Umfrage

Michael Müller ist der unbeliebteste Landeschef Deutschlands

| Lesedauer: 5 Minuten
Joachim Fahrun
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) (Archivbild).

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) (Archivbild).

Foto: Christoph Soeder / dpa

67 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit Michael Müller. Damit landet er auf dem letzten Platz der deutschen Landeschefs.

Berlin. Traditionell haben die Hauptstädter keine hohe Meinung von ihrem Regierenden Bürgermeister. Eine aktuelle Umfrage von Forsa bestätigt diese Erkenntnis. Michael Müller (SPD) ist bei den eigenen Bürgern der unbeliebteste aller deutschen Ministerpräsidenten.

Im aktuellen Trendbarometer der Fernsehsender RTL und n-tv zeigten sich 67 Prozent der befragten Berliner unzufrieden mit Müllers Arbeit. Nur 27 Prozent äußerten sich zufrieden. Ende 2017 hatte Forsa zuletzt für diese Umfrageserie die Berliner zu ihrer Meinung über ihren Rathauschef befragt. Damals lag der Zustimmungswert für Müller noch elf Prozentpunkte höher. Besonders schwierig für Müller ist die bescheidene Zustimmung derjenigen, die die SPD wählen. Nur 42 Prozent dieser Gruppe äußerte sich positiv über Müllers Arbeit.

Seinem Vorgänger Wowereit ging es ähnlich

Die Forsa-Zahlen bestätigen die Daten, die das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap regelmäßig für die Berliner Morgenpost und die RBB-Abendschau erhebt. Auch der Berlin Trend weist Müller regelmäßig als einen der unbeliebtesten Regierungschefs Deutschlands aus. Ein kleiner Trost mag für Müller sein, dass es seinem lange sehr populären Vorgänger Klaus Wowereit nicht anders erging.

Im September 2012 etwa stand auch Wowereit im Berlin Trend unter den Ministerpräsidenten auf dem letzten Platz, mit der Zustimmung von 38 Prozent der Berliner lag er dabei nur knapp besser als Müller, mit dem zuletzt bei Infratest dimap nur 36 Prozent zufrieden waren. Auch wenn die beiden Umfrage-Serien im Detail nur bedingt miteinander zu vergleichen sind, bleibt die Erkenntnis eindeutig: Müller kommt nicht wirklich nach vorne, im Gegenteil.

Von Ergebnissen anderer Ministerpräsidenten – unabhängig von der Parteizugehörigkeit – kann der Berliner Sozialdemokrat nur träumen. So zeigten sich fast drei Viertel der Baden-Württemberger mit dem väterlich wirkenden Grünen Winfried Kretschmann zufrieden. Zwei Drittel der Schleswig-Holsteiner schätzen die Arbeit des liberalen CDU-Mannes Daniel Günther.

Und auch Sozialdemokraten können Bürger für sich einnehmen, wie die 60-prozentige Zufriedenheitsrate des Niedersachsen Stephan Weil zeigt. Neulinge können reüssieren wie der Hamburger SPD-Politiker Peter Tschentscher, der als Nachfolger des an der Elbe jahrelang hochbeliebten Olaf Scholz immerhin bei 60 Prozent der Hansestädter gut ankommt und damit sogar knapp besser abschneidet als Scholz im Dezember 2017. Und auch Linke können beliebt sein, wie es die 55 Prozent für den Thüringer Bodo Ramelow zeigen.

Ein Ergebnis, das Müller zu denken geben muss

Was Müller aber zu denken geben muss, ist der Umstand, dass es offensichtlich gelingen kann, bei den eigenen Bürgern Vertrauen zu erarbeiten. Das belegt vor allem das Abschneiden des Bayern Markus Söder in der Umfrage für RTL und n-tv. Der CSU-Politiker verbesserte sich seit dem Sommer 2018 um 18 Prozentpunkte von mit Müller vergleichbaren 31 auf 49 Prozent Zustimmung. Das bringt unter den 15 Länderchefs (in Bremen wird der neue Bürgermeister erst noch gewählt) einen Platz im unteren Mittelfeld. Auch dem als Nachfolger der zur CDU-Vorsitzenden avancierten Annegret Kramp-Karrenbauer regierenden Saarländer Tobias Hans (CDU) und dem Veteranen Volker Bouffier (CDU) aus Hessen ist es gelungen, deutlich zuzulegen. Und auch der Sachse Michael Kretschmer (CDU) konnte vor der Landtagswahl am 1. September Boden gut machen.

Bei Müller sind solche Tendenzen seit Jahren nicht zu erkennen, egal in welchen Umfragen. Daran haben auch bundespolitische Vorstöße wie das solidarische Grundeinkommen für Arbeitslose nichts geändert. Müllers jüngster nicht unumstrittener Vorstoß für ein 365-Euro-Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr nach Wiener Vorbild ist noch zu frisch, um in die Bewertung der von Forsa befragten Berliner einfließen zu können.

Das Schicksal sinkender Zufriedenheitswerte in den RTL/n-tv-Umfragen teilt Michael Müller mit weiteren Politikern seiner krisengeschüttelten SPD. Die lange als Hoffnungsträgerin gehandelte Manuela Schwesig büßte in Mecklenburg-Vorpommern zehn Punkte ein und kommt noch auf 43 Prozent. Die Interims-SPD-Vorsitzende Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz verlor vier Punkte (54 Prozent). Brandenburgs Dietmar Woidke muss kurz vor der Wahl im September einen Verlust von vier Punkten hinnehmen. Mit Woidkes Arbeit zeigten sich demnach 42 Prozent der Brandenburger zufrieden, 48 Prozent waren unzufrieden mit dem Sozialdemokraten, der in Potsdam eine rot-rote Koalition führt.

Die Rangliste der beliebtesten Landeschefs:

in Klammern „zufrieden/unzufrieden“

  1. Winfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg): 73 / 23
  2. Daniel Günther (CDU, Schleswig-Holstein): 66 / 27
  3. Stephan Weil (SPD, Niedersachsen): 60 / 31
  4. Peter Tschentscher (SPD, Hamburg): 60/ 32
  5. Bodo Ramelow (Linke, Thüringen): 55 / 41
  6. Volker Bouffier (CDU, Hessen): 54 / 39
  7. Malu Dreyer (SPD, Rheinland-Pfalz: 54 / 41
  8. Michael Kretschmer (CDU, Sachsen): 52 / 40
  9. Markus Söder (CSU, Bayern): 49 / 48
  10. Tobias Hans (CDU, Saarland): 45 / 43
  11. Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern): 43 / 53
  12. Dietmar Woidke (SPD, Brandenburg): 42 / 48
  13. Armin Laschet (CDU, Nordrhein-Westfalen): 40 / 52
  14. Reiner Haseloff (CDU, Sachsen-Anhalt): 38 / 56
  15. Michael Müller (SPD, Berlin): 27 / 67


* An 100 Prozent fehlende Angaben = „weiß nicht“.

Bremen wurde nicht berücksichtigt, weil dort gerade ein Wechsel an der Spitze des Stadtstaates bevorsteht.