Kriminalität Berlin

Mehr Körperverletzungen, aber weniger verurteilte Schläger

Obwohl die Kriminalität in Berlin rückläufig ist, steigt die Zahl der Körperverletzungen. Die Verfahren dauern viel zu lange.

Polizisten im Einsatz (Archivbild)

Polizisten im Einsatz (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Obwohl die Kriminalität insgesamt in Berlin rückläufig ist, verharrt das Delikt Körperverletzung seit Jahren auf hohem Niveau. Zuletzt stiegen sogar die Fallzahlen. Einer der Gründe, mutmaßen Polizisten, könnte in den geringen Verurteilungsquoten und langen Verfahrensdauern liegen. Diese Vermutung wird nun durch eine weitere Statistik untermauert. Seit dem Jahr 2014 wurden in Berlin weniger Schläger verurteilt. Das geht aus der Antwort der Justizverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Trapp wollte von der Justizverwaltung die Anzahl der Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzungen wissen. Wurden im Jahr 2015 noch 1787 Schläger in Berlin verurteilt, waren es im Jahr 2017 noch 1430 und im Jahr 2018 nur 862. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Körperverletzungen in Berlin von 40.736 auf 43.340 sogar an. Auch bei den gefährlichen Körperverletzungen gab es ein leichtes Plus von 72 Fällen auf 10.813 erfasste Taten.

Innenexperte fordert zusätzliches Personal für die Justiz

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost heißt es aus der Justizverwaltung, dass die Statistik wenig aussagekräftig sei. Der starke Rückgang im Jahr 2018 sei damit zu erklären, dass in der Statistik nur rechtskräftige Verurteilungen erfasst werden. Das heißt im Klartext: Die Statistik kommt mit den langen Verfahrensdauern in Berlin nicht mit. „Die Tabelle weist Verurteilungen den Jahren zu, in denen sie eröffnet wurden“, sagte Justizsprecher Sebastian Brux. Aussagekräftig würden die Zahlen erst nach mindestens zwei Jahren, wenn die Verurteilungen rechtskräftig werden. Das heißt: Die Zahlen der Jahre 2017 und 2018 werden sich noch einmal erhöhen. „Die Tabelle beweist keine Nachlässigkeit der Justiz bei gefährlicher Körperverletzung, sondern verdeutlicht einmal mehr die bereits bekannte lange Verfahrensdauer am Landgericht“, sagte Brux.

Innenexperte Trapp fordert daher zusätzliches Personal für die Justiz. „Die Belastung ist hoch. Eine Besserung gibt es nur, wenn mehr Staatsanwälte und Amtsanwälte eingestellt werden“, sagte der CDU-Politiker. In der Bevölkerung entstehe sonst ein Gefühl der Verunsicherung, wenn Körperverletzungen nicht oder erst sehr spät geahndet würden.

In der Justizverwaltung verweist man darauf, dass man allein am Landgericht 20 zusätzliche Kammern eingerichtet habe. „Mit der langen Verfahrensdauer am Landgericht sind wir nicht zufrieden, weshalb wir derzeit viele Einstellungs- und Beförderungsverfahren laufen haben und erneut neue Richterstellen schaffen wollen“, sagte Justizsprecher Brux. Der Nachtragshaushalt 2020/21 sehe 281 zusätzliche Stellen vor. Davon entfielen 158 Stellen auf die Gerichte und Strafverfolgungsbehörden.