Elektromobilität

In Berlin fahren immer mehr E-Autos auf den Straßen

Zwischen Januar und Juni sind in Berlin gut 1000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen worden. Der Anteil an allen Zulassungen steigt.

Bis Ende 2020 soll die Zahl der Ladepunkte in Berlin auf rund 1100 steigen.

Bis Ende 2020 soll die Zahl der Ladepunkte in Berlin auf rund 1100 steigen.

Foto: Sigrid Harms / dpa

Berlin. Die Akzeptanz von strombetriebenen Fahrzeugen nimmt in Berlin weiter zu. Das zeigen neue Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zu Neuzulassungen. Demnach sind in der deutschen Hauptstadt zwischen Januar und Juni dieses Jahres 1105 Elektroautos neu zugelassen worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 132 Prozent. 2018 waren in den ersten sechs Monaten des Jahres lediglich 475 rein mit Strom betriebene Fahrzeuge neu angemeldet worden.

Damit wurden im ersten Halbjahr 2019 so viele E-Autos zugelassen wie nie zuvor in der deutschen Hauptstadt. Auch bundesweit lag die Zahl der neu zugelassenen Stromer zuletzt auf Rekordhoch. Laut Zählung des KBA meldeten Besitzer zwischen Januar und Juni insgesamt 31.059 elektrisch angetriebene Fahrzeuge an. Die meisten neuen E-Auto-Besitzer gibt es demnach in Bayern (7341), Nordrhein-Westfalen (5656) und Baden-Württemberg (5142).

Anteil der E-Autos aber noch immer gering

Insgesamt wurden in Berlin zwischen Januar und Juni dieses Jahres 44.519 Pkw neu zugelassen. Zwar ist der Anteil von E-Auto an allen Neu-Zulassungen noch immer gering. Das Segment wächst jedoch seit Jahren. 2019 lag der Anteil der Stromer an an allen neu angemeldeten Fahrzeugen in der deutschen Hauptstadt bei 2,48 Prozent (2018: 1,15 Prozent). Laut Berechnungen der Berliner Agentur für Elektromobilität sind damit derzeit rund 10.000 in Berlin gemeldete E-Autos auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs. Hinzu kommen zahlreiche Elektrofahrzeuge von Car-Sharing-Anbietern wie WeShare, ShareNow oder Sixt.

Elektrisch betriebene Fahrzeuge seien ein wichtiger Baustein für einen lokal emissionsfreien Verkehr, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Aktuell sei eine Aufbruchstimmung wahrzunehmen. Es gebe immer mehr Menschen und Unternehmen, für die das Elektrofahrzeug zu einer echten Alternative werde, so Pop. „Berlin als wachsende Stadt hat eine besondere Verantwortung für den Klima- und Gesundheitsschutz. Die Klimakrise erfordert ein konsequentes Handeln, insbesondere auch bei der Mobilität. Wir sorgen für leiseren und sauberen Wirtschaftsverkehr in der Stadt“, sagte Pop.

Förderprogramm bringt 300 E-Autos auf Berliner Straßen

Die Senatsverwaltung hatte Ende September des vergangenen Jahres ein neues Förderprogramm aufgelegt. Mit dem Geld aus dem Topf für Wirtschaftsnahe Elektromobilität (kurz: Welmo) können sich Unternehmen die Anschaffung von E-Autos, den Aufbau von Ladesäulen und Beratungen zum Thema Elektromobilität fördern lassen. Bislang seien unter anderem Fördermittel für rund 1800 Elektroautos beantragt worden. 300 dieser staatlich subventionierten Stromer seien bereits ausgeliefert und auf den Berliner Straßen unterwegs, so die Wirtschaftsverwaltung. In 353 Fällen seien zudem Zuschüsse zum Aufbau von Ladesäulen beantragt worden.

Die Zahlen zeigten nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, dass der lang diskutierte Umstieg auf Elektromobilität endlich Fahrt aufgenommen habe. Dieser Wandel wirke sich sehr positiv auf die Luftqualität und den Verkehrslärm aus. Berlin dürfe jetzt nicht versäumen, schnell die nötige Ladeinfrastruktur auszubauen, sagte der IHK-Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik, Jörg Nolte. „Die Politik muss den Ausbau schneller vorantreiben und vor allem im öffentlich zugänglichen Raum die Dichte von verfügbaren Ladesäulen erhöhen“, forderte Nolte.

Ladesäulen innerhalb des S-Bahn-Rings alle 400 Meter

Laut IHK-Angaben sind E-Autos mittlerweile auch fester Bestandteil der Flotten von Berliner Unternehmern. In einer aktuellen Umfrage geben acht Prozent der Firmen an, mindestens ein Elektrofahrzeug im eigenen Fuhrpark zu haben. 17 Prozent der Unternehmen planen, in den kommenden Monaten ein E-Pkw zu kaufen.

Die Ladeinfrastruktur in der Stadt hält aber fast die Hälfte der Unternehmen noch für ausbaufähig. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft kündigte auf Morgenpost-Nachfragen an, dass die Anzahl der Ladepunkte in Berlin bis Ende 2020 auf rund 1100 steigen soll. „Innerhalb des S-Bahn-Rings wird alle 400 Meter ein Ladepunkt vorfindbar sein“, sagte eine Sprecherin.

FDP will mehr Stromer auch in Flotten von Bezirken und Senat

Die Opposition im Abgeordnetenhaus forderte Senat und Bezirke unterdessen auf, auch die eigenen Flotten stärker auf E-Antrieb umzustellen. „Das Land Berlin könnte bei seiner Dienstwagenflotte mehr E-Fahrzeuge anschaffen, denn gerade für Nutzungen, die viele kurze Fahrten in der Stadt erfordern, sind E-Fahrzeuge besonders geeignet und auch kostengünstig“, sagte Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Die Zuschüsse von Bund und Senat zur Anschaffung von E-Autos kritisierte Schmidt hingegen als „nicht zielführend“. Voraussetzungen für eine größere Verbreitung seien weitere Fortschritte bei der technischen Leistungsfähigkeit und geringere Anschaffungskosten, so Schmidt. Dann werde Anteil von E-Fahrzeugen automatisch steigen, zumal die Stromer Betriebskostenvorteile aufwiesen, erklärte er.