Körperverletzung

Tatort Spielplatz: Immer wieder gefährliche Vorfälle

Ein Spielgerät auf einem Neuköllner Spielplatz wurde so manipuliert, dass sich ein Kind verletzte. Die Polizei ermittelt.

Elif und Efe auf dem Spielplatz an der Rütlistraße: Die manipulierte Wippe wurde bereits abgebaut, ein weiteres Spielgerät muss noch repariert werden.

Elif und Efe auf dem Spielplatz an der Rütlistraße: Die manipulierte Wippe wurde bereits abgebaut, ein weiteres Spielgerät muss noch repariert werden.

Foto: David Heerde

Berlin. Das Unglück passierte vergangenen Freitag auf einem Spielplatz an der Rütlistraße in Neukölln: Gegen Mittag war eine Kita-Gruppe auf dem Spielplatz unterwegs, die kleinen Kinder spielten ausgelassen, wippten und buddelten im Sand. Dann brach plötzlich eine Wippe, die einem Surfbrett ähnlich sah, zusammen.

Der vier Jahre alte Junge, der gerade darauf herumspielte, fiel zu Boden – und das Spielgerät auf ihn drauf. Die Folge: Eine große Platzwunde im Gesicht. Rettungssanitäter mussten anrücken und den kleinen Jungen mit ins Krankenhaus nehmen. Dort wurde er ambulant behandelt.

Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung

Doch was zunächst nach einem Unfall aussah, stellte sich schnell als mutwillige Sachbeschädigung heraus. Wie die Polizei feststellte, waren offenbar die Bolzen, die das Surfbrett-Wippgerät und die Halterung zusammenhielten, entfernt worden.

Die Kriminalpolizei der Direktion fünf hat die Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung übernommen. Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost erklärte eine Polizeisprecherin, dass keine weiteren Beschädigungen an Geräten auf Spielplätzen in Berlin in der jüngeren Vergangenheit gemeldet wurden. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

Anwohner lassen sich nicht abschrecken

„Ich habe meine Enkel letzte Woche nicht auf dieser Wippe spielen lassen“, berichtet am Montag eine Großmutter, die mit ihrem zwei Jahre alten Enkelsohn auf dem Spielplatz an der Rütlistraße spielt. „Das kam mir komisch vor, die Wippe sah so schief aus“, sagt sie. Ob aber bereits vor dem Unglück am Freitag Verbindungsbolzen fehlten, ist ungewiss. Die Großmutter jedenfalls lässt sich von dem Vorfall nicht abschrecken und will auch in Zukunft mit ihrem Enkel hier spielen. „Aber ich werde jetzt sicher die Augen offen halten“, sagt sie noch.

Mittlerweile wurde die manipulierte Wippe entfernt. Dennoch macht die Tat weiterhin sprachlos. „Ich bin fassungslos, was Menschen dazu bringt, mit voller Absicht die Gesundheit von Kindern zu gefährden. Dafür gibt es nullkommanull Rechtfertigung“, sagt Jochen Biedermann, Grüner Baustadtrat von Neukölln. Er erklärt, dass alle 121 Spielplätze im Bezirk wöchentlich von Mitarbeitern des Straßen- und Grünflächenamts geprüft würden. „Gezielte Manipulationen wie auf dem Spielplatz in der Rütlistraße lassen sich aber nie vollständig ausschließen“, so Biedermann weiter. „Ich hoffe, dass es der Polizei gelingt, die Täter zu ermitteln.“

Immer wieder heißt es: Tatort Spielplatz

Doch die Wippen-Manipulation auf dem Neuköllner Spielplatz ist kein Einzelfall in Berlin, immer wieder werden gefährliche Gegenstände auf Spielplätzen gefunden. Mindestens viermal war beispielsweise der Spielplatz auf dem Arnimplatz in Prenzlauer Berg im vergangenem Jahr ein Tatort. Nachdem dort im Sandkasten innerhalb weniger Wochen mehrfach gefährliche Gegenstände wie Rasierklingen oder Nadeln gefunden wurden, ließ das Bezirksamt Pankow den Sand umgraben, um den Spielplatz von möglichen weiteren Gegenständen zu reinigen. Die Polizei hatte damals mehrere Anzeigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung geschrieben. Ein Täter konnte nicht ermittelt werden. Im Bezirksamt Pankow ging man davon aus, dass es sich um einen oder mehrere Anwohner handelte, die ihren Hass auf Kinder zum Ausdruck bringen wollten. Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) verurteilte damals die Vorkommnisse als „asoziales Verhalten“. Wer so handle, solle aus Pankow fortziehen, forderte sie.

Fassungslos machte auch im Herbst 2018 der Fall des fünfjährigen Jungen, der auf einem Kreuzberger Spielplatz in eine Spritze mit HIV-infiziertem Blut getreten ist. Ob sich der Junge infizierte, teilten die Behörden damals nicht mit.

15 Millionen Euro für marode Spielplätze

Dabei steckt das Land Berlin allein in diesem Jahr rund 15 Millionen Euro in die Sanierung von 151 maroden Spielplätzen. Das ergab eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck Anfang des Jahres. Allein Neukölln erhält aus diesem Topf rund 2,8 Millionen Euro für 25 Spielplätze. Dafür wird unter anderem der Spielplatz am Mittelweg an der Thomashöhe für rund 600.000 Euro neugebaut und einer an der Mahlower Straße für circa 375.000 Euro umgebaut.

Der Bezirk Mitte hingegen lässt rund 500.000 Euro für Spielplatzsanierungen verfallen: Eigentlich stehen dem Bezirk aus dem Kita- und Spielplatzsanierungsprogramm Mittel in Höhe von 2,47 Millionen Euro zur Verfügung. 516.000 Euro davon hat der Bezirk jedoch an das Land zurückgegeben. So wurden zwar rund 765.000 Euro zur Sanierung von Kitas und 1,19 Millionen Euro für die Herrichtung von Spielplätzen eingeplant. Die restliche Summe kann der Bezirk jedoch nicht verbrauchen, da geeignetes Personal für die Sanierungsmaßnahmen fehlt.

Im Vorjahr standen den Berliner Bezirken sogar 16 Million Euro zur Kita- und Spielplatzsanierung zur Verfügung. Damals wurden 96 Prozent der Gelder auch verbaut. In Lichtenberg, Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg und Pankow blieben aber jeweils mehr als hunderttausend Euro ungenutzt. Marzahn-Hellersdorf und Neukölln gaben hingegen genauso viel Geld aus, wie ihnen zur Verfügung stand. Und Charlottenburg-Wilmersdorf schoss sogar übers Ziel hinaus: Der Bezirk gab für Kitas und Spielplätze 300.000 Euro mehr aus als geplant.