine gute Wohnlage. Und neben der Nachfrage bestimmt letztlich die Lage den Preis“, erklärt Kuse. Auch in berlinnahen Gemeinden wie Teltow zieht seit Jahren der Preis an, dort kostet der Quadratmeter mittlerweile 383 Euro. Weniger Geld muss aufbringen, wer in ländlichen Regionen Platz fürs neue Eigenheim sucht. „In der Peripherie ist man teilweise noch mit unter zehn Euro pro Quadratmeter Bauland dabei“, so Kuse. Günstig ist es beispielsweise für Bauherren, die in Heideblick (2018 im Schnitt 8,18 Euro pro Quadratmeter), Schönewalde (8,67 Euro) oder Meyenburg (9,06 Euro) Wohnbauland erwerben. Der landesweite Durchschnittspreis lag bei 125 Euro.

Verkauft werden immer häufiger Wochenendhäuser

Gut bei Kasse musste auch sein, wer sich in Kleinmachnow ein Ein- oder Zweifamilienhaus zugelegt hat. Mit den höchsten Durchschnittspreisen von 766.800 Euro führt die Gemeinde auch dieses Ranking an, gefolgt von Potsdam (578.000 Euro), Teltow (515.000 Euro) und Glienicke/Nordbahn (446.000 Euro). Falkensee machte im Vorjahr das Rennen bei der Anzahl der Hauskäufe, vor Oranienburg, Königs Wusterhausen und Wandlitz. Erheblich günstiger war der Immobilienkauf dagegen erneut in Orten in ländlicher Randlage: Am unteren Ende der Skala wurden beispielsweise Ein- oder Zweifamilienhäuser in Letschin (Märkisch-Oderland) für 45.200 Euro, in Uebigau-Wahrenbrück für 43.400 Euro oder in Mühlberg (beide Elbe-Elster) für 36.500 Euro veräußert. Brandenburgweit stieg der Durchschnittspreis für frei stehende Ein- oder Zweifamilienhäuser um sieben Prozent auf 230.000 Euro, bei Reihen- oder Doppelhäusern wurden 200.000 Euro aufgerufen.

Die Schere zwischen Berliner Umland und ländlichen Regionen gehe immer weiter auseinander, registriert Innenstaatssekretärin Katrin Lange besorgt. „Es ist eine gefährliche Entwicklung, wenn sich geringer Verdienende kaum noch Bauland, Wohnungen oder Häuser rund um Berlin leisten können“, sagt Lange und wirbt zugleich für einen Blick auf die Städte in der „zweiten Reihe“. Mit einem Bahnhof in der Nähe sei Berlin teilweise in weniger als 30 Minuten zu erreichen, was solche Wohnorte gerade für Pendler attraktiv machen dürfte.

„Wochenendhäuser spielen am Markt eine immer größere Rolle“, beobachtet Experte Kuse. Sie machten 2018 einen Anteil von elf Prozent aller Verkäufe von bebauten Grundstücken aus. Gegenüber 2017 nahm die Zahl der Kaufverträge mit 1490 um 15 Prozent zu. Zu einem Durchschnittspreis von 40.700 Euro (2017: 37.200 Euro) wurden dabei im weiteren Metropolenraum 1132 Wochenendhäuser verkauft. Preislich sticht auch hier wieder das Berliner Umland heraus: Hier wurde bei 385 Verkäufen mit 88.800 Euro im Schnitt mehr als das Doppelte investiert.

Erstmals seit mehr als zehn Jahren sank der Bodenpreis für Ackerland leicht auf einen Euro pro Quadratmeter (2017: 1,02 Euro). Der land- und forstwirtschaftliche Immobilienmarkt weist mit 5495 registrierten Kaufverträgen einen Rückgang von vier Prozent auf. „Die schlechten Witterungsbedingungen für die Landwirtschaft dürften hier Einfluss gehabt haben“, vermutet Kuse.

Was er Immobilieninteressierten generell rät: sich Haus oder Grundstück am besten im Frühjahr zuzulegen. „Zu Jahresende steigen die Preise kontinuierlich an.“ Dieses Phänomen sei seit Jahren zu beobachten. Eine Neuerung kommt mit den neuen Bericht: Erstmals sind die amtlichen Grundstücksmarktdaten in Brandenburg in diesem Jahr kostenfrei und online verfügbar. Bisher kostete der Bericht 45 Euro, eine Bodenrichtwertauskunft jeweils 15 Euro.

Mehr zum Thema:

Häuser und Grundstücke für 19 Milliarden Euro verkauft