Wissenschaftslandschaft

Michael Müller auf Sommertour: „Und wie wird das Wetter?“

Der Senatschef besucht auf seiner Sommertour wissenschaftliche Einrichtungen. Der Start erfolgte im Meteorologischen Institut der FU.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.. Hoch Sandra und Tief Rico rangeln gerade um die Vorherrschaft über Norddeutschland. Das hat am Dienstag zu der kühlen und feuchten Luft in Berlin geführt, die direkt von der Nordsee kam. Aber in den kommenden beiden Tagen wird es besser, erfuhr der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag im Meteorologischen Institut der FU.

Berlin hat verschiedene Klimazonen

Auf seiner Sommertour besuchte er ausgewählte Standorte der Berliner Wissenschaftslandschaft. Dabei erfuhr er einige interessante Details über das Berliner Wetter. Zum Beispiel, dass Berlin verschiedene Klimazonen hat, wie der Dekan des Instituts, Uwe Ulbrich, ihm erklärte. Die Temperaturen können vor allem nachts um bis zu fünf Grad Celsius differieren.

Müller folgte den Ausführungen des Wissenschaftlers interessiert. „Und wie wird das Wetter am Wochenende“, fragte er dann. „Da habe ich eine Freiluftveranstaltung.“ Die Meteorologen konnten ihn beruhigen. Es wir voraussichtlich wieder sommerlich.

Das Meteorologische Institut gehört zu den ersten Einrichtungen, die nach der Eröffnung der Freien Universität ihre Tore für Studenten im zerstörten Nachkriegsberlin öffneten. Systematische Wetterbeobachtungen gab es schon seit 1908 in Dahlem, aber erst danach erfolgten sie systematisch und mit akademischem Hintergrund. So waren es die Berliner Wetterforscher, die 1952 das sogenannte Berliner Phänomen entdeckten. Dabei handelt es sich um riesige Wetteränderungen in der Stratosphäre. Etwa alle zwei Jahre steigt dann die Temperatur innerhalb weniger Tage um 50 Grad Celsius an.

500 Spitzenmathematiker arbeiten in Berlin zusammen

Immer bedeutender wird für die Wissenschaftler die internationale Zusammenarbeit. Weltweit tauschen sich die Forscher aus, um Wetteranalysen und -vorhersagen zu berechnen. Zwar setzt die Wissenschaft dabei immer mehr auf technische Hilfsmittel, aber auch die menschliche Beobachtung darf nicht fehlen. Das Berliner Institut ist eines der wenigen, das noch eine 24-stündige Wetterbeobachtung durch Menschen gewährleistet. Das, erfuhr der Regierende Bürgermeister, wird vor allem von Studenten des Instituts vorgenommen, die auf den benachbarten Wasserturm steigen, um zu sehen, wie das Wetter so wird.

Danach fuhr Müller zur Technischen Universität (TU) nach Charlottenburg, wo er das Spitzenforschungsprojekt „Math+“ besuchte. Hier arbeiten insgesamt 500 Mathematiker aus allen drei Universitäten und zwei außeruniversitären Einrichtungen an praktischen Anwendungen für Mathematik. „Durch Mathematik die Welt verändern“, lautet das ehrgeizige Motto des Forscherzusammenschlusses – mit erstaunlichen Ergebnissen. So konnten Mathematiker des Projekts nachweisen, dass die Herzfrequenzen von vielen Gesundheitsapps nur sehr fehlerhaft gemessen wurden und teilweise um bis zu 30 Schläge pro Minute abwichen. Jetzt arbeiten die Wissenschaftler an Lösungen, das genauer messen zu können.

Auswirkungen des 365-Euro-Tickets für den Verkehr

Ein ganz großes Themenfeld sehen die Forscher zudem in der Mobilität der Zukunft. „Es gibt da diese Idee, ein 365-Euro-Ticket einzuführen“, sagte TU-Präsident Christian Thomsen. „Ja, ich habe davon gehört“, antwortete Müller, der sich vergangene Woche für diese Idee eingesetzt hatte und dafür viel Kritik erntete. Die Mathematiker von „Math+“ können mit ihren Modellen nun berechnen, welche Folgen das für den Verkehr hätte. Wie viele Menschen vom Auto oder als Fußgänger auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen und was das für den Verkehr in der Stadt bedeutet.

Möglicherweise bekommen die Spitzenmathematiker von Math+ bleibt Zuwachs. Michael Müller, der zugleich Forschungssenator ist, nutzte seine Tour durch die Wissenschaftslandschaft dazu, eine weitere gute Nachricht zu verkünden. Die Damp Stiftung stellt 30 Millionen Euro zur Verfügung, um weitere Spitzenforscher in die Stadt zu locken. Das Land gibt noch 15 Millionen Euro dazu. „Mit dem Programm erhält der Exzellenzstandort einen weiteren Schub im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagte Müller. Er sei immer wieder erstaunt, wie vielfältig die Berliner Wissenschaftsszene sei.

Durch diese Stiftung erhofft sich Müller auch Rückenwind für die Exzellenzinitiative, über die am Freitag entschieden wird. Hier könnten weitere bis zu 28 Millionen Euro in die Berliner Wissenschaftslandschaft fließen. Zum ersten Mal bewirbt sich Berlin mit einem Gemeinschaftsvorhaben aller drei Universitäten und der Charité. Sie wollen in einem einzigartigen Verbund einen gemeinsamen Forschungsraum für Wissenschaftler aus Universitäten, außeruniversitären Einrichtungen und Start-ups schaffen. Mit Spannung fiebern die drei Universitätschefs und des Vorsitzenden der Charité dem Verkündungstermin am Freitag entgegen.

Chefs der Universitäten wollen DJ spielen

Gemeinsam wollen sie die Entscheidung in der Urania abwarten und im Erfolgsfall feiern. Sollte es klappen, wollen sich die Uni-Chefs als DJ betätigen. „Ich habe meine Playlist schon zusammengestellt“, verriet FU-Präsident Günter Ziegler. Nicht fehlen darf: „First we take Manhattan and then we take Berlin“ von Leonard Cohen.